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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 73

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 73 (sequence 73)
Language
German
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(97) 78 enthalten, hätte zwar keinen Hehl zu machen, daß unser Fehlen einen bedauerlichen Ausfall, eine beachtliche Verkümmerung nach sich zöge, hätte aber doch die Lage nicht derart zu färben, als ginge es ohne uns überhaupt nicht. Frei von Verzerrung und Schnörkelei soll unser Anteil, unser Einschlag hervortreten, der mit selbstverständlicher Hingabe und Einfügung dazu beiträgt, die deutsche Leistung in der Welt zu bereichern. Als Vorbedingung der Einsicht, daß wir, zwanglos geredet, natürlich und einfach dazu gehören, dient die Verdeutlichung des Umstandes, daß unsere dereinstige Aufnahme in den Staatsverband und, folgerichtig ihr entspringend, unsere dauernde Teilnahme an der Oeffentlichkeit auf keinem willkürlichen Gnadengeschenk beruht. Unsere Eingliederung in die deutsche Volksgemeinschaft im weiteren und engeren Sinn war ein Akt der Staatsnotwendigkeit. Er floß nicht nur aus der Beweisführung unserer Vorkämpfer von ehemals, daß wir, wenn nicht hier zu Hause, dann überhaupt heimatlos, daß wir eingeboren und nicht eingewandert sind. Er bekam auch nicht seine Bekräftigung erst durch die Taufe des Blutes im gemeinsamen Kampf für Freiheit und Vaterland, die einzige Taufe, die zur Nationalität einige. Seine Beibehaltung und Vervollkommnung geschahen ebensowenig unter dem bloßen Druck, der in Frankfurt der Paulskirche vorgehalten wurde, es lasse sich kein Ausnahmegesetz machen, ohne daß das ganze System der Freiheit einen verderblichen Riß erhalte, ohne daß der Keim des Verderbens in dasselbe gelegt werde. Letzten Endes wird all dies, dem trotz tiefdurchdrungener Ehrlichkeit von ungefähr ein Geschmack gar zu feierlicher, gar zu sonntäglicher Deklamation anhaftet, durch die historische Wirklichkeit erhärtet, daß im Fundament der preußischen Monarchie, der Keimzelle des größeren Deutschland, ein Stein nicht mangelt, in den unser Name gemeißelt ist. Ein schöneres, rühmlicheres Verdienst, als bereits Sombart den jüdischen Finanzleuten und Militärlieferanten zuerkannte, die vom 17. Jahrhundert ab die großen kriegerischen Bewegungen, die Geburtswehen des modernen europäischen Staatswesens ermöglichten, wurde kürzlich zugunsten der preußischen Iudenheit durch Selma Sterns schlüssige, wissenschaftlich einwandfreie Untersuchungen in ihrem Anfangsband über den preußischen Staat und die Juden aufgehellt. Da wurde gezeigt, wie die Judenpolitik des großen Kurfürsten, weder durch mitleidiges Sentiment noch durch merkantilistische Rechnerei entscheidend angestoßen, eines seiner wesentlichen Mittel war, mit denen er der Engherzigkeit und Eigenbrödelei der Stände zum Trutz die Einigung der brandenburgischen Lande erstrebte. Die Ansetzung von Judenfamilien in der Mark, in Ostpreußen und anderswo braucht nicht reklamehaft aufgebauscht, nicht etwa ebenmäßig mit der Schaffung eines stehenden Heeres, das dem alleinigen Kommando seines Kriegsherrn unterstand, in Reih und Glied gebracht zu werden. Aber es konnte, weil auch diese Kraft in den jungfräulichen Boden der Staatlichkeit wurzelhast hineingesenkt war, hernach nicht ausbleiben, daß sie nun und nimmer beim Wiederaufbau der 1806 niedergebrochenen Monarchie brach gelassen wurde. Die Reform des Judenwesens, nebenbei, was nicht ohne Bedeutung ist, längst auf der Tagesordnung, bevor aus Frankreich die Erklärung der Menschenrechte herüberklang, die ja auch nicht sofort die Juden in Mitleidenschaft zog — die Reform des Judenwesens war ein Glied in der Kette der Reform überhaupt. Sie duldet kein anderes Urteil, keine andere Einschätzung als Bauernbefreiung oder Städteordnung, welch letztere noch unter Steins Verantwortung an der Heranziehung des jüdischen Bürgertums nicht vorüberging. Der staatspolitische Hammerschlag läßt sich nicht zersplittern, der mit dem nämlichen Hieb das bisherige Kastenwesen zerschlug, das jüdische Pariatum zertrümmerte. Und als so Preußens Acker für die Saat der Zukunft aufgelockert und durchfurcht war, bis auf den Schollen die Ernte des ganzen Deutschland reifte, da konnte es an jüdischen Säern und Pflügern nicht mangeln. Ahnungslos oder bewußt schwebte über ihnen Gabriel Rießers Genugtuung, der sich freute, in seiner, in unserer Sache die allgemeine zu verfechten. Fritz Friedländer stellte es jetzt in dessen Würdigung, der ersten wissenschaftlichen Bearbeitung, die Rießers Leben erfuhr, schlagend heraus, wie dieser sein Held darum über den jüdischen Vorkämpfer zum deutschen Staatsmann emporwuchs. Dazu adelte ihn seine Zuversicht, schon 1833 in den Satz gegossen: Bietet mir mit der einen Hand die Emanzipation, auf die alle meine innigsten Wünsche gerichtet sind, mit der anderen die Verwirklichung des schönen Traumes von der politischen Einheit Deutschlands mit seiner politischen Freiheit verknüpft, ich würde ohne Bedenken die letztere wählen, denn ich habe die tiefste Ileberzeugung, daß in ihr auch jene enthalten ist. In der Tat schlingt sich von hier aus die eine Linie über Jakoby und Kosch, über Laster und Bamberger, auch über Lassalle, dessen Arbeiterbataillone sich durchaus in den Marschtritt der deutschen Armee unter Preußens Kommando einordnen sollten, bis hinunter aus Preuß und Rathenau, deren Charakterbild immer weniger der Parteien Haß und Gunst zu verwirren beginnt. Sie arbeiteten an sichtbarer Stelle heraus,

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