KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 99 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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99 anderen Gruppen sei nicht in Frage gekommen; man hoffe, dem G. A. mit dieser Auskunft gedient zu haben. — Auskunft? War das eine Auskunft? So klug war der G. A. doch allein auch schon gewesen. Aber immerhin war er ftoh und dankbar, er hatte doch wenigstens eine Antwort, wenn er auch schon nichts mit ihr anfangen konnte. Wie oft hat er vergeblich gewartet, und wie oft wurde es ihm durch dieses Schweigen unmöglich gemacht, irgendwie zu helfen. — Daß aber eine richtige Berichterstattung im Rahmen des möglichen liegt, haben die hervorragenden Berichte einer oder zweier Verbindungen schlagend erwiesen. Meine Herren Kartellbrüder! Ich komme zum N Schluß! Sie sind vielleicht mit Erwartungen hergekommen, die ich enttäuschen mußte. Sie glaubten möglicherweise ein Rezept mitzubekommen, nach dem sich eine brauchbare Hochschulpolitik für jeden Fall zurechtbrauen ließe. Selbst wenn es in meiner Macht gestanden hätte, ein solches Rezept zu geben, ich glaube, ich hätte es nicht getan. Die individuelle, geistige Leistung soll man erstreben, nicht aber gleichförmige Anidersalanweisungen verpassen. Meine Aufgabe konnte nur sein, in Ihnen Interesse für die Aufgaben zu wecken, die wir erfüllen müssen. Rur Hinweise habe ich gegeben, die ich Sie bitte, selbständig durchzudenken, mit Ihren Bundesbrüdern zu besprechen und in der Praxis durchzuführen, in Erfüllung unserer Tendenz, zu Nutz und Frommen des K. C. und der deutschen Studentenschaft. Der K. G. als das Krasterrseraarr des deutschen Judentums. Von Hugo Ehrlich (Spr., Fr.), Tilsit. I. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß bei allen Kulturvölkern die Akademiker in der Neuzeit eine unverhältnismäßig große Rolle spielen. Ebenso ist in den einzelnen Volksschichten, in Vereinigungen, in jeder Gemeinschaft der Einfluß der Akademiker auf die Gestaltung und Entwickelung, auf Form und Inhalt wesentlich stärker als der anderer Berufsgruppen. Es soll nicht verkannt werden, daß auch einzelne bedeutende Nichtakademiker ihren Kreisen ihren Stempel aufgedrückt haben; immerhin waren sie gegenüber den Akademikern nicht nur relattv, sondern auch absolut in der Minderheit.' Die gleichen Verhältnisse wie in der ganzen Umwelt finden wir naturgemäß auch bei der deutschen Judenheit. Auch in dieser Gemeinschaft wirkt in starken Ausmaßen der Akademiker; er führt ihr Werte zu, indem er seinerseits sich am Wesen des Judentums emporrankt; er bringt Leere und Verlust, wenn er selbst das Jüdische nicht erlebt. II. Der K. C. stand stets im Brennpunkt jüdischer Bewegung. Noch bevor es einen Centtalverein, bevor es eine zionistische Organisation gab, haben sich jüdische Studenten im Jahre 1886 in der „Viadrina" in Breslau, wie Ludwig Holländer in einer der letzten Nummern der Central- Vereins-Zeitung zutteffend bemerkt, zusammengefunden. Sie waren nicht gewillt, die Uebergrifse, welche sich ihre .antisemitischen Kollegen den jüdischen Studierenden gegenüber zuschulden kommen ließen, gefallen zu lassen. Mit der Waffe in der Hand wollten sie diese zurückweisen. Dies ist ihnen — und späterhin den im K. C. vereinigten Verbindungen — (nebenbei bemerkt) so gut gelungen, daß die Anttsemiten es vorzogen, sich durch Satisfaktionsverweigerung jüdischen Prügeln zu entziehen. Die Abwehr, welche die Viadrina übte, war aber nicht alleiniger Zweck des Zusammenschlusses. Vor allen Dingen legten die alten Viadrinen Wert darauf, daß ihre Mitglieder ftei waren von Knechtssinn, den ein jahrzehntelanges Ducken und Bücken mit Naturnotwendigkeit zeitigen mußte. Darüber hinaus sollte ihr Beispiel auf ihre jüdische Umgebung wirken; sie wollten Selbstbewüßtsein zeigen und Selbstbewußtsein Hervorrufen. Ueberraschend schnell ist es ihnen gelungen. Nur wenige Jahre später entstand die zionistische Organisation und der Centtalverein, Vereinigungen, die wesentlich verschiedene Ziele verfolgten, in einem aber der Viadrina nacheiferten: in der Stärkung des Selbstbewußtseins der Juden. Daß im Centralverein K. C.er sowohl an leitender Stelle als auch sonst in großer Menge sich betättgten, ist wohl selbstverständlich, da der C.V. ja im bürgerlichen Leben die gleichen Zwecke verfolgt wie der K. C. in der Studentenschaft. Mit der zionistischen Organisation hat der K. C. keine Berührungspunkte, obwohl auch dort an führender Stelle sich einige alte K. C.er befinden. Die Tatsache, daß der K. C. auf die Entwicklung des zionistischen Teils der deutschen Judenheit ohne unmittelbaren Einfluß ist, ist für die Frage, ob er für das deutsche Judentum ein Kräftereservoir darstellt, insofern bedeutungslos, als die Zionisten ja selbst das Bestehen eines deutschen Judentums in Abrede stellen oder wenigstens ihrer Einstellung nach