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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 24

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 (48) nerhalb unseres Verbandes das Wesentlichste zu sein. Gerade innerhalb einer studentischen Korporation kann und muß der Gedanke der Gemeinschaft starker als bisher herausgearbeitet werden. Trotz aller politischen Erscheinungen der Gegenwart ist das Gefühl für das, was Gemeinschaftsarbeit bedeutet, starker in uns allen geworden — und notwendiger denn je. Ist nicht gerade das enge Zusammenleben innerhalb des Korporationsbetriebes, das Füreinander-Eintreten der Bundesbrüder in jedem Falle» die Verantwortung des Einzelnen für den Gesamtverband ganz besonders geeignet, nach dieser Richtung hin zu erziehen? Wir deutschen Juden brauchen heute und in der Zukunft bitter notwendig Männer mit stärkstem Sinn für dieses Gemeinschaftsideal, wir brauchen sie als Deutsche nicht minder denn als Juden, wir brauchen Männer, die sich bewußt sind ihrer Pflicht, sofern sie das Zeug dazu haben, zu führen und zu arbeiten zum Wohl der großen deutschen und der engeren jüdischen Gemeinschaft. Bringen wir unsere jungen Bundesbrüder dahin, zu erkennen, daß nur derjenige ins „öde Philisterium" herabsinkt, dessen Welt sein enger und kleiner Wirkungskreis ist, dessen letztes und höchstes Ziel das satte Bewußtsein einer gesicherten wirtschaftlichen und sozialen Stellung ist. Und noch ein Drittes: Zu selbstbewußten Juden wollen wir unsere Bundesbrüder erziehen! Sind sich alle diejenigen, denen diese Erziehung anvertraut ist, — und dazu gehört ja jeder einzelne ältere K. C. er — stets bewußt, was dazu gehört und was dieser Wille bedeutet? Sie, sehr verehrter Herr Kartellbruder Holländer, haben es einmal ausgedrückt, daß „Selbstbewußtsein" im Sinne unserer Tendenz für uns das „Selbstwissen um unser Judentum" bedeutet, Wissen um jenes Judentum, an dem unser Herz hängt, und von dem wir ein untrennbarer Teil sind. Rur, wenn wir dieses Judentum, seine Weltanschauung, sein Ethos und seine wunderbare an Heroismus wahrlich nicht arme Geschichte kennen, können wir denjenigen Kampfesgeist erwarten, der bereit ist, größte Opfer zu bringen. Aber noch mehr! Nur, wenn wir bei aller nüchternen und klaren Erkenntnis durchdrungen sind von der Größe und tiefen Bedeutung des Judentums in der Menschheitsgeschichte überhaupt werden wir zu jener inneren wahren Freiheit kommen, die erst die wahre Persönlichkeit schafft, die in sich gefestigt ruht und sich nicht beirren läßt von den Erschütterungen der Umwelt, welche Kräfte sie auch herbeiführen mögen. So soll und muß die Erziehung zum selbstbewußten Juden hinausreichen über den engen Kreis und zur Erziehung der „freien Persönlichkeit" werden. Das „Persönlichkeitsrdeal" wird zum Tendenzprinzip. So wollen wir unseren Bundesbrüdern den Weg weisen, auf dem sie lernen, ihr Judentum nicht als eine Last zu tragen, unter der sich ihr Rücken wie einst beugt, sondern es zu tragen, wie ein edles Schmuckstück, das seinen Glanz aus der Ewigkeit erhält und ihn widerstrahlt in die Ewigkeit! Ich weiß, sehr verehrter und lieber Herr Kartellbruder Holländer, manch einer wird über meine Gedanken lächeln und sie als Ziele bezeichnen, die weit über die Erziehungsarbeit einer studentischen Korporation herausreichen. Ich weiß, daß ich nur andeuten konnte, wo längere Ausführungen notwendig gewesen wären, aber ich weiß auch, daß wir die Berechtigung zum Bestände nur haben werden, wenn wir uns fortentwickeln, wenn wir uns neue Ziele stecken, wenn wir nicht im Formalismus erstarren, sondern uns stets lebendig erhalten. So wollen wir es mit dem schönen Worte halten: Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag! Möchten Sie, sehr verehrter Herr Kartellbruder, unser Führer zu diesen neuen Ufern sein. Mit diesem Wunsche für sie am heutigen Tage, von dem ich weiß, daß Sie ihn gern annehmen werden, drücke ich Ihnen im Geiste die Hand.

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