KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 100 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268957-2268962--3233-3523748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 in Abrede stellen müßten, dieser Begriff also nur für die Nichtzionisten in der deutschen Judenheit Geltung hat. Mit Werner Cahnmann („Der Morgen", 2. Jahrgang, Nr. 3) lehnen wir den Nationalismus ab, „der uns den Völkern gleichmachen und unser Judentum alles jüdischen Sinnes entkleiden würde", mit ihm wollen „wir mit und unter den Völkern leben, auf das innigste mit ihnen verwachsen und verbunden, das Leidvolle solchen Verbundenseins als Schicksal tragend, ebenso wie die Bereicherung, die mit ihm verknüpft ist; aber doch als Juden sollen wir unter ihnen leben, ohne aufzugeben, und ohne uns so selbst unserer Wirkung auf sie zu berauben." Diese Art Judentum ist positiver Inhalt des K. C. Schon die alten Viadrinen empfanden ihre Sendung. Folgerichtig hat sich der K. C. entsprechend entwickelt. Kein Zufall ist es, daß auf dem Altherrentag in Bonn (1925) alle Redner verlangten, im K. C. solle das Jüdische mehr hervorgehoben werden, das Deuffche sei ihm immanent, also selbstverständlich, und bedürfe daher nicht der Betonung. Unbeeinflußt voneinander gaben sie alle zu gleicher Zeit dem gleichen Gedanken Ausdruck. Ihr Ruf fand Widerhall in gleichgesinnten Seelen. In gleicher Weise hatten sie sich alle entwickelt. In allen war das Jüdische erstarkt; alle erlebten es. So war das Verlangen nach stärkerer Betonung des Jüdischen in jenem Kreise vielleicht nicht mehr nötig. Und doch war die Wirkung gewaltig: ein jeder wurde sich bewußt, daß auch der andere den gleichen geistigen Weg genommen wie er selbst. Und der Umwelt wurde es klar: Das Jüdische ist da im K. C.l Er fühlt seine Sendung und ist gewillt, danach zu handeln. Ueberall gibt er seiner Weltanschauung Ausdruck. Ständig entwickelt er sich höher herauf, reißt Gleichdenkende, Gleichfühlende, Gleichgesinnte mit sich, führt sie und sich dem deutschen Judentum zu und erweist sich so als der unausschöpfliche Brunnen, aus welchem dem deutschen Judentum ständig neue gefftige Kräfte Zuströmen. III. Keine andere jüdische Akademikergruppe kommt hierfür noch in Betracht. Selbst ausgeschaltet haben sich die zionistischen Studenten und ihre Verbände, selbst ausgeschaltet die paritätischen Vereinigungen, für welche die jüdischen Probleme theoretisch zu lösende oder nicht zu lösende Aufgaben sind und bleiben müssen. Nicht in Frage kommt der einzelne Freistudent, nicht in Frage der einzelne jüdische Studentenverein wegen der geringen Mitgliederzahl. Nicht soll geleugnet werden, daß auch aus diesen Kreisen von Zeit zu Zeit große geistige Kräfte dem Judentum Zuwachsen; als Reservoir, das stetst neue Kräfte zutage fördert, können sie nicht gewertet werden. Diese Stellung ist allein dem K. C. Vorbehalten. Ernsthafte Menschen gibt es, die neue Vereinigungen gründen wollen, mit den gleichen Zielen, die der K. C. hat, ohne die Formen, die ihm eigen sind. Während aber der K. C. seinen Standpunkt im Jüdischen wie im Deutschen seit Jahrzehnten fest umgrenzt hat, sein Wesen ständig vertieft hat und jetzt eine geistige Bewegung sondergleichen im deutschen Judentum bildet — ihm sind die Formen Tradition; man soll sie ihm aber nicht rauben, will man nicht, daß mit der Form auch vielleicht ein Teil des Inhalts verloren gehe, —kann man die Entwicklung von Neubildungen nie vorherbestimmen. (Ich denke nur an die Gründung des V. 3. St. in Berlin!) Aber selbst wenn diese Gebilde sich so entwickeln wollten, wie ihre Väter es wünschen, sie könnten frühestens nach Jahrzehnten einen Einfluß auf das deuffche Judentum gewinnen, frühestens in der gleichen Frist ihm geistige Nahrung zuführen. Zurzeit fließt nur aus der Röhre des K. C. dem deutschen Judentum Hochquell zu. k. mcu KICWE VERSAND-BIKHHANDLUNG FÜR RECHT/-u.JTAATmWEN/tHAFT BERLIN JW68 FMEDMCHJTRAJJE 55 TEL' zcntiium £683j Verantwortlicher Redakteur: Dr. Hermann Berlar, Berlin. — Ber! Druck: D. Feilchenfeld. Bk Berlin SW 68, Lindenstraße 13.