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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 31

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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(55) 31 so ein Recht der Mitbestimmung in Dingen, die ihn seelisch nicht interessieren. Mancher religiös indifferente Nichtzionist sucht sich Einfluß auf die jüdische Gemeinde zu sichern, um dort für seine politische Einstellung in jüdischen Dingen zu kämpfen, und versucht dort vom politischen Gesichtspunkt aus die religiösen Fragen zu regeln, die doch nach ihrem Eigengesetz beantwortet sein wollen. So kommt in das innerjüdische Leben ein Element der Unsicherheit, der Verworrenheit, sagen wir es nur ruhig, der mangelnden Wahrhaftigkeit hinein, das sich früher oder spater einmal rächen muß. Nun ist der einzelne kaum imstande» solche Gegebenheiten von sich aus zu ändern, er muß mit ihnen rechnen; will man sehen, wo der Weg zur Besserung sich zieht, so muß man wenigstens zu erkennen versuchen, von wo die Fehler ausgehen. Ausgangspunkt aller Schiefheiten ist die Unterordnung der religiösen Fragen unter die Politik. Die Führung der Gemeinden darf nicht Gegenstand der Politik sein, sie muß im Grundsatz unter dem Gesichtspunkt der Religion und der persönlichen Einstellung zu ihr erfolgen. Es ist letztlich die Grablegung der Idee der Religionsgemeinde, wenn ihre Angelegenheiten nicht als Angelegenheiten des religiösen Lebens, sondern unter politischen Gesichtspunkten geführt werden. Dem jungen Akademiker könnte nichts dringender geraten werden, als sich in Dingen der Religion eine Ueberzeugung zu bilden, sie zu festigen und von ihr aus mitzuarbeiten. Alles würde dann ehrlicher und reiner sein und Ausdruck lebendigen Fühlens, infolgedessen auch zukunftsfroher sein. lind damit Klarheit geschaffen würde, müßte der einzelne in aller Deutlichkeit bekennen, ob er die jüdischen Angelegenheiten vom religiösen oder vom politischen Gesichtspunkt behandelt wissen will, und danach müßten sich die Geister scheiden und die Front gewählt werden. Das Vorhandensein all dieser Differenzen und Parteiungen, wenn der einzelne sie auch nicht beseitigen kann, zwingt zu einem starken und bewußten Ringen um Gerechtigkeit und um Takt. Ilm Gerechtigkeit, denn der Kampf kann ohne Schädignng des Judentums in seiner Gesamtheit nur ausgesochten werden, wenn man aus dem Bewußtsein des Rechtes auf die eigene Anschauung dem anderen sein Recht zu seiner Auffassung der Dinge zubilligt. Und zu solcher Gerechtigkeit muß sich das Taktgefühl gesellen» das den in der Gemeinde Arbeitenden dazu führt, ohne seine eigene Neberzeugung preiszugeben, die Ueberzeugung des anderen zu verstehen, seine Motive zu würdigen. Ist es nicht auch ein Stück der jüdischen Erziehung des jungen Akademikers, der einstens mitführen soll und als Führer sich von den Nebertreibungen und Gefühlsbetonungen der Masse fernhalten muß, ihn zu dem Verständnis der Motive des Gegners zu führen? Nur Verständnis bringt die Verständigung, der wir in allen Lagen wegen der Erhaltung der Wahrhaftigkeit in den Grundlagen der Gemeindebildung und zur Festigung unserer Gesamtstellung zustreben wollen und müssen, und die uns davor bewahrt, statt für das Judentum als Ganzes und als Gestalter des geistigen, sittlichen und sozialen Lebens der Menschen der Gegenwart und der Zukunft nur für die Partei gekämpft zu haben.

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