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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 14

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 (38) Teil gibt zu, daß seine politische Auffassung nur von der irrationalen Grundlage des Gefühls und des Willens getragen sei, jeder Teil beansprucht, seinen Beweis mit geschichtlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Tatbeständen führen zu können. Die wissenschaftlichen Streiter für die Rechte der deutschen Juden sind mehr oder weniger Spezialisten. Der jüdische Theologe, der jüdische Jurist, Soziologe, Historiker haben auch in diesem Kampf ihr eigenes Arbeitsgebiet. Das Ergebnis ihrer Arbeiten ist nur zum geringsten Teil in der L. V.-Zeitung, die als politische Wochenschrift mit breitestem Leserkreis dieser Aufgabe gar nicht dienen kann, sondern in zahlreichen Werken urw Broschüren niedergelegt. Wir haben erfreulicherweise seit einiger Zeit auch eine alle Spezialarbeiten zusammenfassende Zeitschrift, den ausgezeichneten „Morgen", dem nur das Vielfache seiner jetzigen Verbreitung zu wünschen wäre. Aber die systematische Verbindung aller dieser Spezialitäten zu einer Einheit ist eine Wissenschaft für sich, eine junge, vielleicht nicht einmal 20 Jahre alte Wissenschaft. Sie steht nach ihrer Aufgabe der Rechtswissenschaft am nächsten, nach ihrem Aufbau und den Mitteln ihrer Zweckerfüllung ist sie von einer erstaunlichen Vielseitigkeit, steht in engster Fühlung mit allen Grundformen wissenschaftlichen Denkens, abgesehen von der Technik im eigentlichen Sinne. Auch das weite Gebiet der Naturwissenschaften ist durch die neue Rassenlehre in die Aufgabe einbezogen. Gestehen wir alle, die wir als Außenposten vor der eigentlichen Front des deutschen Judentums stehen, daß wir nur Schüler und Anfänger in dieser Wissenschaft sein Können. Die jahrzehntelange Befassung mit dem sich immer wiederholenden Problem verschafft uns zwar ein ausreichendes Verständnis für die Ergebnisse dieser Wissenschaft und verleiht uns die Fähigkeit, diese Ergebnisse unserer idealen Aufgabe dienstbar zu machen. Aber die Erforschung, wissenschaftliche Verarbeitung und populäre, jedem verständliche Wiedergabe der organischen Zusammenhänge wird nach Lage der Dinge immer Aufgabe einiger Weniger bleiben müssen. Der Dienst an dieser Wissenschaft, soweit er nicht Spezialarbeiten betrifft, verlangt zunächst eine Ausschließlichkeit dieser Tätigkeit, die sich dem im normalen Berufe stehenden deutschen Juden von selbst verbietet. Aber das ist wohl nicht das Entscheidende. Das Wesentliche ist vielmehr eine Universalität der geistigen Erziehung und der wissenschaftlichen Vorbildung, die den wenigsten Menschen eigen sein kann. So sind es denn auch nur verschwindend wenige, die als berufene Vertreter dieser Wissenschaft gelten können. Es geschieht niemanden ein Unrecht und schmälert nicht das Verdienst irgend eines, auch des besten Freundes, wenn wir an dieser Stelle und aus dem besonderen Anlaß heraus sagen: Der beste lebende Vertreter der Wissenschaft vom Recht des deutschen Judentums ist Ludwig Holländer. Wir anderen, das gewöhnliche Kriegsvolk, mögen mehr oder weniger brauchbare Praktiker der politischen Tagesarbeit und verwendbar in allen Einzelausgaben sein. Nicht wenige andere, Namen von höchstem Rang und Glanz, haben sich Sondergebiete des Judenproblems als Arbeit erwählt, auf denen sie Unübertreffliches geleistet haben. Die Meister der gesamten Wissenschaft aber sind unsere berufenen Führer. Wir wollen auf die Nennung jedes Namens verzichten, weil sie notwendig ungerecht gegen manche Nichtgenannte wäre. Ein Toter darf in diesem Zusammenhang nicht ungenannt bleiben: Eugen Fuchs war der universale Geist, der alle Teile dieses Wissensgebietes beherrschte und die Teile organisch zur Einheit zu verbinden wußte. Mit ihm und nach ihm aber in erster Linie Ludwig Holländer. Er ist Jurist, Philosoph, Historiker, Soziologe, Religionswissenschaftler und Vo'lkswirtschaftler in einem. Wenn es bis zur Stunde in jedem Fall gelungen ist, noch jeden Angriff unechter Wissenschaft auf das deutsche Judentum abzuwehren, so war das gewiß nicht immer die Arbeit Ludwig Holländers, aber zumeist seine Anregung. Diese Leistung konnte und kann nur durch einen wahren Humanisten geschaffen werden.

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