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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 67

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 67 (sequence 67)
Language
German
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(91) 67 Antizionistischr Zwischenrufe Von Ludwig Kaempser (Bav.) „Das Bekenntnis zum Nationaljudentum ist mit der Zugehörigkeit zum K. C. nicht vereinbar. Der Verband lehnt die Förderung kulturzionistischer Bestrebungen ab." lK. C.-Tags-Beschluß 1921.) Die Ablehnung des kulturellen und politischen Zionismus ist für den K. E. seit Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden; dies hatte einen Nachteil: lieber Selbstverständliches diskutierte man nicht mehr. Dennoch scheint es nützlich, von Zeit zu Zeit gegnerische Argumente unter die Lupe der Kritik zu nehmen. I. In den letzten Monaten spielte das sogen, deutsch-amerikanische Beispiel in der Agitation jüdisch-nationaler Versammlungsredner eine nicht unbedeutende Rolle. „Was wollt ihr?", so konnte man von ihnen hören, „wie der Deutsche in Amerika Deutscher und Amerikaner ist, so sind wir Juden und Deutsche unserer nationalen Gesinnung nach". Sprach's, und der Beifall der Menge war gewiß. Aber es läßt sich sehr leicht erweisen, daß der Zionismus die Binationalität stets verdammte: Man erinnere sich nur jener Versuche, die Eugen Fuchs im Verlauf der großen Zionistendebatte in Deutschland in dieser Richtung unternahm, und der Antwort, die Ludwig Wassermann an führender Stelle der „Jüdischen Rundschau"*) gab, in der er ausdrücklich erklärte, daß nationaldeutsche Gesinnung von seinen Freunden ausgeschlossen werde, und daß sie sich lediglich als Bürger des deutschen Staates, nicht aber Volkes fühlen. Wie anders waren auch jene zahllosen Ausrufe „An das jüdische Volk in der Verbannung" sonst zu verstehen, als durch die Heimatlosigkeit, in der sich die zionistische Bewegung innerhalb der deutschen Nation unbeschadet ihrer Staatsgesinnung fühlt? Wie anders könnte man Professor Lessing und Einstein gerecht werden, wenn man ihre Ausführungen gelesen hat, in denen sie den deutschen Juden zurückzuhalten versuchen, der seine Zugehörigkeitsrechte in nationaldeutschen Verbänden geltend macht? Doch das sind vielleicht i) Nr. 15, XVIII. Jahrgang. zum größten Teil Dinge der Vergangenheit, einige Beispiele der Gegenwart hinzuzufügen scheint gut: Herr Rechtsanwalt K o l l e n s ch e r ist bekanntlich Führer der Zionisten im preußischen Landesverband; er war dies nicht immer. In der Zeit des deutschen Zusammenbruches stand er an der Spitze des von den Zionisten aufgezogenen Posener „jüdischen Volksrates", und da es Mode ist, politische Memoiren zu lesen, war es nicht ohne Nutzen, Herrn K.'s Buch „Jüdisches aus der deutsch-polnischen Nebergangszeit" zu studieren. Wie in den abgetretenen Gebieten der Zionismus sich bemüht, den deutschen Juden vom deutschen Volkstum zu trennen, so erklärt K. als erste Aufgabe, „daß um jeden Preis vermieden werden mußte, daß in Orten, in denen nur nationale Listen, deutsche und . polnische, aufgestellt wurden, die Juden als deutsche und polnische Parteigänger teilnehmen. Gerade diese Betätigung im fremd-nationalen Sinne war es, die wir durch unsere Arbeit vermeiden wollten". Und da dieser national-jüdisch arrangierte Nationalrat auch der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 94 Jahrg. 30) „eine natürliche Sache" war, sieht man, daß Worte und Talen der führenden zionistischen Kreise den Reden der Agitatoren im Westentaschenformat Hohn sprechen?) Man sollte in unseren Kreisen überhaupt mehr das Zentralorgan unserer Gegner lesen. Es gibt gerade über die Stellung der deutschen Zionisten zum deutschen Volkstum in eindeutigster Weise Auskunft. Man erinnert sich, daß vor einiger Zeit Verhandlungen zwar nicht zu einem Zusammenschluß deutschfühlender Juden mit ihren Gegnern, jedoch zwecks Neutralisierung des heute -) Daß die deutschfühlenden Juden treu zur deutschen Sache standen, sei für nichtjüdische Leser hier in Erinnerung gerufen durch Erwähnung einiger Beispiele. Berthold Laase (Mitgründer des Posener „Deutschen Volksrates"). Moritz Jaffa (Mitglied der deutschen Delegation des Grafen Brockdorff-Rantzau als Sachverständiger für Ostfragen). Georg Jaffa (Rechtsausschuß des „Deutschen Volksrates"). Edmund Piekrowski (Mitglied des WirtschaftKausschuffes des „Deutschen Volksrates") U. a. m. Vgl. insbes. C. V. Ztg. Jahrg. 1926 Nr. 44 und Jahrg 1927 Nr. 4, und K. C.-Mittenungen Nr. 1/2 Jahrgang 1927. 5*

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