KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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(49) 25 Unser Weg. Von Dr. Eugen Schmidt (Lic.), München. In dieser neuen, sehr anders gestalteten Welt beobachten wir ein. starkes Bedürfnis nach neuer Orientierung. Man kommt mit der alten Orientietierung, die einen lange Zeit ein gutes Stück Weg vorwärts und aufwärts geführt hat, nicht mehr zurecht. Man stößt an, man hat Schwierigkeiten und Konflikte, man kämpft mit doppeltem Eifer, ohne dabei die entsprechenden Erfolge zu erzielen. Bis man sich bewußt wird: es geht auf diesem Kurse nicht mehr so weiter. Dieses Suchen nach neuer Orientierung, durch die Umgestaltung der Verhältnisse bedingt, zeigt sich auch in den studentischen Organisationen. Wir sehen hier die langsame Entwicklung, besser Abbröckelung einer Bewegung, die sich festgefahren hat und nun allmählich zur Erkenntnis kommt, daß man mit den Aenderungen der Verhältnisse rechnen muß, und daß es gewisse unaufhaltsame Entwicklungen gibt, die aufzuhalten menschliche Kraft übersteigt. Es gibt keine andere Möglichkeit, vorwärts zu kommen, als die Zeichen der Zeit zu erkennen. Dies ist grundsätzlich verschieden von jener beliebten Geschmeidigkeit, mit der sich so manch einer auf den Boden der Tatsachen stellt. Die Zeichen der Zeit erkennen, heißt nicht, sich mit den bestehenden Verhältnisse abfinden, die Vorteile einer gewissen Konstellation ausnützen, es heißt vielmehr kämpfen und der Zukunft einen Weg bahnen, und es heißt andererseits, nichtmit dem Kopfe gegen die Wand rennen. Wiv haben es genau so nötig, wie die anderen, über, unseren künftigen Kurs Klarheit zu gewinnen. Als der K. C. gegründet wurde, war es eine Tat, war es die Schöpfung einer Energie, die> ihren Weg klar erkannte und daher auch viele anzog. Eine Bewegung, die weiß, was sie will, wird immer ihre Anhänger finden. Als der K. C: gegründet wurde, war er auch eine sehr unproblematische Sache. Diese Bewegung war die Schöpfung eines gesunden Instinkts, der in seiner Intuition allen gedanklichen Zergliederungen himmelhoch überlegen ist oder, um mit Walter Rathenau zu sprechen, der uns vor nun 3 Jahren entrissen wurde, war eine Tat der Seele, die nicht irren kann, weil sie nicht denkt, sondern schaut. Seine damalige Form erwuchs dem K. C. mit einer gewissen Notwendigkeit aus den damaligen Verhältnissen. Es war wohl eine gewisse Notwendigkeit, im Kampf um das Recht sich jener Kampfsormen zu bedienen, auf die der Gegner gemäß alter Ueberlieferung reagierte. Es war aber vielleicht nicht zwingende Notwendigkeit, und so beruhte die Wahl dieser Formen auch noch auf einem anderen Grunde: auf der unerschütterlichen Wertschätzung gewisser Formen und Anschauungen. Es war die Zeit eines bis dahin unerhört erschienenen Aufstiegs. Was Jahrhunderte der Traum aller Patrioten gewesen war, die Einheit der deutschen Stämme, war, wenigstens auf kleindeutscher Grundlage, erreicht, lind wer hatte diesen Traum in Me harte Wirklichkeit umgesetzt? Allen voran ein preußischer Landjunker, mit ihm aber auch die ruhmreiche Dynastie der Hohenzollern, die sich in ihrer Armee ein ausgezeichnetes Werkzeug geschaffen hatte, und unter Mitwirkung altpreußischen Beamtentums. Nicht nur sie, auch ihre Anschauungen waren mit zur Herrschaft gelangt. Jene Zeiten sind endgültig vorüber. Jene Anschauungen haben zum Teil Schiffbruch erlitten und nicht nur wir allein, sondern mit uns viele andere, pflegen. sie mit recht nüchternen, ja kritischen Blicken zu betrachten. Wir haben unsere kritische Unabhängigkeit zurückgewonnen. Man kann es auch nicht als Gebot politischer Klugheit betrachten, Kräfte in das politische Kalkül einzusetzen, die eben keine Kräfte mehr sind. Das deutsche Korporationsstudententum hat sich als derart politisch instinktlos und naiv erwiesen, daß es einen mit ernster Sorge erfüllen kann, wenn man zusieht, wie diesen jungen Leuten Tagfür Tag vorgepredigt wird, sie seien zu Führern der Nation auserkoren. Zwischen dem, was die Gründer des K. C. und ihre Zeitgenossen erlebt haben, und dem, was wir durchgemacht haben, liegt ein Meer von Leid und Qual! Nach diesen Erlebnissen will es uns manchmal scheinen, als sei das deutschvaterländische Empfinden unserer Vorfahren von aller Erdenschwere befteit gewesen. Seien wir uns klar, der Begriff „deutschvaterländisch" ist nicht geeignet,-