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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 30

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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30 (54) Äudenheit umfassenden politischen Willens,- sie verstehen die jüdische Gemeinde als eine Relig i o n s gemeinde und wollen sie als solche unbeschadet aller religiösen Differenzen der einzelnen Mitglieder erhalten. Die Kreise der derart Gerichteten sind politisch im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" organisiert. Und weil einigen die Betonung der Verbundenheit mit dem Deutschtum im Centralverein nicht entschieden genug erscheint, weil sie in seiner Haltung ein Vorwiegen des Gedankens an eine gemeinjüdische Verbundenheit gegenüber dem Gedanken des Linsseins mit dem deutschen Volke festzustellen vermeinen, haben diese sich zu dem „Verband der nationaldeutschen Juden" zusammengeschlossen. In bezug auf die Stellung zu der Frage der Besiedelung Palästinas stehen die Kreise der im Centralverein Organisierten in ihrer überwiegenden Mehrzahl fast einhellig auf dem Standpunkt, daß der Besiedelung praktisch jegliche Förderung zu widmen sei, daß sie aber nicht aus nationalen Gesichtspunkten und zur Begründung einer jüdischen Nation geschehen dürfe, daß die Mitarbeit an der Besiedelung ein Akt der Philanthropie neben vielen anderen sei, nicht aber die zentrale Seelenangelegenheit des Juden. Ihnen gegenüber steht die Gruppe der Zionisten; sie gehen von der Auffassung aus, daß das Judentum ein im wesentlichen nationales Gebilde ist, daß das Religiöse, und soweit sie persönlich religiös interessiert sind, vom Nationalen untrennbar ist, daß wenn eine Trennung der Sphären sich doch vollzieht, das Nationale dem Religiösen übergeordnet ist. Für sie ist die Teilnahme an der Besiedelung Palästinas, ihre Vollendung in nationalem Geist und zum Zwecke der nationalen Erneuerung des Judentums die zentrale Seelenangelegenheit des Juden. Sie wünschen darum die jüdische Gemeinde nicht als Religionsgemeinde, sondern als Volksgemeinde aufzufassen, als das einzige Gebilde, welches, bei der auch von den deutschen Zionisten anerkannten Unmöglichkeit, sich als nationale Minderheit in Deutschland zu konstituieren, imstande sei, Träger der Einrichtungen zu sein, die eine nationale Erziehung sichern und die Bedürfnisse befriedigen, die im Normalfalle von dem politischen Volkskörper erfüllt werden müssen. An der Hand der Palästinafrage glauben sie einen politischen Gesamtwillen der Iudenheit voraussetzen zu dürfen. Für die Durchführung dieser Ideen innerhalb der jüdischen Gemeinde sind die so Gerichteten in der „Jüdischen Volkspartei" organisiert. Die Tragik und die Wirrnis der innerjüdischen Politik ruht nun darin, daß durch das Sichüberschneiden der politischen und religiösen Kreise der Einzelne zu einer klaren Stellungnahme zumeist nicht kommen kann. Mancher liberal Gerichtete wird, obgleich er im Grunde der Trennungsorthodoxie schroff gegenüberstehen muß und sie von seinem Gesichtspunkt aus als ein Element der Auslösung der jüdischen Einheit betrachten könnte, in großen Fragen der jüdischen Allgemeinheit zu ihrem Bundesgenossen, weil er mit ihr gemeinsam um die Erhaltung der Gemeinde als Religionsgemeiirde und gegen die Nationalisierung und Verweltlichung des Judentums kämpft. Der religiös liberale Zionist unterdrückt seine liberale Haltung, bekämpft den Liberalismus, weil er sieht, daß die meisten Liberalen sich nicht zu dem Primat des Nationalen und zur Idee der Volksgemeinde bekehren können. Der Centralverein, dessen Idee ja nicht die Regelung und Führung der Eesamtangelegenheiten der Juden war, sondern der Kampf gegen die Iudenfeindschaft und die aus der Iudenfeindschaft geplante und bewirkte Entrechtung der Juden, der also alle Juden umfassen müßte und oberhalb aller Parteien stehen müßte, wird in die Stellung einer Partei gedrängt, weil die Zionisten glauben, ihre Ileberzeugung von dem nationalen Charakter des Iudeseins zwinge sie zu einer Methode des Abwehrkampses, die anders sein müsse als die des Centralvereins, der von der Idee der seelischen Zugehörigkeit des deutschen Juden zur deutschen Volksgemeinschaft ausgeht, und weil die „nationaldeutschen Juden" ihm sein Bemühen um eine Einheitsfront im Abwehrkampf als Verleugnung deutscher Interessen anrechnen. Das tätige und arbeitende Mitglied des Centralvereins sieht sich, angesichts der Tatsache, daß die Organisation des politischen Abwehrkampfes die Neutralität gegenüber den religiösen Kämpfen zu wahren zwingt, in der Betonung seines religiösen Standpunktes innerhalb der Gemeindeverwaltung und in dem Kampf für ihn gehemmt; und doch ist alles religiöse Leben nur wirkliches Leben da, wo man seinem Standpunkt Geltung zu schaffen sich müht, und aus den Kampf um der Einheit gegenüber dem Angreifer willen verzichten, heißt: das Religiöse dem Politischen unterordnen. Der Zionist geht, auch wenn er persönlich liberal ist, mit dem Orthodoxen, weil er eine religiöse Entwicklung als Element der Auflösung fürchtet, wenn sie nicht von Palästina aus bewegt ist, weil er eine Einschränkung der hebräischen Sprache im Gottesdienst aus nationalen Gründen nicht zulassen will, weil er in der Stärkung der Orthodoxie Erhaltung von Gebräuchen findet, die er gar nicht religiös wertet, sondern für ihn national wichtig erscheinen. Der religiös ganz indifferente Zionist versucht Einfluß auf die Verwaltung der jüdischen Gemeinde zu gewinnen, weil er sie zur Volksgemeinde umschaffen will, und bekommt

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