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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 17

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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(41) 17 Erinnerungen aus den ersten Jahren der Tirana Von Julius Heilbronner (Licariae). Als ich im Sommersemester 1893 schweren Herzens von der Heidelberger Verbindung Badenia Abschied nahm, wurde mir förmlich das Versprechen abgenommen, sobald sich in München die Möglichkeit für Gründung einer Verbindung mit gleicher Tendenz ergebe, mitzumachen. Der von Heidelberg ausgegangene Gründungsgedanke konnte erst im Wintersemester 1893 seine Verwirklichung finden, als eine stattliche Anzahl von Badenen und Spreven in München studierte und die Gewähr dafür geben konnte, den nicht leichten Schritt erfolgreich zu unternehmen. Man wußte, daß die Widerstände nicht gering seien, die sich der Gründung einer jüdischen Verbindung in München entgegenstellen würden. Diese Widerstände lagen weniger bei der Studentenschaft als bei der jüdischen Philisterschaft, die — noch erfüllt von dem Geiste der liberalen Aera — die demütigende Stellung, welche jüdische Studenten im akademischen Leben überhaupt und auch an der Universität München einnahmen, nicht erkannten oder nicht erkennen wollten. Wenn auch im allgemeinen damals noch auf den Gymnasien antisemitische Tendenzen mit ihren gesellschaftlichen Folgen sich wenig bemerkbar machten und dauernde Freundschaften zwischen jüdischen Schülern und ihren christlichen Mitschülern keine Seltenheit waren, so pflegten doch die Beziehungen mit solchen christlichen Mitschülern, welche in eine der führenden studentischen Korporationen (S. C., D. C>, L. C.) eintraten, alsbald zu erkalten. Für jüdische Studenten aber, die ihre Abstammung nicht verleugnen oder ihre Religion nicht aufgeben wollten, waren diese Korporationen schon damals soviel als verschlossen. Dabei waren die Angehörigen der führenden studentischen Korporationen in München nicht weniger als anderwärts von dem hochmütigen Vorurteil befangen, daß der jüdische Student an Ehre, Mut und Vaterlandsliebe minder einzuschätzen sei. Die Veranlassung, ja der Zwang zur Gründung einer jüdischen Studentenverbindung war daher für München nicht weniger gegeben, als es für Breslau, Heidelberg, Berlin der Fall gewesen war. Gleich bei Beginn des Wintersemesters 1895 fingen im Cafe Gaßner am Stammtische der damals in München studierenden Viadrinen, Badenen und Spreven die Vorbesprechungen über die Schritte zur Gründung einer Münchener Verbindung an. Mit Sehnsucht erwarteten die zur Gründung entschlossenen Angehörigen der Badenia: Martin Ballin, Dr. Carl Frensdorfs, und die Spreven: Alfred Klee, Julius Arnheim, Georg Josephsohn, von ihren Verbindungen die Erlaubnis zum Eintritt in die neu zu gründende Münchener Verbindung. Noch vor dem Gründungsakte meldeten sich bereits zwei Füxe zum künftigen Eintritt: Ludwig Holländer und Max Klar, beide erfüllt von jugendlicher Begeisterung und Tatendurst. Wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, kam Ludwig Holländer, aufmerksam geworden durch einen Anschlag am Schwarzen Brett der Universität, aus eigenem inneren Antrieb zu uns. Sein erstes Erscheinen im Cafe Gaßner erregte nicht geringes Aussehen. Die damals schon breite Gestalt mit dem wuchtigen Kopf und dem bartlosen Gesichte machte den Eindruck eines jungen geistlichen Herrn. Schon nach kurzer Begrüßung war aus den von beredsamen Lippen kommenden Worte zu ahnen, daß dem nicht alltäglichen Habitus auch ein nicht alltäglicher Geist inne wohne. Wenige Tage später, am 7. November 1895, fand in dem rauchgeschwängerten Gastzimmer der „Leberwurst", einem alten Bierlokale am Platzl, die „Gründung der freien Verbindung Licaria mit den Zielen und Tendenzen der drei jüdischen schlagenden Korporationen Viadrina-Breslau, Badenia-Heidelberg, Sprevia-Berlin" statt. Nicht geringes Kopfzerbrechen hat es gekostet, bis Namen, Farben, Zirkel, Wahlspruch und Wappen endgültig beschlossen waren. Daß der Name der Verbindung eine Ableitung von „Licus" (Der Lech) sein sollte, stand allgemein fest. Der jetzt eingebürgerte Name Licaria läßt nicht erraten, welche philologischen und phonetischen Schwierigkeiten bestanden, ihn zu finden. Statt der ursprünglich beabsichtigten Farben schwarz-gold-grün wurdealsbald die ebenso harmonische wie symbolische Farbenzusammenstellung grün-weiß-schwarz erkoren. Der Wahlspruch „Recht geht vor Macht" sollte gleichsam als kategorischer Indikativ mit Eindringlichkeit den Willen und das Ziel einer zu Unrecht zurückgesetzten Minderheit zum Ausdruck bringen. Rasch wurde der werbende Gedanke der jungen Verbindung wirksam, so daß sie am Schlüsse des ersten Semesters bereits 22 Mitglieder zählte. Dabei wurde der Fehler junger Verbindungen, bei der Ausnahme neuer Mitglieder nicht streng

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