KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 80 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80 (104) sucht hat, daß es ihm vergönnt gewesen sei, mit dem inneren Auge den Mikrokosmos des Lebens zu erfassen. Keiner hat die Gifte und Gegengifte gesehen, denen er in blendenden Wortbildungen mit plastischer Anschauungskraft Gestalt und Leben verliehen hat, keiner hat wie er über die Unkenntnisse menschlichen Wissens Brücken zu neuen Kenntnissen und neuen heuristischen Gedanken geschlagen, — mit jener anschauenden Erkenntnis, die einen anderen Juden zur Perzeption einer neuen Weltenordnung geführt hat: Baruch Spinoza. Will man Ehrlich und seinen Kreis — ich nenne hier nur Namen wie Wassermann, Morgenroth und Hans Sachs — in eine Klassifikation zwangen, so würde man ihn nach Ostwald einzureihen haben in die Reihe der großen Romantiker auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Für unsere Problemstellung reicht diese Einteilung nicht aus: Neben dem Propheten steht der Talmudist, neben dem Romantiker der Klassiker. Sinnvoll-phantastisches Denken umfaßt im Ostwaldschen Sinne den Romantiker und Klassiker zugleich: Iaques Loeb und Minkowski — um nur Namen für viele zu nennen — sind dier jüdischen Typen klassizistischer naturwissenschaftlicher Denkweise. Es kam mir im Vorangehenden darauf an, das Phänomen des jüdischen Arztes in seiner geschichtlichen Gegebenheit und in seiner besonderen Anteilnahme an der Entwicklung seiner Wissenschaft auf Grund jüdischer Erbanlagen zu beleuchten. Wie nach dem biogenetischen Grundgesetz die Ontogenese eine kurze Rekapitulation der Phylogenese darstellt, so spiegelt sich auch in dem echten Typus des jüdischen Arztes die Jahrtausende lange Geschichte seiner Vergangenheit wieder.