KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 3 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2268830-2268968-2268971--3478-3523880- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^•ry-k- 48 kenntnis: Schlagworte, Verallgemeinerungen, Spielen mit Begriffen, die sich im Laufe der Zeit gewandelt haben, diwen die Grundlage, auf der dann die Urteile zustande kommen, deren Propagierung einen Schaden für die Allgemeinheit bedeutet. Wer im Volke weiß z. B., was man unter Marxismus versteht, und wer ist sich darüber klar geworden, inwieweit das System von Karl Marx heute noch Programmpunkt der Sozialdemokratischen Partei ist? Und umgekehrt: Was wird nicht alles als Reaktion bezeichnet?, wann ist das Urteil, eine politische Auffassung sei reaktionär, überhaupt begründet? Solche Beispiele unbegründeter Behauptungen lassen sich sowohl von links nach rechts als auch von rechts nach links in gleicher Weise finden. Die Grundlage politischer Erkenntnis und die Möglichkeit eines Urteils wird dadurch verfälscht, und eine Urteilsbildung über öffentliche Dinge erschwert. Daß in dem Gespräch von Mensch zu Mensch selbst in an sich gleichgültigen Dingen, die Frage „Ist denn irgendeine Behauptung oder eine der Erörterung zugrunde liegende Tatsache wahrscheinlich oder gar bewiesen?"-fast niemals ge- - stellt wird, daß die Gespräche meist wertlos sind, weil Behauptungen ausgestellt werden, die tatsächlich auf Sand gebaut sind, ist schon schlimm genug. In Angelegenheiten der großen Oeffentlichkeit aber ist die Unwahrheit wie auch die Unklarheit der Grundbegriffe Quelle größten Schadens. Dem abzuhelfen scheint fast unmöglich zu sein. Sicherlich ist es unmöglich, vollkommen reinen Tisch schaffen zu wollen. Aber eine Besserung ließe sich erzielen. Männer und Frauen aus allen politischen Lagern, aus allen Teilen unserer Gesellschaft sollten Zusammenkommen und eine Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung bilden. Hier müßten in unparteiischer, nüchterner Untersuchung diejenigen Punkte, die im inneren Leben hauptsächlich.zur Schaffung von Reiz- und Karnpfzuständen führen, grundsätzlich geklärt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen müßten weitgehend in den Kreisen der Männer und Frauen verbreitet werden, die im öffentlichen Leben stehen und die die öffentliche Meinung bilden und bewegen. Ein abschließendes Urteil wird und kann natürlich nicht sogleich gefunden werden. Aber wenn die Allgemeinheit gerade in den entscheidenden Fragen, die für die Gestaltung unseres innerpolitischen und innergesellschaftlichen Lebens von Bedeutung sind, zu einer Klärung geführt wird, so mag das zunächst genug sein. Also keineswegs etwa Beseitigung der Meinungsverschiedenheiten, sondern Beseitigung dessen, was die Menschen erhitzt, was auf unwahren Grundlagen beruht und der Förderung des Gesamtwohls schadet. Der Kampf der Jude« uw das akademische Lehramt. Von Stadtrabbiner Dr. Riegex, Stuttgart. Die Geschichte des Anteils der Juden an dem die Taufe empfangen, weil man ihnen offen Aufblühen der Wissenschaften im 19. Jahrhundert erklärt, daß die Taufe die conditio sine qua non ist noch zu schreiben. Sie wird eine bedeutsame wäre, ist sicher keine Ehre für das Judentum; Lücke im Nachweis der Gleichberechtigung und sie ist aber ebenso wenig ein Ruhm für den Staat Gleichbewertung der Juden ruhmreich ausfüllen, und die Kirche, die dieses Opfer der Moral ge- Ein besonderes Kapitel wird die Tätigkeit der fordert. In um so höherem Ausmaß gebührt den Juden im akademischen Lehramt behandeln. Es Männern dankbare Hochachtung, denen der Väterwird davon berichten, wie schwer es den Juden glaube kein Tauschartikel gewesen und die um der gemacht worden ist, zum akademischen Lehramt Treue zum Väterglauben willen peinigende Zuzugelassen zu werden. Mit wenigen Ausnahmen rücksetzung auf sich genommen haben, hatte der ungetaufte Jude ein wahres Martyrium Jüdische Studenten hat es schon lange vor der durchzumachen, bis ihn die akademischen Senate Emanzipation in überraschend großer Zahl am in ihren Lehrkörper aufnahmen. Von der Seelendeutschen Universitäten gegeben. Die Matrikel der Pein der nur zu Vielen, die sich bis zuletzt gegen Universität Frankfurt a. O. nennt schon 1678 die Zumutung gewehrt, ihren Väterglauben preisjüdische Studierende — es sind der spätere Arzt zugeben, bis sie, durch den aussichtslosen Kampf Dr. Tobias Cohen und sein Freund Dr. Gabriel zermürbt, sich zu dem letzten Opfer verstanden, Felix Moschides — und die Heidelberger Matrikel wird diese Geschichte allerdings schweigen. Die zählt unter ihren Studierenden Juden seit 1724 Täuflinge haben wohl nur dem nächsten Verauf. Die Zulassung zu den Universitätsstudien trautenkreise von dem Dornenweg zum Taufist aber Juden zunächst nur von Fall zu Fall bedecken erzählt. Die lange Reihe der Männer, die willigt worden. Den , jüdischen Studenten war erst unmittelbar vor dem Antritt ihres Lehramts jedoch nur das Studium der Medizin, der Physik