KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 69 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268964-2268967--3353-3523819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(93) 69 ternd wichtigen Forscherstreites kommt. Der „Jüdischen Rundschau" aber kam es wohl am meisten darauf an, mit dieser Behandlung des in Gänsefüßchen gesetzten „deutschesten aller deutschen Juden", wie sie schreibt, einen „Beitrag zur Geschichte der Ostjuden in Deutschland" zu geben. Es ist also nach ihrer Meinung, die in diesem Punkte haargenau mit der völkischen Terminologie übereinstimmt, eine einwandfreie Ahnenreihe für wahres Deutschtum erforderlich. Wenn unsere antisemitischen Gegner solche Forderungen aufstellen, pflegt man auf Chamisso, dem Franzosenstammling, oder Radowitz, dem Vorgänger Bismarcks, zu verweisen, dessen ungarisch-katholischer Vater bei Hohenfriedberg von den Preußen gefangengenommen worden war. Zwei Beispiele, die sie übrigens beliebig durch Kants schottische, Fontanes französische Abkunft und neben vielem anderen durch die Erwähnung der Eindeutschung der Hugenotten ebenso gut vermehren lassen, wie durch Zitierung der zahllosen christlichen Polen, die in den preußischen Ostprovinzen nach der Teilung Polens germanisiert wurden. Jedoch pflegen wir. wie gesagt, diese Beweisführung nur gegenüber den deutsch-völkischen Stammbaumforschern zu benutzen, für die „jüdischvölkischen" erscheinen andere Beispiele beweiskräftiger: Sie fühlen sich als Anhänger einer besonderen jüdischen Nation und müßten parallel ihrer gegen die deutsch-fühlenden Juden gerichteten Angriffe über die „jüdischsten aller Juden" höhnen. Sie müßten es, sagen wir, aber sie sind klug genug, dies zu vergessen. Oder wie. waren Rabbi Meir oder Rabbi Akiba trotz ihrer vom Talmud überlieferten nichtjüdischen Abstammung keine Juden? Und wie steht es mit Isaak Grambon, Sohn eines schwedischen Edelmannes, der bekanntlich als Rabbiner in Amsterdam berühmt wurde? Auch Palästina wollen wir hier nicht vergessen. Dort erschien 1907 eine starke Gruppe der sog. Subotniki, die sich im heiligen Lande ansiedelte, und man hat nicht gehört, daß ihre rein slawische Abstammung die Chaluzin gehindert hätte, sie freudig in den jüdischen Schulen zu begrüßen. Ebenso wenig beabsichtigt unseres Wissens die zionistische Organisation sonstige nicht „rassereine" Elemente aus ihren Siedlungen zu vertreiben. Doch genug der Beispiele. Das Argument, jüdische Abstammung hindere an deutscher Volkszugehörigkeit, ist alt. Der angegriffene Rieß er schon hat es gekannt, und es hat auch heute noch Gültigkeit, was er damals sagte: „Uns vorzuhalten, daß unsere Väter vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden eingewandert sind, ist so unmenschlich als es unsinnig ist. Wir sind nichteingewandert, wir find eingeboren, und weil wir es sind, haben wir keinen Anspruch anderswo auf eine Heimat." Freilich kämpfte er damals gegen Antisemiten! III. Diese Uebereinstimmung zionistischer und völkischer Anschauung ist kein Zufall. Ja, es kommt sogar vor, daß Jüdischnationale — gewiß nur aus Versehen — dies zugeben. Lasen wir doch in Nr. 13, 33. Iahrg. der „Jüdischen Rundschau": „Wenn man die Deutschen nach ihrer Stellungnahme zu den Juden scheiden wollte, so könnte man sie in Radauantisemiten. Philosemiten und gebildete Antisemiten einteilen. Die Radauantisemiten haben den Vorzug der Eindeutigkeit und der geistigen Schlichtheit. Die Philosemiten sind eine Züchtung des liberalen Judentums (Ei! Ei!) und gleich diesen phrasenreich, verschwommen und ahnungslos. Die gebildeten Antisemiten sind in gewissem Sinne auf unser Konto zu setzen. Sie haben von uns die Art des Sehens, die Fragestellung, die Erkenntnis des Problems übernommen." (Sperrungen von mir. L.K.) Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen. Wir registrieren nur und meinen, daß der Zionismus eine Frucht der antisemitischen Bewegung ist, die ihn an Alter weit übertrifft, aber, wie wir zugestehen, wertvolle Unterstützung von ihm erhält. IV. Die zionistische Geige hat aber verschiedene Saiten. Die eine von ihnen spielt das Lied von der besten Verständigung mit Nichtjuden auf dem Wege des Zionismus. Es ist darum gut, einen Aufruf ins Gedächtnis zurückzurufen, den anläßlich der preußischen Landesverbandswahlen Persönlichkeiten unterschrieben haben, die durch ernste Arbeit gegen den Judenhaß anders legitimiert sind wie Herr Professor H o e t s ch, bekanntlich Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei, Professor Bredt, der in seiner Partei zwar keine Juden, in Thüringen dagegen Antisemiten kandidieren ließ oder gar der so stark vom E. V. bekämpfte Professor S o m b a r t, die als Mitglieder des PropalästinakomiteesH bekannt geworden sind. 4) Man möge sich in Fragen dieses Komitees überhaupt keinen Täuschungen hingeben. Der Empfang des Zionistenführers W e i z m a n n und die Rede an die „heimatlosen" Juden, die Frau v. Oheimb bei dieser Gelegenheit hielt, war deutlich genug. Daß von ihr bisher der Judenhaß bekämpft worden ist, hat man nicht gehört.