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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 18

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 (42) ZU verfahren, von Anfang an sorgsam vermieden. Denn die Verbindung war sich bewußt, aus exponiertem Platze zu stehen und hohe Verantwortlichkeit von jedem einzelnen ihrer Mitglieder verlangen zu müssen. Die Verbindungsleitung war deshalb auch von Anbeginn darauf eingestellt, alle Kräfte der einzelnen Mitglieder für die Verbindung anzuspannen und straffe Verbindungsdisziplin zu wahren. Der Erstchargierte des ersten Semesters, Alfred Klee, schon damals ein zündender Redner, verstand es, die Begeisterung wachzuhalten. (Klee war damals noch nicht von national-jüdischen Ideen geleitet, die ihn im Lause der weiteren Jahre immer mehr erfüllten und sein Bleiben in der Verbindung und im K. C. unmöglich machten.) Die Erziehung der Füxe lag im ersten Semester in den Händen Ballins, der als vorbildlicher Verbindungsstudent weder für sich noch für andere bequeme Konzessionen kannte und nicht immer ganz sanft mit den Füxen verfuhr, sich aber trotzdem oder gerade deshalb größter Achtung und Beliebtheit erfreute. Die Kneipe (das erste Kneiplokal war im Gasthaus „Winterstein" in der Augustenstraße) vereinigte stets eine fröhliche und sangesfreudige Eorona. Besondere Belustigung brachte es, wenn Verkehrsgast Kaiser sein Lied: „Als Prinz Licaria bist du mir erschienen", mit Pathos vortrug oder Frensdorfs mit seiner spitzen, hannoverschen Aussprache sein Lieblingslied: „Schöne Minka, ich muß scheiden" zu einem grotesk-akzenturierten Rhythmus brachte. Weihevollen Ernst erhielten unsere Kneipen durch das im 2. Semester von dem zu uns beurlaubten Badenen Ludwig Haas gewidmete Bundeslied mit seinen kraftvollen Versen, das ebenso wie das bald darauf von Otto Einstein gewidmete sinnige Farbenlied heute noch wie einst die Sänger beseelt. Schon im ersten Semester wurden mit der Viadrina, Badenia und Sprevia Einzelverhandlungen für die Herbeiführung eines Kartells ausgenommen, die im Sommersemester 1896 bzw. Wintersemester 1896/97 zum Abschlüsse führten. Durch die jedes Semester in größerer oder geringerer Zahl in München studierenden Kartellbrüder erfuhr die Verbindung einen nicht unterschätzten Rückhalt, zumal auch diejenigen Kartellbrüder, welche nicht in die Münchener Verbindung eintraten, nach dem mustergültigen Beispiele, das Max Auerbach (Badenia) im Gründungssemester gegeben hatte, am Verbindungsleben stets regen Anteil nahmen. Bald konnte die Münchener Verbindung ihrerseits dem Kartell dienen, indem gar mancher durch ihre Schule gegangene Bursche sich als tüchtiger Chargierter von Kartellverbindungen bewährte. Auch war es der Münchener Verbindung eine Freude, daß durch die im Jahre 1899 von ihren Angehörigen erfolgte Gründung der Bonner Verbindung Rhenosilesia dem Kartelle, dem sie selbst so wertvolle Kräfte verdankte, ein neuer, kräftiger Zweig erblühte. Da sich die Münchener Verbindung ohne eigene Waffen aufgetan hatte, waren ihre Mitglieder darauf angewiesen, jeweils ftemden Waffenschutz in Anspruch zu nehmen. Gerade diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß die Verbindung bei den verschiedenen schlagenden Korporationen bald bekannt wurde und daß es ihr in kurzer Zeit gelang, die gegen den persönlichen Mut und die Selbstzucht des jüdischen Studenten bestandenen Vorurteile zu entkräften. Es war nicht immer ganz leicht, daß richtige Maß einzuhalten, um, ohne den Ruf der Fechtschneidigkeit zu gefährden, nicht in den Ruf der Rauhbeinigkeit zu kommen. Rückschauend darf aber wohl festgestellt werden, daß der richtige Mittelweg zu gehen verstanden wurde. Auch bei ernsteren Zusammenstößen, die den studentischen Boden verließen — die Beteiligten werden sich wohl an ein Nachspiel eines der sonst so gemütlichen Studentenabende bei „Papa Geis", an den Vorfall auf dem Keller der Schwabinger Brauerei und an die „Tutzinger Schlacht" heute noch erinnern — haben die Mitglieder unserer Verbindung sich zu benehmen und zu behaupten verstanden. ZurEhre der Studentenschaft sei es gesagt, daß Angriffe, welche die studentischen Sitten verließen, Einzelerscheinungen blieben, wobei übrigens meist Gott Gambrinus als Fürsprech für mildernde Umstände der Angreifer austreten konnte. In diesem Zusammenhänge sei an eine Tatsache erinnert, die angesichts der Verhältnisse der jüngst verflossenen Zeit besondere Erwähnung verdient. Um die Zeit der Gründung der Verbindung bestand an der Münchener Universität ein Gesamtausschuß der Studentenschaft Münchens, dem mit Ausnahme des S. C. so ziemlich alle Korporationen, darunter D. C., L. C., V. C. — und nicht zu vergessen V.D. St. — angehörten. Im Sommersemester 1896 trat die Verbindung in diesen Ausschuß ein und gehörte ihm mehrere Semester an, bekleidete auch, da die Aemter nach einem bestimmten Turnus wechselten, die ihr zeitlich zukommenden Aemter. An den studentischen Feiern (Reichsgründungsseier, Bismarckfeier, Fackelzüge usw.) nahmen einträchtig sämtliche im Ausschuß vereinigten Korporationen teil. In den ersten Jahren wurden die Farben der Verbindung nur im Bierzipfel getragen. Nach fünfjährigem Bestehen hielt sich die Verbindung nach innen und außen so gefestigt, daß sie sich im Wintersemester 1900, das allgemeine Sehnen er-

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