KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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38 (62) wachsen, den alten Namen hat er beibehalten, auch wenn er nicht mehr den ganzen Umsang seiner Tätigkeit deckt, wie eine alte Fahne das Symbol bleibt, auch wenn manches sich seit den Zeiten der Kämpfe geändert hat, in denen sie zuerst vorangetragen wurde. Da war es sehr bequem, die Tätigkeit des C. V. in Mißkredit zu bringen, indem von gewisser Seite der Name verunglimpft wurde. Ich brauche nur an die hämische Bezeichnung „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Unglaubens" zu erinnern. Das ist die Art, wie wir die Kämpfe nicht führen sollen. Das ist nicht Nomenklatur, sondern Etikettierung. Und etwas ähnliches ist es und noch viel bedauerlicher, wenn man der Jugend mit solchen Etikettierungen den gegnerischen Standpunkt von vornherein verekelt. In den Misrachi- Iugendblättern Jahrgang I, Nr. 4 vom Mai d. I. findet sich eine abfällige Kritik der Palästina- Vorträge von Dr. Weil und Dr. Cohn. Das Recht, eine solche Broschüre ablehnend, polemisch, ja scharf zu besprechen, kann und soll dem Andersdenkenden in keiner Weise bestritten und verkürzt werden. Aber unter die Kategorie der unzulässigen und verächtlich machenden Etikettierung gehört die Ueberschrift: „Für 80 Pfennige Antizionismus. Ein „billiges" Argument." Wer die Psyche der Jugend kennt, wird zugestehen müssen, daß dies nicht die rechte Art zu sachlicher Austragung von Meinungsverschiedenheiten ist, vielmehr die Art, Haß und Verachtung in die jugendlichen Seelen zu säen. Unsere Alten haben das bekannte Wort gesprochen, daß die Weisen, diejenigen, die geistig führend sind, vorsichtig sein und ihre Worte sorgfältig wägen sollen. Leben und Tod ist nach biblischem Wort in der Gewalt der Zunge, mit der rechten Benennung kann man die Herzen zu Begeisterung entflammen, aber der Name genügt oft, um Haß zu erzeugen. Wer Führer sein will, muß sich seiner Verantwortung bewußt sein, begrifflich klar denken, die Anschauungsweise der anderen verstehen, sich nicht an die Worte und Namen halten, aber selbst Worte und Namen so wählen, daß im Kampf der Geister die Wahrheit gefördert wird.