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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 19

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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(43) 19 füllend, entschloß, Mütze und Band anzulegen. Zugleich mit diesem Schritt erfolgte die Anschaffung eigener Waffen. Damit schloß für die Verbindung die Entwicklung der ersten Jahre ab. Eine neue Epoche begann. Alle hier niedergelegten Erinnerungen aus den ersten Jahren der Verbindung gehören mehr oder minder der äußeren Verbindungsgeschichte an. Sie müssen großenteils in ihrer Bedeutung zurücktreten hinter die Erinnerungen an das, was ein Mann für das innere Verbindungsleben, für die Befestigung und Vertiefung der Verbindungstendenz innerhalb der Verbindung und weit über den Kreis der Verbindung und des K. C. hinaus geleistet hat. Ludwig Holländer hat den ersten Eindruck, den er bei seinem Eintritt in die Verbindung erweckte, nämlich den eines ungewöhnlichen Geistes, voll gerechtfertigt. Der erste wissenschaftliche Abend, welchen die Verbindung im Dezember 1893 abhielt, wurde von Holländer mit einem Vortrag über das Thema: „Die Entwicklung des modernen Antisemitismus, sein Wesen, seine Verbreitung und seine Bekämpfung" bestritten. Inhalt und Form machten die Zuhörer auflauschen. Man fühlte, daß dieser junge Licare, der deutschen jüdischen Studentenschaft, ja allen deutschen Juden etwas zu sagen und zu bringen habe. Wer aber konnte damals ahnen, daß die Bearbeitung des Vortragsthemas die Lebensaufgabe Holländers sein werde? Nachdem Holländers Bedeutung und Befähigung in der Verbindung erkannt war, — nebenbei bemerkt stellte Holländer auch in rein studentischen Dingen, im Kneipen und Fechten, seinen vollen Mann — wurde er Nachfolger Klees in der ersten Charge der Verbindung. Hauptsächlich der Ueberzeugungskraft seiner Worte ist es zu danken, daß die führender: Persönlichkeiten der jüdischen Philisterschaft in München, die anfänglich nur vereinzelt und zagend ihre Sympathie der jungen Verbindung zuwandten, immer mehr und mehr für die Verbindung gewonnen wurden. Nur ungern ließ die Verbindung Holländer ein Semester nach Heidelberg zur Badenia ziehen. Nach seiner Rückkehr leistete er der konstanten Verbindungsentwicklung den größten Dienst dadurch, daß er etwa vier bis fünf Semester lang das Fuxmajorat führte. Von ihm rührt der erste Leitfaden über Fuxenunterricht. Auch nach seiner Philistrierung bis zu seinem im Jahre 1908 erfolgten Rufe nach Berlin unterstützte er den jeweiligen Fuxmajor beim Fuxenunterricht. Lehrend und lernend gewann er über den Stoff der Tendenzfragen die reichsten Kenntnisse und Erfahrungen, so daß keiner sich hierin mit ihm messen konnte. Seine Tendenz- und Festreden waren stets ein Ereignis. Daß Ludwig Holländer beim Ausbau der K. C.-Organisation an die Spitze des geschäftsführenden Ausschusses des K. C. gewählt wurde, war für alle K. C. er eine Selbstverständlichkeit. Und als eine Selbstverständlichkeit muß man es heute betrachten, daß der Mann, welcher in seinen Studentenjahren und den daran anschließenden Jahren des Philisteriums mit Leib und Seele für die K. L.-2dee arbeitete und kämpfte, heute Direktor des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist. Welche Gedanken steigen aber auf, wenn man sich die Frage vorlegt: wie hätte sich das Schicksal der Münchener Verbindung, der Ausbau des K. C., die Entwicklung des Centralvereins gestaltet, wenn Ludwig Holländer nicht zur Verbindung gekommen wäre? Zufall?! — Bestimmung?! — Fügung?! — Ich greise keiner Antwort vor. Freuen wir uns, daß es so gekommen ist. 2*

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