KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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(33) frohen München, in der Zeit keimenden, werdenden Antisemitismus, dem aber die Münchener Luft selbst in schlimmen Zeiten immer noch Gemütlichkeit zu verleihen schien. Versuche, judenfeindliches Gefühl in die Tat und zu Exzessen umzuwerten, von einer die Ordnung über alles liebenden Staatsgewalt immer zurückgedrängt. Dann in den frühen Mannesjahren berufen zu dem verantwortungsvollen Posten im Centralverein, der besser wie irgend einem den Ueberblick über Iudenfreundschast und -Feindschaft, die trüben Quellen antisemitischer Gesinnung, Notwendigkeit und Möglichkeit planmäßiger Bekämpfung bot. Der Krieg, zu Anfang, Hochgefühl gleichgestimmter Seelen, bald abgelöst von Scheelsucht und Nörgelei. Und schon mitten im Krieg heben sich erkennbar die Versuche ab, für den unglücklichen Ausgang den Prügelknaben der Weltgeschichte verantwortlich zu machen. Aber ins Ungemessene steigt die Welle der Iudenfeindschaft in den trübsten Jahren nach. Waffenstillstand und Krieg, als Ruhrbesetzung und Inflation ruhige Ueberlegung zu vernichten drohten, die Ungewißheit des täglichen Schicksals böse Instinkte wachrief, und halbwissenschaftliche Methode im völkischen Antisemitismus eine neue Spielart zu schaffen sich bemühte. Ein glückliches Geschick läßt die Vollendung Deines ersten halben Jahrhunderts in einen Zeitpunkt sallen, in dem wir als Deutsche und als Juden Silberstreifen am Horizont aufziehen sehen. Deutschlands Weltgeltung im Aufftieg, die innere Kraft des Volkes ungebrochen nach der bösen Verwirrung der Inflationsjahre. Empfinden für Recht und Billigkeit sinnfällig im Gesundungsprozeß. Und auf Deinem ureigensten Gebiete: die völkische und antisemitische Welle läuft zu Tal, versickert; freilich auch in guten Köpfen Verwirrung zurücklassend, die zu beseitigen viele Jahre Arbeit notwendig machen wird. Und der überwältigend größte Teil der deutschen Juden, gelegentlich beeindruckt von häßlichen judenfeindlichen Angriffen, bisweilen in Versuchung geführt durch das Vorgaukeln kühner Hoffnung auf das ferne, weit abgelegene Land, der Väter, hat sich von der Vorstellung des „gesamt-jüdischen" Menschen und ähnlichen Ideologien gründlich wieder freigemacht. Menschen, gewachsen auf dieser Erde, bestimmt, auf ihr zu werden und zu vergehen, in gleiches Joch üstrd in gleiches Glück gespannt mit den Volksgenossen aller Bekenntnisse, sehen in Dir, dem Fünfzigjährigen, den berufenen Führer im Kampf und im Aufstieg. Mögest Du, wie in den vergangenen Jahrzehnten, in völlig wiedererlangter Gesundheit auch künftighin unser Vorkämpfer und Streiter, unser Freund und Bundesgenosse sein. Unsere Treue, unsere Liebe, unsere Gefolgschaft und unsere Anhänglichkeit bleiben Dir gesichert. In herzlichster Freundschaft Dein Bruno Weil (Lic.)