KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 68 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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66 (92) nationaljüdischen Palästinaaufbaues stattgefunden haben. Es ist nicht uninteressant zu hören, was gerade aus Anlaß dieser Verhmrdlungen die „Jüdische Rundschau"^) zu sagen weiß: „Das jüdische Volk hat keine Heimstätte als Ganzes, und nur die nationale Heimstätte in Palästina kann eine volle Entfaltung der nationalen Kräfte verbürgen. Wir haben viele Beispiele abgesprengter Volksteile in der heutigen Welt; nirgends aber ein Beispiel eines Volkes ohne jedes nationale Zentrum. Die nationalen Minderheiten in Ungarn, Rumänien usw. sind vollberechtigte Bürger ihres Staates, auch wenn sie zugleich den Zusammenhang mit jenem Volkstum pflegen, dessen nationales Zentrum Deutschland ist." Wenn wir nun auch keineswegs die Unterdrückung brutalster Art, denen die Deutschen gerade etwa in Rumänien ausgesetzt sind, billigen, so ist es doch klar, daß die Deutschen in jenen Ländern eine ganz andere Rolle spielen und immer spielen werden, auch wenn sie ihre berechtigten Ansprüche durchsetzen sollten, als die es ist, deren der deutsche Jude politisch und seelisch bedarf. Es ist aber gerade an dieser Auslassung des zionistischen Zentralorgans bemerkenswert, daß sie ganz deutlich zeigt, daß Deutschland für den Jüdischnationalen stets nur die Heimat des Einzelnen, nicht aber nationaler Pol ist. Wir sehen hier klar bestätigt, was schon vor Jahren Martin Bub er in seinem Werk „Die jüdische Bewegung" als Empfindung seiner eigenen Person und seiner Gesinnungsgenossen bekannte: „Hier sind wir ein Keil, den Asien in Europas Gefüge trieb, ein Ding der Gärung und der Ruhestörung." (Ausl. 1916 S. 195.) Trotzdessen mag dieses Argument des Deutsch- Amerikaners, obwohl es, wie wir gesehen haben, nur theoretisch, nicht praktisch politisch ist, ein wenig näher untersucht werden. Wir greifen daher zu dem Werke eines der besten Kenner des Auslanddeutschtums, dem Buche „Volk unter Völker" von Loesch. (S. 228 ff.) Nachdem er von der Minorität derjenigen Deutschen gesprochen hat, die für unseren Vergleich nicht in Frage kommen, da sie sich dem Amerikanismus überhaupt nicht nähern, spricht er von der erdrückenden Mehrheit der Deutsch- Amerikaner, über die wir erfahren, daß schon „die Kinder, die drüben geboren sind, meist bereits einer stärkeren Entdeutschung verfallen" und „die zweite Generation die deutsche Sprache auch als Sprechsprache verliert. Die Vorstellungswelt ist überhaupt nicht mehr deutsch betont." Diese Wahl zum Einvolkstum ist noch nicht einmal der Wechsel zu einer andersartigen Kultur, sondern der Uebergang vom Europäertum zu amerikanischer Zivilisation. Wie unmöglich dieser von uns erörterte nationale Doppelwillen den Deutschamerikanern erscheint, zeigt L o e s ch an dem Beispiel von Charles Nagel aus St. Louis, der aus den Verstrickungen dieses Konfliktes keinen anderen Ausweg mehr wußte, als seinem Leben ein Ende zu machen. Man mag diese Situation, wie sie sich tatsächlich zeigt, bedauern, aber sie beweist doch, daß es in Volkstumssragen nur ein Entweder—Oder gibt. Man verweise nicht etwa auf Steuben, dem Major Friedrich d. Gr., der so hervorragende Verdienste in den amerikanischen Freiheitskriegen hatte; denn die Tatsache, daß er trotz seines militärischen Ruhmes den angestrebten Kriegsministerposten gerade mit Hinweis auf sein Deutschtum nicht erhalten konnte, beweist zur Evidenz, wie nur in ganz seltenen Ausnahmesällen eine Nation ihren Bürgern Willen zum Doppelvolkstum gestattet, wie es etwa, wenn auch sehr verwässert, bei Schurz der Fall war. Schon Klatzkin hat in seinen vor Jahren im zionistischen „Juden" erschienenen Aufsätzen darauf verwiesen, daß doppelte Bindungen in völkischer Hinsicht in Amerika nur solange Lebensboden finden, bis die Volkseinheit im nationalen Schmelztiegel Tatsache geworden ist. So dürfen wir unseren Gegnern dankbar sein, daß sie durch das selbstgewählte Beispiel der Agitatoren uns Gelegenheit gaben, an ihrem Vergleich die Irrigkeit der Argumente zu beweisen. — II. Die Zionisten finden es manchmal zum „auf die Bäume zu klettern". Sie meinen dabei jedoch nicht die, die in den Wäldern stehen, sondern ihr Interesse gilt, gleich ihren deutschvölkischen ungerufenen Bundesgenossen, nur den Stammbäumen. So hatte die „Jüdische Rundschau" jüngst einen großen Tag: Einem ihrer Mitarbeiter war es gelungen, nachzuweisen, daß Gabriel Rießers Vorfahren so und so oft — mit bewunderungswertem und einer besseren Sache würdigen Eifer war das zusammengestellt — Ostjuden gewesen sein sollen. Ein anderer Skribent dieses Blattes hatte bestritten, daß Nr. 7 oder war es Nr. 8 dieser fabelhaften Stammbaumreihe den Tatsachen in irgend einem i-Tüpfelchen entspreche. Man darf hoffen, daß es bald zu einer endgültigen und wissenschaftlich einwandfreien Klarstellung dieses zweifellos welterschüt- 2) Nr. 24 v. 25. III. 1927.