KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 70 (sequence 70)
- Language
- German
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70 (94) Dieser vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" verbreitete Ausruf sagte u. a.: „Der in Deutschland lebende Jude, der nicht Deutscher sein will, der die völkisch-zionistische Bewegung fördert, muß sich klar darüber sein, daß er damit Wasser auf die Mühlen der antisemitischen Behauptungen liefert: „Die Juden seien ein Fremdkörper, seien ein fremdes oder Gastvolk im deutschen Wirtsvolk." V. Nicht uninteressant ist es, mit obiger Auslassung zu vergleichen, wie antisemitische Führer über die jüdisch-nationale Bewegung als Hilfstruppe ihrer eigenen Massen denken. Wir nennen nur zwei Beispiele: Dr. Hans Günther (Rassenkunde des Deutschen Volkes. Ausl. 1924 S. 503): „Nur die klare Scheidung der Juden von den Nichtjuden und der Nichtjuden von den Juden ist eine würdige Lösung der Judenfrage. Die klare Herauslösung der Juden aus nichtjüdischen Volkstümern scheint die würdigste Entwirrung der Lage zu sein.-Sie erstrebt der Zionismus." Adolf Hitler „Mein Kampf"! S. 57: „Aber wenn ich noch gezweifelt hatte, so würde ein solches Schwanken endgültig behoben durch die Stellungnahme eines Teiles der Juden selber. Eine große Bewegung unter ihnen, die in Wien nicht wenig umfangreich war, trat auf das schärfste für die Bestätigung des völkischen Charakters der Judenschaft ein: Die Zionisten." Man begreift, daß selbst Herr Helmut von Ger lach, eine Persönlichkeit, die, wie auch immer man zu ihr stehen mag, bekannt dafür ist, daß sie auch Gesinnungsentfernten im weitesten Maße gerecht zu werden sucht, über die Jüdischnationalen bei aller Anerkennung des Idealismus jener Bewegung folgendes Urteil fällt: „Der Politiker muß leider feststellen, daß der Zionismus — ganz gegen seinen Willen natürlich — dem Antisemitismus die brauchbarsten Waffen in die Hand drückt."^) VI. Schließlich noch ein Wort zu der Trennung, die der Zionismus in radikalster Weise zwischen Staat und Volkstum — in Europa vornimmt: Selbst, wenn nicht die Mehrzahl der europäischen Völker, wenn irgend möglich im Nationalstaat oder in der Annäherung an dieses Ideal ihre höchsten Wünsche sehen würde, könnte das die Einstellung des K. C.s in keiner Weise berühren. 5) Vgl. seine Wochenschrift Nr. vom 20. Vl. 1927. Wir wollen nicht nur Staats-, sondern auch Volksbürger sein und lehnen ja daher auch ab, dort das deutsche Volkstum zu verlassen, wo ein bloßes Bekenntnis zum Staat, ohne Betonung der Zugehörigkeit zum Deutschtum rein praktisch genommen, reale Vorteile brächte, wie etwa in Polen?) Aber eine Frage sei gestattet, die wir an diejenigen Zionisten richten, die so erzürnt sind, wenn man behauptet, daß die Mehrheit der deutschen Juden eine andere Stellung in Deutschland, dem Zentrum der deutschen Kultur, einnimmt oder besser, seelisch einnehmen muß, als die des bloßen Staatsbürgers: Seid Ihr bereit, Eure Trennung von Staat und Volkstum auch in Palästina vorzunehmen? Setzen wir den Fall, Weizmann hätte sein Wort, „Palästina muß so jüdisch werden wie England englisch", nicht zurücknehmen müssen, sondern es wäre in Erfüllung gegangen, dann würde es in diesem Staat mit zionistischem Staatsvolk, z. B. die Bürger der französischen Kolonie, geben. Ist es Euch gleichgültig, ob dann ein Zionist oder ein beliebiger Monsieur R, P, Z an der Spitze des Staates steht? VII. Wir sind am Schluß. Wir wollten die Irrigkeit zionistischer Argumentation aufdecken. Wenn wir uns fragen, wo der Angelpunkt unserer Debatte lag, so werden wir, ohne gehässig zu erscheinen, in aller Sachlichkeit die Worte Gabriel Rießers zitieren, die er damals freilich, anderen, nämlich antisemitischen Angriffen, entgegenries: „Wer mir meinen Anspruch auf mein deutsches Vaterland bestreitet, gegen den muß ich mich wehren wie gegen einen Mörder." An diesem Willen zum deutschen Volkstum wird — das sind wir gewiß — die zionistische Minorität scheitern. °) Lieber die dortigen deutschen Juden berichtete der Geschäftsführer des Deutschtumbundes in Polen e i d e l k in der „Deutschen Lochschule" 15. Folge, daß sie einmütig zur deutschen Sache ständen. Llebrigens hat sich mit vollem Recht erst vor ganz kurzer Zeit eines der führenden Ostdeutschen Organe trotz seiner den Juden durchaus gerecht werdenden Laltung mit Entschiedenheit gegen den Zionismus ausgesprochen. Es erkannte klar die große Gefahr für das Grenzlanddeutschtum, die in der Trennung liegen müßte, die die Zionisten mit ihren jüdischnationalen Bestrebungen zwischen Deutschen jüdischen und christlichen Bekenntnisses herbeizuführen suchen. Bezeichnend war es, daß selbst die zionistische Entgegnung, der das Blatt Raum gab, eingestehen mußte, daß z. B. Mährisch-Ostrau seinen deutschen Charakter — im Sinne deutscher Minderheitenpolitik — verloren hätte, wenn die deutschen Juden den zionistischen Lockrufen gefolgt wären.