KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 97 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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(121) 97 Rasserrkurr-e des jüdischen Kolkes oder Der G(ermane) m(it) b(eschränkter) H(aftung). Von Rabbiner Dr. Ernst Jacob, Saarbrücken (Silesia). Rassenkunde des jüdischen Volkes, das ist die verheißungsvolle Ueberschrist eines 70 Seiten langen Anhangs in dem nun schon in mehr als 10 Auflagen vorliegenden Werk von Hans I. K. Günther „Rassenkunde des deutschen Volkes"^), dem Buch, das seit dem Krieg Chamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" als Versuch einer geistigen Begründung der völkischen und judenfeindliche Bewegung abgelöst hat. Hier dürften wir erwarten, mit nordischer Gründlichkeit, Sachlichkeit und Bestimmtheit belehrt zu werden, weshalb die Juden als böse Schädlinge aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgemerzt werden müssen. Aber, ach, so sicher dem Verfasser seine Ergebnisse schon von vornherein gewesen zu sein scheinen, die Methode seiner Beweisführung läßt viel von dieser Bestimmtheit und Gründlichkeit vermissen, die ein Vorzug germanischer Arbeitsweise sein sollen. Er denkt mit Falstaff „Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht". Jawohl, ein germanischer Edeling spricht zu uns aus diesem Buche; aber es ist ein Germane mit beschränkter Haftung, der es ausgezeichnet versteht, die Verantwortung für seine Behauptungen mit äußerster Behutsamkeit von sich abzuwälzen. Wir wollen trotzdem mit nordischer Offenheit in die Methoden dieser „Wissenschaft" hineinzuleuchten versuchen. Goethe hat gewiß unseren G. m. b. H. im Auge gehabt, als er das Wort sprach: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister". Zunächst ist es auf jeden Fall ratsam, unliebsamen Gegenbeispielen für Behauptungen aus dem Wege zu gehen, indem man gleich mit allen möglichen Limitationen einer Widerlegung vorbeugt. Deshalb macht Günther auf jeder Seite überreichen Gebrauch von den so beliebten Worten: meistens, fast, oft, es scheint, häufig, wohl, im allgemeinen, vielfach, man wird sagen können, anscheinend, überwiegend, anders läßt sich kaum erklären, bisweilen, und ähnlichen. Wenn jemand kommen und bestreiten sollte, was ich gesagt habe; bitte sehr, so bestimmt habe ich es ja gar nicht gesagt; ich habe doch selbst angedeutet, daß es Ausnahmen gibt. Niedlich ist auch die 0 I. F. Lehmanns Verlag, München,Preis RM. 12,—; Methode, rethorische Fragen auf Ja zu stellen: Darf man annehmen...? Waren etwa....? Mußte nicht.?, wenn man sich nicht gern positiv sestlegen will. Alles das macht bedenklich für die Rasse des Verfassers selbst, denn sind es nicht gerade die nicht allzu liebevoll von ihm behandelten ostbaltischen Menschen, von denen er schreibt?) „Selten drückt sich ein ostbaltischer Mensch bestimmt behauptend aus, immer zurückhaltend und vorsichtig. Daher wirkt er oft heimtückisch und falsch." Günthers Buch zeugt von einer ausgedehnten Belesenheit. So schmückt er gerne den hohen Flug der eigenen Gedanken mit passenden Zitaten. Es ist nicht verwunderlich, daß er bei der rechten Gelegenheit ganz im Vorübergehen so ziemlich alles anführt, was je Nachteiliges über die Juden gesagt wurde. Dabei kennt er keine Rassenunterschiede, sogar Juden werden glaubwürdig, wenn sie Ungünstiges über das Judentum zu sagen wissen. Er plündert mit besonderem Vergnügen zionistische Schriftsteller. Einträchtig stehen als Gewährsmänner nebeneinander: Meininger, Goldstein, Buber („Judentum ein Keil, den Asien in Europas Gefüge trieb, ein Ding der Gärung und Ruhestörung"),Rathenau („asiatische Horde"), Fromer, Haberlandt („typischer Parasitismus"), Sombart, Moritz Goldstein („deutsche Kultur in jüdischen Händen"), Heinrich Mann („Schilderung im Schlaraffenland"). Mit Wonne werden seitenlange Gemeinheiten abgedruckt, etwa was Stigler über die Sexualität der Juden Abnormes gesagt habe^), oder die liebenswürdige Schilderung der Ostjuden von Hobrecht im Mitteilungsblatt nationaldeutscher Juden?) Am schönsten sind Zitate zu gebrauchen, wenn man allzu kühne Behauptungen nicht gern selbst verantworten möchte. Dieser Methode bedient sich Günther schon im ersten Teil seines Werkes. Wenn der Preis der nordischen Rasse gar zu toll klingt, dann schiebt er de Lapouge, Ammon, Röse, Beddoe usw. vor. Ebenso läßt er andere über die Juden 2) S. 198; 2) die ganze S. 432; 4) die ganze S. 485;