KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 88 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Studentische Außenpolitik. Von Refr. Hans Hellmuth Preutz. Vorbemerkung der Schriftleitung: Wir haben einen Außenstehenden, als Den wohl besten SachkennerDieser Materie, um diesen Aufsatz gebeten, um unsere Leser über diese außerordentlich wichtige Seite Der Lochschulpolitik sachgemäß zu unterrichten, ohne uns selbstverständlich in allem mit ihm zu identifizieren. Wie das Jahr 1926 für die offizielle Außenpolitik Deutschlands ein Jahr erster positiver Erfolge zu -werden scheint, scheint es für das, was man gemeinhin „Außenpolitik der Deutschen Studentenschaft" nennt, ein Jahr verpaßter Gelegenheiten werden zu sollen. Vielleicht ist es möglich, daß eine starke Aktivität zielbewußter Kräfte es erreicht, auch für die offizielle Auslandsarbeit Der „Deutschen Studentenschaft" noch in diesem Jahr einen positiven Erfolg zu erreichen. .Freilich lassen die letzten Verlautbarungen des neuen Vorstandes der „Deutschen Studentenschaft" solchen Hoffnungen wenig Raum. Ls scheint fast, als wolle dieser Vorstand die Politik der „splenckici isolation“ treiben, oder ist es vielleicht gar keine Politik, was er treibt? Seit 1919 besteht die „Conkeckeration internationale Üe8 Ltuäiants" als Zusammenfassung studentischer Rationalverbände. Diese Organisation lehnte in den ersten Jahren ihres Bestehens eine Zusammenarbeit mit der „Deutschen Studentenschaft" schroff ab, erkannte aber nach einiger Zeit, daß sie ihre Aufgaben nur schlecht erfüllen Wnne, wenn man die deutschen Studenten von jeder Mitarbeit auf die Dauer ausschlösse. Anregungen von. „neutraler" Seite, die darauf abzielten, eine Annäherung zwischen C3E. und D. St. herbeizusühren, fielen daher von 1922 ab auf fruchtbaren Boden: Man begann über die Möglichkeit der Zusammenarbeit der beiden Organisationen zu verhandeln. Äm Verlauf dieser Verhandlungen erkannte man aber auch, daß in absehbarer Zeit ein Eintritt der D. St. in die CIE. unmöglich sei,' ist doch in den Satzungen der CIE. für deren Mitglieder die nationalstaatliche Organisationsform vorgeschrieben, während die D. St. auf ihre über die staatlichen Grenzen hinausgehende, auf dem völkischen Prinzip aufgebaute Organisation entscheidendes Gewicht legt. Vernünftigerweise führte diese Erkenntnis die beiden Organisationen zunächst dazu, die Zusammenarbeit, die auf dem Wege der Mitgliedschaft nicht herbeigeführt werden konnte, durch eine Arbeitsgemeinschaft zu ermöglichen. Die D. St. entschloß sich im Herbst 1924, allerdings erst unter dem von verschiedenen Seiten auf sie ausgeübten Druck, einer Einladung der CIE. folgend, Vertreter zum Warschauer Kongreß der CIE. zu entsenden. Man einigte sich in Warschau auf ein Arbeitsübereinkommen, das für beide Organisation befriedigend zu sein schien. Vertreter der D. St. sollten an den Beratungen der C3E. teilnehmen und an die Lösung einer großen Anzahl von Aufgaben wollte man gemeinsam Herangehen. Es war selbstverständlich, daß diese Arbeitsgemeinschaft, deren vertragsmäßige Grundlage nur grob umrissen war, sich nur dann erfolgreich auswirken konnte, wenn beide Parteien sich vom besten Willen leiten ließen. Ob dies Erfordernis immer erfüllt worden ist, soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls empfand die D. St. etwa nach einem Jahre das Bedürfnis, genauerer Fixierung. Begründend wurde angeführt, daß aus dem Kopenhagener Kongreß von 1925 verschiedene Fragen, insbesondere die Sprachen-Frage, die Zusammenarbeit erschwert hätten. Auch in der Exekutiv-Komitee-Sitzung der CIE. in Bordeaux diskutierte man über diese Fragen und die C3E. schlug folgende Lösung der Sprachen-Frage vor: während bisher satzungsgemäß Englisch und Französisch die offiziellen Sprachen Der C3E. waren, sollte in Zukunft nur die ftanzösische Sprache Protokollsprache bleiben, alle anderen Sprachen aber als Verhandlungssprachen gleichmäßig zugelassen werden. Da man sich klar war, daß diese Regelung aus den Beratungen der C3E. leicht einen Turmbau von Babel machen könnte, sah man als Ergänzung eine Resolution vor, durch die die Delegierten auf CJE.-Tagungen ersucht, werden sollten, sich nach Möglichkeit der französischen, englischen oder deutschen Sprache zu bedienen. Dieser Lösungsvorschlag befriedigte keine der beteiligten Parteien ganz, aber man fand vorerst auch keinen besseren. Einige andere Fragen, die von der D. St. aufgeworfen waren, wie Vertretung und Abstimmung der D. St. in den Kommissionen und Organen der C3E., Vertretung der D. St. bei internationalen Veranstaltungen außerhalb der C3E., erschienen zwar schwierig aber nicht unlösbar. Zur endgültigen Bereinigung dieser Fragenkomplexe lud die D. St. das Exekutiv-Komitee der C3E. nach Stuttgart zu einer gemeinsamen Beratung mit dem Hauptausschuß der D. St. ein. Diese Beratung, die im Frühjahr 1926 stattfand, führte die beiden Parteien nicht zueinander, sondern auseinander. Es ist bekannt, daß es zu einem schroffen Bruch kam, da eine Einigung über die Sprachenfrage nicht erzielt werden konnte, während über die andern fünf von der D. St. aufgestellten Forderungen ein Uebereinkommen erreicht war oder doch in greifbarer Nähe stand. Es ist wichtig, festzustellen, daß weniger