KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 92 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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aus Arbeitern und Angestellten zusammensetzen, so begreift man, daß der Drang nach hygienischer Lebensweise nicht erst in dieser Generation entstanden ist, sondern daß er auch in ihren Vätern ruhte, aber erst jetzt nach Fortfall der äußeren Hemmungen zum explosiven Ausbruch kommen konnte. (In England, das ja schon vor dem Kriege eine wesentlich bessere Lage der Arbeitnehmer hatte, war daher auch schon längst der Sport Allgemeingut des Volkes geworden.) Daß daneben noch andere Einflüsse mitgewirkt haben, wie Aufhebung der Dienstpflicht, Gewohnheit an sportliche Leistungen im Felde u. a. m., soll nicht bestritten werden; als wesentlich und bahnbrechend aber muß die Verbesserung der sozialen Lage angesehen werden, die ja der breiten Masse erst die Möglichkeit verschaffte, ihre freie Zeit nutzbringend anzuwenden. Anders lagen die Dinge nun in der deutschen Studentenschaft. Dort hätten zweifellos schon vor dem Kriege die sozialen Verhältnisse eine weitgehende sportliche Betätigung gestattet. Und doch sind nur ganz unbedeutende Ansätze dazu gemacht worden; denn das Fechten kann in hygienischer Beziehung kaum als Sport gewertet werden. Aber der ganze traditionelle Ballast an Pauk-, Trink- und Couleur-Komment, den die doch zumeist in Verbindungen zusammengeschlossenen Studenten mit sich herumzuschleppen hatten, verhinderte das Aufkommen einer die ganze Lebensweise beeinflussenden Anschauung. Es soll hier durchaus nicht der Wert und die Schönheit des studentischen Verbindungslebens geleugnet werden, aber auch seine unbedingtesten Anhänger werden zugeben müssen, daß sein in starre Formen gepreßter Geist einer lebendigen Entwicklung nicht gerecht werden konnte. So mußte es auch geschehen, daß der Hochschulgeist sich dem Volksleben immer mehr entfremdete und, auch schon vor dem Kriege, geradezu im Gegensatz zum Vollsgeist stand. Wie weit diese Entfremdung ging, zeigte sich nach dem Umsturz in der Verständnislosigkeit, mit der die akademische Jugend sich der politischen Umwälzung gegenüber verschloß. Es ist eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte der deutschen Studentenschaft, daß sie, die ihre innere Tradition gerade als Führerin an die Spitze aller freiheitlichen Ideen hätte stellen müssen, aus dem starren Festhalten an äußerer Tradition heraus die Hüterin reaktionärer und überlebter Ideale werden mußte. So konnte denn auch im Sportleben die -akademische Jugend nicht die führende Rolle spielen, die ihr eigentlich ihrer ganzen Vorblldung nach zugestanden hätte. Natürlich hat der Sport auch in der Hochschule seinen Einzug gehalten, er bildet heute einen wichtigen Bestandteil des akademischen Lebens; auch beachtliche Rekordleistungen sind von Einzelnen erreicht worden. Aber eine solch einschneidende Aenderung der Lebensweise, wie in den anderen Volkskreisen, hat er hier nicht gezeigt, und dafür eben ist das Verbindungsleben mit seinen starren, überlieferten Formen verantwortlich zu machen. Der K. C. hat am eigenen Leibe erfahren müssen, welcher Konflikt dem Verbindungsleben aus der Ideenwelt der neuen Zeit erwächst. Wir, die wir aus unserer ganzen Einstellung zur Umwelt heraus die politische Umgestaltung bejahen konnten, mußten den Weg suchen, der aus der etwas staubigen Romantik des Studentenwesens zu der neuen Weltanschauung führt, und was an inneren Kämpfen die Nachkriegszeit dem K.C. gebracht hat, ist wesentlich durch diesen Konflikt bedingt. Wir stehen noch mitten in diesen Kämpfen, aber es scheint, als sähe man.jetzt schon, wohin der Weg führt. So setzt denn auch in unserem Verbände gleich nach dem Kriege der Sport ein und gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Natürlich wird er noch eine ganz andere Rolle spielen müssen, wenn er wirklich als Ausdruck einer neuen Lebensauffassung gewertet werden soll; aber wenn einmal alle Hemmungen gefallen sind, die durch das Aufgeben gewisser Formen überwunden werden müssen, wird die Entwicklung diesen Weg gehen, und es wird sich zeigen, daß auch ein solches Verbindungsleben viel Schönes und Wertvolles zu geben imstande ist. In dieser Entwicklung sehen wir aber auch die Erlösung von jenem Nebel, das in der deutschen Studentenschaft zu bekämpfen, von jeher unsere vornehmste Aufgabe war, vom Antisemitismus. Es weht eine andere Luft auf dem Sportplatz als im Kneip- oder Fechtlokal, und wenn es eines Beweises bedarf, daß der Sport nicht nur eine hygienische Leibesübung, sondern auch Ausdruck einer freiheitlicheren und' vorurteilsloseren Lebensauffassung ist, so sei es die Tatsache, daß der Antisemitismus im Sportleben zwar nicht unbekannt ist, daß er aber in dessen reiner Luft nicht gedeihen, nicht zur Macht gelangen kann, und es ist interessant, zu beobachten, daß selbst die als reaktionär bekannten Rudervereine, in denen die wildesten Antisemiten eine führende Rolle spielen, und die aus alter . Ueberlieferung her keine Juden aufnehmen, ganz andere Umgangsformen jüdischen Vereinen gegenüber zeigen, als es die betreffenden Senioren von ihrem Corps her gewöhnt sind. So ergibt sich für uns die Pflicht, den Sport nicht nur innerhalb unseres Verbandes zur