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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 15

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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(39) 15 Der jüdische Redner. Von Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander, Krefeld (Badeniae-Bavariae, Rhenosilesiae). Das Thema mag verwunderlich erscheinen. Ist der jüdische Redner eine Besonderheit, daß man ihm eine eigene Arbeit widmen kann? Die Frage ist zu bejahen. Sie ist zu bejahen vor allem dann, wenn man den Typ des jüdischen Redners in Zusammenhang bringt mit der Persönlichkeit, der diese Blatter gelten sollen. Unter jüdischem Redner sei derjenige verstanden, der als Abgesandter einer Organisation die Belange des Judentums vertreten will, zu einem Vortrag entsandt wird. Man erkennt seine Stellung am besten, wenn man sie vergleicht mit der, die der Redner irgend einer anderen Organisation einnimmt. Läßt ein allgemein politischer Verband, ein wirtschaftlicher Zusammenschluß oder eine literarische Gesellschaft einen Vortrag halten, so ist die Aufgabe des Redners im wesentlichen mit dem letzten Satz seines Vortrages beendet. Man läßt sich von ihm belehren, man läßt sich von ihm werben, man läßt sich von ihm einen künstlerischen Genuß bieten, man freut sich vielleicht auch, wenn er eine bekanntere Persönlichkeit ist, noch ein paar gemütliche Stunden mit ihm zusammen sein zu dürfen. Vielleicht hat er nur noch der örtlichen Leitung seines Verbandes die und jene vertrauliche Mitteilung zu machen, vielleicht bittet man ihn um eine Entscheidung in einer örtlichen Streitigkeit. Höhere Anforderungen werden nur nur in den seltensten Ausnahmefällen an ihn gestellt. Aber ganz anders liegen die Dinge gegenüber dem jüdischen Redner. Und ich glaube, daß nur der, der sich dieser Aufgabe länger unterzogen hat, von dieser erhebenden und niederdrückenden, erfreulichen und vielfach schmerzlichen Arbeit berichten kann. Die qualitativen Leistungen, die man von dem jüdischen Redner beansprucht, sind ungleich höher. Krast seines höher entwickelten Intellektes verlangt der Jude von dem, der ihn noch belehren will, eine Spitzenleistung. Wehe dem Redner, der nicht in der Lage ist, seinen Zuhörern eine solche Leistung zu bieten! Er ist der vernichtenden Kritik gewiß, und diese Kritik ist deshalb gefährlich, weil sie nur selten im Versammlungsraum laut wird, sondern weil sie später, wenn der Redner seine Hörer wieder verlassen hat, noch tagelang bei allen möglichen Gelegenheiten geübt wird, und weil diese Kritik nicht an der Leistung des Redners halt macht, sondern, da man ihn und die von ihm vertretene Organisation identifiziert, im letzten Ende auf sie zurückfällt. Gar mancher Verband hat die Folgen einer schlechten rednerischen Leistung noch jahrelang an einem Orte spüren müssen. Es ist für den, der allwöchentlich eine Reihe von Vorträgen halten muß, wahrlich nicht leicht, immer etwas Ausgezeichnetes von sich zu geben. Mag er den besten Willen und die größte Fähigkeit haben, eine körperliche Indisposition kann ihn beeinflussen. Irgend ein Ereignis, eine auch nur leise Unruhe im Saal kann es verhindern, daß er den für den Redner so dringend erforderlichen Konnex mit der Zuhörerschaft bekommt. Oft fährt dann der Redner in später Nachtstunde ermüdet weiter mit dem bitteren Gefühl, das beste gewollt und nur wenig oder gar nichts erreicht, oder sogar einen Mißerfolg erlebt zu haben. . Aber selbst wenn der Redner überzeugt ist, sein Bestes gegeben zu haben, und wenn diese Ueberzeugung auch richtig ist, so steht er doch sehr oft nach dem Vortrage unter dem Eindruck einer tiefen Depression. Er legt sich die Frage vor, ob er denn wohl auch einen praktischen Erfolg erzielt hat. Sind die Worte, die er gesprochen hat, nicht nur Worte geblieben! Haben sie in seinen Zuhörern einen Widerhall erweckt, der noch lange fortwähren wird? Er quält sich mit dem Gedanken, daß die Besucher des Abends in wenigen Stunden alles, was er zu ihnen gesagt hat, vergessen haben, und die Mahnungen zur Arbeit morgen schon unbeachtet lassen werden. Dieses bedrückende Gefühl wird vielfach richtig sein. Die Erfahrung lehrt, daß nur derjenige Redner einen dauernden Erfolg davonträgt, der auch durch seine Persönlichkeit wirken kann. Nicht vor dem Wort, wohl aber vor dem Menschen hat das Publikum Achtung. Es gilt, den Willen zu erzeugen, dem Menschen, der dort oben steht, nachzueifern. Aber mit dem Vortrag allein ist es noch lange nicht getan. Die Diskussion kommt. Auch dem gewandtesten und erfahrensten Redner kann sie geistige und seelische Anstrengungen bieten; nicht daß er außerstande ist, Fragen zu beantworten und Angriffen zu begegnen. Es kommt darauf an, wie er die Antwort gibt und wie er den Angriff abschlägt. Mit Freunden und Gegnern muß er sich herumschlagen. Unzufriedene gibt es überall, und sie gibt es in besonders großer Anzahl in jüdischen Organisationen. Auf die Gründe

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