KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 90 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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90 einmal genau informieren, ehe sie ihre Mißfallensäußerungen veröffentlichen. Ans allen Veröffentlichungen, offiziellen und offiziösen, der D. St. und ihrer Mehrheit, die 'feit Prag erfolgten, spricht diese mangelnde Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Es ist ein merkwürdiger Brauch, sich öffentlich über Interna eines Kongresses zu äußern, an dem man nicht teilgenommen hat. Auch die Gehässigkeit, mit der die Herren der D. St. mich wegen meiner Teilnahme an dem Prager Kongreß angreifen, erklärt sich vielleicht zum Teil aus dieser Unkenntnis. Denn ich will nicht annehmen, daß man wider besseres Wissen Behauptungen aufstellt, nur um einen politischen Gegner in der Öffentlichkeit schlecht zu machen. Es ist richtig, Daß ich als Vertreter der F. IX.1. *) an den Kommissions-Sitzungen des Prager Kongresses als Zuhörer teilgenommen habe, es ist aber auch richtig, daß ich daraus verzichtet habe, Ausführungen des ungarischen Vertreters Guljas, dem die D. St. anscheinend die Vertretung ihrer Interessen übertragen hatte, richtig zu stellen, obgleich er die Verhältnisse innerhalb der deutschen Studentenschaft in einer Weise schilderte, die vielleicht den Mitteilungen und Ansichten seiner deutschen Vertrauensleute entsprach, nicht aber dem tatsächlichen Zustande, den der einseitig informierte Herr Guljas natürlich nicht kennt. Man sieht, warum der Vorstand der D. St. sich grundsätzlich hütet, Ausländer in Deutschland mit den furchtbaren Minderheitlem in Verbindung zu bringen, und warum er nervös wird, wenn einmal ein Minderheitler sich durch eigene Anschauung über die Verhältnisse in der CIE. informiert. Der Vorstand der D. St. hat ein vitales Interesse daran, seine „Außenpolitik" mit einem undurchsichtigen Schleier zu umgeben. Darum muß die Phrase vom „Dolchstoß" und die unwahre Behauptung der Gefährdung der nationalen Solidarität heran, wenn sich jemand, wie per Verfasser, daran macht, diesen Schleier zu lüften. Eine Zerreißung des Schleiers gebietet aber das allgemeine deutsche Interesse, das auch eine Eingliederung der Deutschen Studentenschaft in die Internationale Studentenbewegung verlangt, sobald den Deutschen dort eine Stellung gesichert ist, die der Würde Deutschlands als einer anerkannten Großmacht entspricht. Niemand wird heute den deutschen Studenten diese Stellung versagen, wenn sie sie einzunehmen wünschen. Zweifelhaft erscheint es mir daher, ob es der Würde Deutschlands und seinen nationalen Interessen entspricht, daß seine Studenten noch länger abseits stehen. Hält der Vorstand der *) Federation universitaire internationale pour la societe des nations, der Zusammenschluß der studentischen Völkerbundsligen. D. St. es wirklich für sehr würdig, daß er sich im Frühjahr dieses Jahres infolge seiner 'Abstinenzpolitik gegenüber der C3E. gezwungen sah, die Kommission für intelektnelle Zusammenarbeit beim Völkerbund um eine Einladung zu einer Konferenz der großen internationalen Studentenverbände zu bitten, in der Hoffnung, daß -diese Bitte, mit Rücksicht ans den bevorstehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, schon nicht abgelehnt, würde? Solches Verhalten schadet dem nationalen Ansehen, nicht aber eine offene Erklärung, da ßman .zur Mitarbeit bereit sei. Herr Frank, Aeltester der D. St., schreibt in einem Artikel in der „Deutschen Akademiker- Zeitung", der zeigt, daß Alter und Weisheit nicht immer beieinander sind, nur die C3E. habe ein Interesse an der Mitarbeit der D. St., während die D. St. auch ohne C3E. ihre Auslandsarbeit leisten könne. Daß die C3E. ein Interesse' an der Mitarbeit der D. St. hat, ist in Prag ganz offen ausgesprochen worden, daß das Interesse der D. St. gleich groß ist, weiß jeder, der mit den Verhältnissen einigermaßen vertraut ist. Wem glaubt Herr Frank durch seine Lächerlichkeiten zu imponieren? «'Auch die Behauptung Franks, die Amerikaner seien ab gereist, weil sie die Politik der C3E. gegenüber der D. St. nicht billigen könnten, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. Ich will daraus verzichten, weitere Einzelheiten des Frankschen Artikels" zu widerlegen. Ich erwähne diesen Artikel überhaupt nur, weil er eine ausgezeichnete Illustration für die Art und Weise ist, in der die Herren von der D. St. Auslandsarbeit leisten zu können glauben. Entschließen sich sich nicht bald zu einer Umkehr, so wird die D. St. auf dem Gebiet der Auslandsarbeit ebenso Schisfbruch leiden, wie sie auf so manchen anderen Gebieten schon Schisfbruch gelitten hat. Es ist schmerzlich zu sehen, daß die D. St. im Begriff steht, sich die anerkannte Stellung zu verderben, die ihr die meist ruhige und überlegte Politik Malter Zimmermanns verschafft hatte. Ich glaube, daß die Herren von der D. St. selbst erkennen, daß sie sich aus dem absteigenden Ast befinden, und erkläre mir zum Teil hieraus ihre lebhafte Abneigung gegen die Arbeit der „Zentralstelle für die studentische Völkerbundsarbeit in Deutschland". Diese Organisation, die bisher ausschließlich von Minder.heitlem getragen wird, hat bewiesen, daß deutsche Studenten in einer internationalen Organisation mit« arbeiten können, ohne auch nur einen Deut deutschen Ansehens und deutscher Würde zu opfern. Es mag sein, daß die Arbeit in der „Federation universitaire internationale pour la so-