KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 3 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 jede Palästina-Arbeit als „zionistisch" abstempelt, was unsere Führer nie getan, was Eugen Fuchs ebenso wie Holländer stets ablehnten. Gewiß, es ist im Zionismus selbst oft versucht worden, diese Grenze zu verwischen. Die Männer des Keren Hajessod und des Pro Palästina-Komite's versuchte man als „Freunde des Zionismus" zu bezeichnen. Aber ist dieser Versuch denn für uns maßgebend? Ls ist ja auch sonst nicht üblich, daß wir die Ausdrucksweise des Zionismus als sakrosankt anerkennen. Diese Versuche sind vom Standpunkt des Zionismus aus begreiflich, der sein bequemstes Propagandamittel aufgibt, der heute aber durch die Tat anerkennen muß, daß das Basler Programm sich als untauglich erwiesen hat, trotz Balfour-Deklaration, trotz 10 Jahren ungehemmter Arbeitsmöglichkeit eine Lösung der Judensrage zu finden, ebensowenig wie vorher die Periode der Taufe eine Lösung der Lage bot, in die Mendelssohn uns geführt. So hat Rosenzweig denn recht, wenn er in einem Vorspruch zu einer Mendelssohn-Würdigung3) sagt: 3) Der im „Morgen", Oktober 1929,'abgcdruckt wird. „Mendelssohn, der erste deutsche Jude in dem schweren, beide Worte verantwortenden Sinne, in dem wir Deutsch-Juden unser Deutschjudentum nehmen, hat uns nicht den Schutz vererben können, unter dem er selbst die neuen Bindungen vollzog. Was ihm selber posthum an den Erben seines Blutes und seinesNamens geschehen ist .... das ist Symbol der Gefährdung, in die er unser, seiner geistigen Nachfahren, Dasein geführt hat. Einer geliebten Gefährdung, einer, die wir nicht missen möchten, nicht bloß um der geliebten beiden Verbundenen, des Judentums und des Deutschtums willen, sondern auch aus Liebe eben zur Gefahr und in dem Glauben, daß das Durchkämpfen und das Durchleben dieser Gefahr uns als Aufgabe gegeben ist. Aber Mendelssohn hat uns als Wehrlose in diese Zeit Gefahr hineingeführt, denn sein eigener Schutz war die Weltanschauung seines Jahrhunderts, an deren ersten Erkrankungskeimen er ... gestorben ist. So mußte schon das l 9. Jahrhundert sich auf eigene, also auf unmendelssohnsche Weise weiter helfen und müssen wir, Kinder einer wieder veränderten Zeit, uns auf neue Wege wagen." Neue Wege, die wir prüfen müssen, frei von Schlagworten, der Verbundenheiten nach beiden Seiten uns bewußt, das ist unsere Aufgabe, von der uns keine Begeisterung, kein Vorurteil abbringen soll. So müssen wir auch die Probleme des Deutschjudentums der Gegenwart untersuchen und zu lösen versuchen. Vergiftung der öffentlichen Meinung Von Ludwig Holländer.*) Innere Kämpfe von größtem Ausmaße durchwühlen die Völker. Während politische und wirtschaftliche Sorgen die Welt beunruhigen, wird ein großer Aufwand an Geist, Zeit und Geld zur Austragung von inneren Zwistigkeiten nutzlos vertan. Bis. zur Gluthitze steigern sich dabei die Leidenschaften. Das Los der Menschen scheint untrennbar mit diesen Kämpfen verbunden zu sein, um so mehr, als der unveredelte Kampfinstinkt des Einzelnen freudig jede Gelegenheit benutzt, sich auszutoben. Der gleiche Antrieb läßt den energiegeladenen Jüngling Brust an Brust mit dem Gegner über die Aschenbahn stürmen oder in gleicher Uniform gegen anders Uniformierte die Waffe erheben. Der Unterschied liegt anderswo. Im Sport mag es vielleicht Kampf um des Kampfes willen geben, wenngleich diese Feststellung recht äußerlich ist. Denn neben dem eigentlich beftiedigenden Kampfmoment steht immer auch das von der Allgemeinheit abhängige Bewußtsein des Zustandes, der nach dem Siege sein wird. Also auch *) Den vorliegenden Artikel hat uns Bbr. Lolländer als Vorabdruck aus der "in den nächsten Tagend erscheinenden Gedenknummer 'desZ„Morgen" für Professor Julius Goldstein liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt. der meist ideale Kampf ist letztlich zweckgebunden und stets nur denkbar im Rahmen der Gemeinschaft (Zuschauer). In der Wirtschaft und in der Politik gibt es Kampf nur im Hinblick auf den Zweck. Bringt dieser Kampf allen Vorteil, so werten wir ihn moralisch hoch, bringt er nur den Vorteil des Einzelnen, so wird er meist verwerflich sein. Gleichheit zwischen dem Kampfsport und dem Kampf im Leben besteht aber insofern, als wir stets vom Kämpfenden Ehrlichkeit in Kampfesweise und Gesinnung verlangen, — im Sport, weil unehrliche Kampfesart entsittlichend auf die zuschauende Masse wirkt, in Politik und Wirtschaft» weil durch unfaire Kampsesweise der innere und äußere Bestand der Gemeinschaft gefährdet wird. Eine solche Gefährdung tritt stets dann ein, wenn ein Kampf auf unwahren Grundlagen beruht, und sein Ziel nicht die Verbesserung irgendwelcher Zustände ist. sondern Auspeitschung der Leidenschaften und Erregungvon Haßgesühlen innerhalb der Gemeinschaft. Erscheint bei ruhiger Ueberlegung und Prüfung der Grundlagen die Vertretung einer Ueberzeugung nicht gerechtfertigt, so ist ein solcher Kampf unbedingt zu verwerfen. Meinungsverschiedenheiten wird es immer geben, und es