KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 98 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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98 bei Verhandlungen schon kurz vor dem Erfolg wähnte. Man hat den Grad der Wichtigkeit dieses Punktes so maßlos überschätzt, daß man, um hier zum Ziel zu gelangen, in Lebensfragen z. B. der akademischen Lehr- und Lernfreiheit sich ängstlich geduckt hat. „Taktische Rücksichten" wurden geübt. Meine Herren Kartellbrüder 1 Der Teufel möge diese taktischen Rücksichten holen, denn sie drohen das zu vollbringen, was niemand bis jetzt hat vollbringen können: sie nehmen uns den jugendfrischen, kampfesfrohen K. C.- Geist, der das kostbarste Vermächtnis der alten Viadrina ist. Man möge sich, sage ich nochmals, hüten vor diesen taktischen Rücksichten. Lassen sie heute einen schweigen, wo man besser sprechen sollte, so werden sie einen morgen Weggehen heißen, wo man zuschlagen müßte. Man wird, im Interesse des lieben Friedens, oder, wie man es schwungvoller nennen wird, im Interesse des Fortbestandes der Korporation, so manches hinnehmen, was man ohne die „taktischen Rücksichten" niemals nur anhören würde. Man wird vergessen, daß die Aufgabe des K. C. nicht im friedlichen, ungestörten Fortbestand seiner Verbindungen, sondern im Kampfe liegt! Das soll nun nicht etwa heißen, daß Taktik im K. C. nicht geübt werden dürfe. Es soll Sie. meine Herren Kartellbrüder, nur warnen! Es soll nur heißen: Augen auf, und Zusehen, ob durch die Rücksicht auf einen kleinen Erfolg nicht ein großes Prinzip schmählich verleugnet wird. Wo es die Ehre und die Lebensanschauung gilt, da tritt das Wort vom Sperling in der Hand und der Taube auf dem Dache außer Wirksamkeit! Im hochschulpolitischen Kampfe wird der K. C. zwar fast stets in der Minderheit, selten oder nie jedoch allein stehen. Ueberall finden sich korporative, politische, konfessionelle Gruppen, die mit uns so viel gemeinsam haben, daß ein Zusammengehen sich fast von selbst ergibt. Ich will mir nicht anmaßen, auch nur Richtlinien aufzustellen, in welcher Art der K. C. seine Koalitionspolitik an den einzelnen Hochschulen betreiben soll. Das läßt sich in der Regel nur von Fall-zu Fall unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse entscheiden. Mag hier vielleicht ein selbständiges Auftreten des K.C. geboten sein, so ist dort eine zusammengefaßte Gruppe aller jüdischen Verbände, mit oder ohne Zionisten, das richtige, und so kann an einer dritten Hochschule das Heil nur in einer Koalition mit paritätischen und nichtjüdischen Gruppen liegen. Ich persönlich halte die letzte Form für die wünschenswerteste und bin auf Grund manch übler Erfahrung den Zionisten gegenüber recht skeptisch. Aber, wie gesagt, allgemein. läßt sich da nicht raten, lim so mehr kann ich - hier für das große Vertrauen danken, das dem Geschäftsführenden Ausschuß von vielen Kartellverbindungen entgegengebracht wird. Denn häufig genug kam ein Eilbrief nach Berlin geflogen: „Diese Woche sind Hochschulwahlen. Unsere bisherige Koalition ist zerfallen. Was ist zu tun?" Ich fürchte, der G. A. hat das ihm geschenkte Vertrauen meist schwer enttäuscht. Was übrigens kein Wunder ist. Denn er weiß über die hochschulpolitischen Verhältnisse an den meisten Hochschulen nur gerade das, was so hin und wieder mal in der Zeitung zu lesen steht, weil leider die K. V. K. V. ihn mehr als mangelhaft mit Berichten über hochschulpolitischen Fragen versorgen,- plötzlich kommt der Eilbrief mit der Bitte meist um telegraphischen Bescheid! Setzen Sie sich einmal in die Lage des bedauernswerten G. A.-Mitgliedes, dem der Fall zur schleunigen Entscheidung vorgelegt wird* und dem kaum Zeit bleibt, mit dem einen oder anderen Rücksprache zu nehmen. Denn, wenn er dies tun wollte, sicherlich würde die gesetzte Frist nicht eingehalten werden können. Es ist selbstverständlich, daß es dem Geschäftsführenden Ausschuß obliegt, die aufgetretenen Mißstände dieser Art abzustellen. Er ist nun einmal die Zentralinstanz, die den Einzelverbindungen mit Rat und Tat beizuspringen hat. Daß er dazu nur dann in der Lage ist, wenn er die Zustände an den einzelnen Orten wenigstens in großen Zügen übersehen und die Entwicklungen verfolgen kann, sollte für jeden klar sein. Daß andererseits die Verbindungen in ruhigen Zeiten nicht an den G. A. denken, ist ebenfalls wohl außer Zweifel. Deshalb hat der Geschäftsführende Ausschuß dem Breslauer K. C.-Täg einen Antrag vorgelegt, der eine Berichterstattung zu Beginn und Ende jeden Semesters. und bei außerordentlichen Anlässen den Verbindungen zur Pflicht macht. Freilich wird es nötig sein, daß die Verbindungen die Berichte auch so abfassen, daß man sich aus ihnen ein wirkliches Bild machen kann; sonst wird Leerarbeit geleistet, ohne daß dabei nur irgend etwas herauskommt. Sie glauben gar nicht, meine Herren Kartellbrüder, was dem Geschäftsführenden Ausschuß alles vorgesetzt .wird. So erfuhr er erst vor wenigen Wochen durch eine Notiz in einem jüdischen Blatte, daß die Kartellverbindung eines Ortes sich mit den Zionisten zusammengetan habe. Er forderte einen Bericht an und bat ihm die Gründe mitzuteilen und klarzulegen, welche anderen Gruppen auftraten, warum mit bestimmten Richtungen ein Wahlbündnis nicht eingegangen werde u.s.f. Die Antwort — kam zunächst überhaupt nicht. Und als sie dann nach Mahnung schließlich doch kam, so brachte sie die erschöpfende Mitteilung: ein Zusammengehen mit