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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 89

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 89 (sequence 89)
Language
German
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(113) 89 Immerhin haben die Anstalten bis zum finanziellen Zusammenbruch Deutschlands schlecht und recht die für ihr Wirken notwendigen Mittel aufgebracht. Die Inflation hat sie ihrer Fonds, der Quellen ansehnlicher Zinseinnahmen, beraubt und hat überdies die Verarmung eines großen Teils ihrer früheren Gönner herbeigeführt. Da war es nun eine Rettung für die Institute, daß der Preußische Landesverband gleich am Anfang seines Bestehens es als seine Pflicht anerkannte, für die Gemeinden einzutreten und einen beträchtlichen Teil der Unterhaltungskosten aus seinen Etat zu übernehmen. Allmählich ist das rund die Hälfte der Ausgaben der drei Anstalten geworden. Wenn nun auch dieser Fortschritt der Selbsterkenntnis dadurch beeinträchtigt wird, daß die Summen fast wie Almosen im Wege von „Subventionen" gewährt und daß sie, wie erwähnt, einer etwas herabsetzenden Kritik unterzogen werden, so muß immerhin dankbar anerkannt werden, daß der Preußische Landesverband seiner Verpflichtung gerecht zu werden strebt. Außerhalb Preußens ist man noch lange nicht so weit. Wenn man bedenkt, daß sämtliche anderen Landesverbände und Gemeinden zusammen, obwohl sie ein Drittel der deutschen Iudenheit und darunter Großgemeinden wie Hamburg und Leipzig, wie München und Mannheim umfassen, vereint noch nicht einmal ein Zehntel der Beiträge des Preußischen Landesverbandes für diese Zwecke aufbringen, so wird man wiederum gewahr, wie weit wir innerhalb der deutschen Iudenheit von einer Anerkennung des Lebensrechts der jüdischen Wissenschaft noch entfernt sind. Hier erwächst dem hoffentlich bald zustandekommenden Reichsverband die wichtige Aufgabe, unter unfern Glaubensgenossen Verständnis für diese Pflicht und die Anerkennung ihrer Rechtsgrundlage zu verbreiten. Solange der Staat versagt, müssen die öffentlich-rechtlichen jüdischen Verbände für ihn eintreten und für eine geordnete zeitgemäße Ausbildung von Rabbinern und Religionslehrern sowie für die Pflege der Wissenschaft des Judentums Sorge tragen. Es darf als starker Erfolg jüdischer Forschungsarbeit gebucht werden, daß die deutschen Universitäten heute vielfach anders zu unserer Wissenschaft eingestellt sind als vor einem Menschenalter. An einer Reihe deutscher Hochschulen, wie Breslau, Frankfurt, Gießen, Halle, Königsberg und Leipzig, bald vielleicht auch in Bonn und Greifswald, besteht heute unter dem Titel Lehrauftrag, Honorarprofessur oder Lektorat innerhalb der philosophischen Fakultät eine Gelegenheit zu wissenschaftlicher Belehrung über das Judentum durch einen jüdischen Gelehrten. Berlin hat neben dem Lehrauftrag eines jüdischen Dozenten das Institutum Judaicum, dessen ständige Mitglieder christliche Theologen sind, das aber jüdische Gelehrte zu einzelnen Vorträgen heranzieht, auch eine Arbeitsgemeinschaft für gemeinsame Publikationen mit ihnen eingehen will. Das sind unzweideutige Fortschritte, die auch in jüdischen Kreisen als solche gewertet werden,- ihr Bestand und weitere Erfolge sind nur dann verbürgt, wenn in sich gefestigte jüdische Hochschulen bestehen, an denen hauptamtliche Kräfte dieses Wissensgebiet in seinem gesamten Umfange bearbeiten. Diese Sicherheit aber ist nur dann zu erreichen, wenn sie durch öffentlich-rechtliche Verbände garantiert ist. Für die private Initiative bleibt immer noch ein hinreichendes Betätigungsfeld. Die Wissenschaft braucht für ihren Bestand die Heranbildung des notwendigen Nachwuchses. Sie braucht auch die Verbindung mit dem großen Publikum, die Gewähr, daß ihre Ergebnisse auch außerhalb der Fachkreise Beachtung finden. Daß für solche Zwecke private Mittel aufgebracht werden müssen, hat man nunmehr auch in Deutschland nach und nach gelernt. Soeben erst ist ein energischer Aufruf ergangen, trotz Notgemeinschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die vom Reich bisher gewährten Mittel nicht zu kürzen. In jüdischen Kreisen hingegen wird jeder Anspruch für die Wissenschaft des Judentums, er mag von der „Akademie" oder der „Gesellschaft" erhoben werden, als eine Last und als ein Aeberfluß empfunden. Hier ist es Aufgabe derjenigen Führer im Rechtskampf, die wie unser Jubilar mit den geistigen Werten und Bedürfnissen des Judentums innig verbunden sind, zur Aufklärung beizutragen und darauf hinzuweisen, daß hier nicht die Privatsache des einzelnen Gelehrten oder Instituts, sondern das Gesamtinteresse des Judentums vertreten wird und daß seine Förderung ein Gebot der Selbstachtung und Selbsterhaltung ist! Es liegt schon ein großes Stück Wahrheit in dem Ausspruch von Leopold Zunz: „Die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judentums hervorgehen."

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