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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 96 (sequence 38)
Language
German
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96 K. C - und HochfchulpoLMk. Referat zum Frankfurter Vortragszyklus. (24. Jult 1926.) Von Hans Lennhof Bei einer Veranstaltung in Frankfurt, der Stätte hoher politischer Tradition, lag es für den Geschäftsführenden Ausschuß nahe, polittsche Themata für die Vorttäge zu wählen. Sie dürfen aber überzeugt sein, daß nicht nur die äußere Veranlassung dazu bewogen hat. Lange schon haben weite Kreise des Verbandes, und zwar in erster Linie jüngere Kartellbrüder, mit Besorgnis gesehen, daß der K.C. dem Zuge der Zeit nicht gefolgt ist. Man denke bei diesen Worten nicht etwa an Fecht- und Farbenfragen, sondern lediglich an die Einstellung des Verbandes im ganzen, wenn man sie im Verhältnis zur gesamten Umwelt betrachtet. Die Tendenz des K.C., in erster Linie Bekämpfung des Antisemitismus an den deutschen Hochschulen, ist evihent polittsch. Zur Erreichung eines politischen Ziels bedient man sich aller honorigen Mittel, die zur Verfügung stehen. Es ist kein Zweifel, daß die alle. Viadrina kein besseres Mtttel wählen konnte, als den Säbel. Es ist aber ebenso unzweifelhaft, daß mit dem Säbel heute kein Zentimeter Weges gewonnen wird. Daß der K.C. dies erkannt und gleichzeittg auch ein anderes, ihn weiterbringendes Mittel gefunden hat, bedarf heute, am Vortage des sechsten Verbandssportfestes, keiner Erwähnung. Wohl aber muß gesagt werden, — und zwar laut und eindringlich gesagt werden, — daß der K. C. es bis jetzt nicht verstanden hat, die Möglichkeiten auszuwerten, die ihm die Polittsierung des deutschen Volkes, der Studentenschaft im besonderen, gegeben hat. Er hat nicht erkannt — oder, wenn er es erkannt hat, wenigstens nicht nach dieser Erkenntnis gehandelt —, daß er mit seinen 2000 Mttgliedern eine Macht darstellt. Der Gesamtverband, wie auch die Mehrzahl seiner Korporationen haben sich noch nicht als Masse fühlen, werten und vor allem gebrauchen gelernt. Gewiß sind einzelne, man kann sagen, tastende Versuche in dieser Richtung gemacht worden. Man denke etwa an die große K.C.-Kundgebung im Berliner Herrenhause im vergangenen Winter. Es fehlte aber bei alledem eine feste Zielsetzung, ein einheitlicher Wllle und möglicherweise die rechte Begeisterung. Ist es notwendig, das Verlangen nach politischem Denken und Handeln im K. C. zu rechtfertigen? Genügt es nicht, auf die ungeheuren Erfolge anderer Verbände hinzuweisen, die namentlich in den letzten Jahren in gef (SU.,- Spr., Rh.-Pal.) radezu bewundernswertes Geschicklichkeit politische, nicht parteipolitische, Wege mit polittschen Mttteln verfolgt und trotzdem, oder gerade deshalb, ihren Charakter als studentische Korporaiton nicht nur behalten, sondern verstärkt hat? Lesen Sie in der Tagespresse jemals etwas über den K. C.? Außer unwahren Fridericus-Berichten über die leidige Freiburger Affäre und außer einem reizvollen Bericht über den Bonner K.C.-Tag im „Völkischen Beobachter" erinnere ich mich eigentlich kaum an etwas. Und sehen Sie sich daneben die Berichte über die Tagungen anderer Verbände an! Nicht sehr viel jedesmal, aber gerade genug, um aufmerken zu lassen, um Behörden, Philister, Studenten und, was ich nicht zu vergessen bttte, um Pennäler und Keilfüxe immer wieder an den Verband zu erinnern. Man steht im K. C. immer noch auf einem Standpunkt, der vor zwanzig Jahren der allein richtige war. Damals faßte man Verbands¬ und Sttftungstage mit vollem Recht ^als Familienfeste auf; wie lächerlich hätte sich auch das Häuflein der wenigen Hundert gemacht, wenn es sich wichtigtuerisch in die Oeffentlichkeit gedrängt hätte! Wenn der Verband der Zweitausend sich heute aber still zurückhält, dann — man wird es in aller Deutlichkeit aussprechen müssen — dann vergibt er sich etwas, und dann gerät er unter den neuen Umständen gerade durch seine Zurückhaltung allzuleicht in die Gefahr der Lächerlichkeit. Denn wann, meine Herren Kartellbrüder, tritt der Verband einmal aus seinem Dunkel mehr oder minder zaghaft ans Licht hervor? Die Hochschulbehörden wissen zwar meist vom K. C. durch die ja an den meisten HochsHulen üblichen Einladungen des Rektors zu Stiftungsfesten und dergleichen. Alle anderen Organe des öffentlichen Lebens sehen ihn aber, wenn überhaupt, nur in Abwehrstellung, bittend oder drohend: „Hier oder da ist uns unrecht geschehen! Mach' es wieder gut!" — Der Verband muß nun einmal mit solchen Fällen rechnen, bei denen er behördliche Hilfe braucht. Glauben Sie nicht alle, meine Herren Kartellbrüder, daß solche Hilfe viel bereitwilliger, viel wirkungsvoller dem geleistet wird, den man kennt? Ich zweifle nicht daran, — und manch Beamter manchen Ministeriums hat es in angeregtem Gespräche mir bestätigt. Glauben Sie nicht auch, daß ein Angriff auf einen kleinen Gegner, den ja doch niemand kennt, und nach dem ja kein Hahn kräht, viel eher, viel gewissenloser geübt wird, als einem Gegner gegen-

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