KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 89 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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89 die materielle als die formelle Regelung der Sprachenfrage den Stein des Anstoßes bildete, ein Umstand, der wohl darauf hinweist, daß taktische Fehler hier eine erhebliche. Rolle gespielt haben müssen. Da also der Versuch eines Ausbaus des Warschauer Arbeitsabkommens gescheitert war, blieb es eine offene Frage, ob damit auch das Warschauer Abkommen in seinem früheren Umfange erledigt war. Die C3E. ließ die D. St. wissen» daß man zur Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft auf der freilich schmalen Warschauer Basis bereit sei. Die D. St. lehnte ab. Durch eine zur Vermittelung höchst qualifizierte Stelle wurden der D. St. Anregungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen übermittelt. Das Auslandsamt der D. St. verhielt sich ablehnend. Es war der Ansicht,, daß die Entscheidung durch den Bonner Studententag getroffen werden müsse. Der Bonner Studententag sprach sich einstimmig dahin aus, daß eine erneute Annäherung an die C3E. wünschenswert sei; über die Wege zu dieser Annäherung schwieg er sich aus. Auch heute weiß man -noch nicht, wie der neue Vorstand der D. St. den einmütigen Wunsch des Studententages zu erfüllen gedenkt. Eine erste Einladung, Vertreter zu dem diesjährigen Kongreß der C3L. nach Prag zu schicken, ließ die D. St. unbeantwortet, eine zweite Einladung lehnte sie ab. So lagen die Verhältnisse als im August der Conseil der C3E. in Prag zusammentrat. Die D. St. war tqeder offiziell noch inoffiziell vertreten. Trotzdem, vielleicht sogar infolgedessen, bildete die deutsche Frage einen Mittelpunkt der Beratungen und des 3nteresses. Die Veröffentlichungen der Deutschen Studentenschaft und des Leiters ihrer Außenpolitik, die nach der Prager Tagung erfolgten, zeigen, daß für die Vertreter der D. St. eine Teilnahme am Prager Kongreß nicht nur ehrenvoll, sondern auch von Gewinn hätte sein können. Die Stimmung in Prag läßt sich vielleicht am besten dahin zusammenfassen: alle Beteiligten erkannten, daß eine Einigung mit der D. St. sür die Zukunft der C3E. von sehr großer Bedeutung sei, eine starke Mehrheit war bereit, unter Verzicht auf jegliche Prestige-Politik der D. St. weit entgegenzukommen und bedauerte, daß es infolge des Fehlens einer deutschen Vertretung nicht möglich war, unter den günstigen Ausspizien der Prager Tagung ein endgültiges Abkommen zu fixieren, eine kleine Minderheit mag sich aus dem gleichen Grunde über das Fehlen der deutschen Vertretung gefieut haben. Das Ergebnis der Prager Tagung in dem hier interessierenden Punkt war folgendes: Für die Sprachenftage akzeptierte man die bereits in Bordeaux vorgesehene, oben erwähnte Lösung, jedoch mit der Erweiterung der Resolution dahin, daß außer der englischen, fianzösischen und deutschen Sprache eine slawische Sprache unter den nach Möglichkeit zu gebrauchenden Sprachen aufgezählt wird. Es ist klar, daß der Vorschlag von Bordeaux dieser Regelung schon seiner größeren Einfachheit wegen vorzuziehen ist. 3ch zweifle auch nicht, daß eine Aenderung des Vorschlages von Bordeaux nicht stattgefunden hätte, wenn D. St. und C3E. sich rechtzeitig auf dieser Basis geeinigt hätten. 3mmerhin ist es ein erfreulicher Fortschritt, daß die Sprachenfrage in Zukunft aus den Diskussionen der C3E. ausscheiden kann, und vom deutschen Standpunkt ist es lebhaft zu begrüßen, daß die deutsche Sprache gleichberechtigt neben die englische gestellt worden ist. Darin liegt für Deutschland ein moralischer Erfolg, der aber wohl weniger eine Folge der Tätigkeit der D. St. als der durch die konsequente Verständigungspolitik Deutschlands geschaffenen Atmosphäre ist.. Zur Frage der Zusammenarbeit C3E.-D. St. wurde in Prag in einer Entschließung festgestellt, daß die C3E. diese Zusammenarbeit wünsche, den Abbruch der Verhandlungen bedauere und keine von der D. St. gebotene Gelegenheit zur Wiederaufnahme der Verhandlungen Vorbeigehen lassen wolle. Es muß festgestellt werden, daß diese Entschließung einstimmig angenommen wurde, da ein von dem Leiter des Auslandsamtes der D. St., Dr. Vogel, in der D. A. Z. und zahlreichen studentischen Blättern veröffentlichter Artikel den Anschein erweckt, als sei die Annahme nur mit einer Stimme Mehrheit erfolgt. Tatsächlich scheint Herr Dr. Vogel sich nicht nur in formaler Beziehung in einem bedauerlichen 3rrtum über diesen Beschluß zu befinden, sondern auch die materielle Bedeutung und die Gesinnung dieses Beschlusses zu verkennen. Denn nur bedauerliche Unkenntnis der tatsächlichen Vorgänge kann es allenfalls entschuldigen, daß der verantwortliche Leiter der Auslandsarbeit der Deutschen Studentenschaft diesen Beschluß als einen Afftont gegen Deutschland bezeichnet. Wer den Verhandlungen in Prag beigewohnt hat, weiß, daß die Formulierung „ocea^on Offerte par la Deutsche Studentenschaft" die zunächst in Aussicht genommene Formulierung „proposition Offerte par la D. St." ersetzt hat, und daß dieser Ersatz nach längeren Verhandlungen gerade auf Wunsch der englischen Delegation vorgenommen wurde, da man glaubte, hierdurch der D. St. ein Einlenken erleichtern zu können. Es ist bedauerlich, daß man auf seiten der Leiter der D. St. bewußt oder unbewußt jeden vorsichtigen Versuch der Gegenseite, zu einer Annäherung zu kommen, niedertritt. Die Herren würden der deutschen Sache besser dienen, wenn sie sich erst