Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 97 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268957-2268962--3230-3523745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

97 über, von dem man in der Welt weiß? Man wird im K. C. sich an diese Gedankengänge gewöhnen müssen, wenn man außerhalb der Hochschule da festen Fuß fassen will, wo man, wie die Ereignisse der letzten Jahre ja deutlich genug gezeigt haben, nur allzu oft Halt zu suchen sich gezwungen sieht. Ist dies die eine Seite, nach der sich eine K. C.- Politik herausbilden muß, so hängt die andere Seite untrennbar mit der eigentlichen Hochschul¬ oder richtiger Studentenpolitik zusammen. Auch, oder gerade hier, kann dem K. C. und dem K.C.er — dem jungen K. C.er in erster Linie — schwerer Vorwurf nicht erspart bleiben. Hochschulpolitik ist ein Wort, das auf den meisten Konventen nur mit Grauen gehört wird; was alles dahintersteht, welche Aufgaben dem K.C.er durch die Hochschulpolitik gegeben werden, das ist der großen Menge der Kartellbrüder völlig Hekuba. Nur einmal im Jahre ist jeder gezwungen, sich wenige Wochen mit der Hochschulpolitik zu beschäftigen: In der Zeit vor den Neuwahlen zum Asta nämlich. Der. Ruf: „Astawahlen!" dröhnt dann wie eine Kanonenschuß über eine friedlich ruhende Menschenmenge; jeder wacht erschreckt auf, jeder rennt geschäftig hin und her, und hin und wieder findet sich auch einer, der einen Ausweg weist. Denn mit Bedauern mußte es in den letzten Jahren oftmals festgestellt werden: die von den Kartellverbindungen begangenen Wege waren nur sehr selten zielgerichtet, waren in fast allen Fällen eben Auswege im technischen Sinne des Wortes, nur unter den vorhandenen das vermeintlich kleinste Nebel. — Vom Fuxen schon muß in den Verbindungen verlangt werden, daß er sich mit den Grundlagen des studentischen Lebens vertraut macht, daß er die Geschichte der studentischen Selbstverwaltung vom Würzburger Studententage bis zur unmittelbaren Gegenwart kennt, daß er über die studentenpolitischen Strömungen und Gruppierungen sich unterrichtet, daß er die landesrechtlichen Normen kennt, auf der die Selbstverwaltung seiner Hochschule beruht, daß er die Verfassung seiner Studentenschaft beherrscht und über Satzung und Arbeit der „Deutschen Studentenschaft" und ihrer hauptsächlichsten Aemter Bescheid weiß. Die K. C.- Blätter können ihm zwar hin und wieder das wichtigste, meist nur kurz angedeutet, zeigen, eine einigermaßen lückenlose Nebersicht erlangt er nur, wenn er mit gewisser Regelmäßigkeit die Zeitschriften und Mitteilungsblätter der Studentenschaften und Verbände durchsieht. Daß es am idealsten wäre, wenn er sich ein bis zwei Semester lang praktisch in der Selbstverwaltungsarbeit betätigte, wird wohl niemand Verkennen, wie aber, andererseits auch niemand verkennen wird, daß dies kaum jemals und irgendwo durchführbar sein wird. Welche Aufgaben hat nun der K. C.er, Me nicht auch zugleich Aufgaben jeden anderen Studierenden sind» in der Hochschulpolitik zu erfüllen? Daß auch hier der Tendenzparagraph angezogen wird, wird niemanden in diesem Kreise wunder nehmen. Die Bekämpfung des Antisemitismus in der Studentenschaft! Das heißt in erster Linie einzutreten für die Grundsätze der Verfassung, daß jeder Deutsche vor dem Gesetze gleich ist, und daß unbeschränkte Lehr- und Lernfreiheit besteht. Das heißt, darüber zu wachen, daß bei Zulassung von Ausländern zur Studentenschaft nach gleichem Maß gemessen wird, und zwar ebensowohl bereits bei der Setzung der Normen, wie auch bei der Durchführung in der praktischen Verwaltung. Wenn durch die neue badische Verordnung, wenn durch den jüngsten , Beschluß des preußischen Landtagsausschusses der bevorstehende Bonner Studententag sich mit gerade der letztgenannten Frage befaßt sehen wird, so wird es selbstverständliche Pflicht jedweden Kartellbruders sein, die dortigen Debatten und Beschlüsse genau zu beobachten. Sind dies. einige der großen Gedanken» die der K. C.er durchzuführen die Aufgabe hat, so wirft sich die Frage auf, wie sich die Durchführung in der Praxis nun eigentlich gestaltet. Die Zeiten» in denen sich jede einzelne Astasitzung mit den abstrakten Fragen befaßt hat, sind ja heute Gott sei Dank vorüber! Man wird also hinein müssen in die Selbstverwaltungskörper und in ihnen nicht nur so Mitarbeiten, wie man eben bei solchen Aemtern zu arbeiten pflegt, sondern sich in die Aufgaben, die geboten werden, hineinknien mit all der zu Gebote stehenden Energie. Man wird den Bundesbrüdern, die draußen stehen, genau und regelmäßig berichten müssen. Aber auch die Verbindung als solche hat Aufgaben zu erfüllen. In einer Zeit, in der die Einladungen zu akademischen Feiern und dergleichen über die Studentenschaften geleitet zu werden pflegen, wird sie darauf zu achten haben, daß ihr die Ehre, die ihr zukommt, nicht geschmälert wird. Dieser Punkt hochschulpolittschen Charakters, — denn er ist längst kein Jnternum der Korporationen mehr — ist nun allerdings von den Kartellverbindungen durchgehend erkannt worden. Hier hat man sich überall dahintergeklemmt und mit Energie sein Ziel zu erkämpfen gesucht. Ich bitte, mich aber nicht falsch zu verstehen, wenn ich trotzdem sage: Leider! Man hat nämlich oftmals hierüber die großen Hauptsachen vergessen. Man wußte nicht mehr, daß es uns nur darum ging, eine taktische Stellung zu erobern, von der aus der Kampf weiter getragen werden sollte.. Man war ftoh, wenn man die Stellung erobert oder — verzeihen Sie das harte Wort — erhandelt hatte, oder sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.