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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 96

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 96 (sequence 96)
Language
German
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96 (120) Zuge wird ein Typus geschildert, es gibt Rassen- und Nationalgerüche, wie den foetor iudaicus und den Niggergeruch, und ebenso eigentümliche Landesgerüche."6 * 8 9) Fr. Schaub: „Durchs ganze Mittelalter begleitet die Juden das Streben, leicht und rasch zu erwerben."?) Fr. Wiegand: „Vermutlich hieß es schon damals (zur Zeit Kaiser Ludwigs des Frommen, d. Vers.), wenn der Jude nicht dabei ist, geht kein Geschäft. — — Daß die Juden geflissentlich mit jenem Philosemitismus des Kaisers hausieren gehen würden, lag auf der Hand, und gleicher Weise konnte man erwarten, daß die jüdischen Damen selbstgefällig und ostentativ in den Toiletten prunkten, die sie von der Kaiserin Judith oder von Prinzessinnen zum Geschenk bekommen hatten."9) A. Vierkandt: „Die semitischen Völker stehen der Natur kalt und fremdartig gegenüber, während die arischen sich in phantasievoller Hingabe ihr zuwenden. Sie fühlen sich zu ihr im Verhältnis der Verwandtschaft, während sich die semitischen von ihr durch eine tiefe Kluft geschieden fühlen. Dieser Gegensatz läßt sich noch heute bei den innerhalb der arischen Kultur zerstreuten Juden beobachten in der Ge st alt der Tatsache, daß fast nie ein Jude solche Berufsarten, wie die des Technikers oder Chirurgen wählt, die ihn in eine enge Berührung mit der Körpergewalt bringen würde."!') W. Sauer: „Der Jude setzt sich meist nur Nahziele, denn er will eben Erfolg haben. Er will zeigen, daß er etwas bedeutet. Stille, ruhige Arbeit, nur um der Arbeit willen, ist ihm wesensfremd und selb stlose Hingabe an Ideale ist ihm ebenfalls wesensfremd."^) I. Haller: „Das Schauspiel, einem Maximilian Harden, reetiu8 Isidor Wittkowski, als Hüter der öffentlichen Moral zu sehen, war 6) a. a. O. Seite 312.?) Schraub, Fr.: „Der Kampf gegen den Zinswucher, ungerechten Preis und unlauteren Lande! im M. A". Freiburg i. Br., Seite 49. 8) Wiegand, Fr.: „Agobard von Lyon und die Iudenfrage". In Festschrift der Erlanger Universität, Erlangen und Leipzig 19»1, Band l, Seite 230. 9) Vierkandt, A.: „Naturvölker und Kulturvölker". Leipzig 1896, Seite 315. 10) Sauer, W.: „Grundlagen der Gesellschaft, eine Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie". Berlin 1924, Seite 367ff. auch nicht eben geeignet, das Mißtrauen zu zerstreuen. "^) Damit mag es genug sein, obwohl sich die Zahl der Beispiele vervielfachen ließe. In ihnen wird unzweifelhaft eine antisemitische Tendenz manifest, und es bleibt noch übrig, sich kurz mit der Psychologie der Wissenschafter, die solche Sätze aussprechen oder niederschreiben, zu befassen. Hier wird das in seiner Zeit gebundene, den Einwirkungen der Geistesrichtungen und Strömungen der Gegenwart ausgesetzte wissenschaftliche Subjekt zum Problem. Es bedarf wohl kaum eines Hinweises, daß auch der Gelehrte möglicherweise einer religiösen Gemeinschaft angehört und sich zu einer religiösen Glaubensmeinung bekennt, daß er in einer bestimmten sozialen Schicht, um nicht zu sagen Klasse, lebt und in deren Anschauungen gebunden ist, daß er Glied einer nationalen und volkhaften Gegebenheit ist, ja daß er schließlich und endlich Teil eines Wirtschaftsorganismus und vielleicht auch Anhänger einer politischen Partei ist. Auch der Forscher ist ein d(jiov Tzohxr/.ov Mensch mit Zu- und Abneigungen. Gewiß ist aber, daß alle diese willensmäßigen Beziehungen und Bindungen, daß alle diese persönlichen „Gesinnungen" die Deiche der Wissenschaft nicht überfluten dürfen. Das Eindringen von Leidenschaft und Affekt in die Räume der Wissenschaft kann nur als der Ausdruck einer überraschend primitiven Geisteshaltung bezeichnet werden?-') Judenfeindliche Aeußerungen von Gelehrten sind das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit, vermeintliche oder tatsächliche Anders¬ oder Fremdartigkeitserscheinungen sachlich und wertfrei zu erfassen und darzustellen. Man könnte hier vielleicht von einem Anti-Affekt sprechen, dem eine autosuggestive Uebersteigerung des eignen Jchs zu Grunde liegt. Es scheint ferner der heutige Antisemitismus, insbesondere in den Köpfen mancher Männer der Wissenschaft, eine ganz unwissenschaftliche nationale Mystik und ein Blut- oder Rassenaberglaube, verkappt als Religions-Surrogat, als eine neue Heils- und Erlösungssehnsucht zu dienen. Darum sollen hemmungslos Säulen, die Jahrtausende überdauerten und die Kultur der Menschheit trugen, zerrieben werden, um Mörtel für eine zweifelhafte, aus Trieben und Süchten geborene Gesinnung zu gewinnen. u) Laller, I.: „Die Aera Bülow". Stuttgart 1922, Seite 138. 12) Ein eindringlicher Beweis für die Schwere der Krisis, in der sich gegenwärtig die gesamte Wissenschaft befindet. Hier kann nur andeutend darauf hingewiesen werden. Der ganze Begriffs- Komplex Wissenschaft und Wissenschafter scheint von neuem in Frage gestellt zu sein und bedarf einer grundlegenden Klärung.

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