KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 87 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer Führer. Eine Anzahl der Persönlichkeiten, die der „Arbeitsgemeinschaft" nahe stehen, sind. zweifellos geistig bedeutend, ich nenne nur Namen wie Geheimrat Seeberg, Wilhelm Wundt, Othmar Spann, Stapel, -Brunstaedt, Spahn u. a. Diese Männer sind aber, mit Ausnahme von Martin Spahn, an der Führung der Bewegung fast gar nicht beteiligt. Bereits im zweiten Jahre liegt jetzt die Führung bei der „Vaterländischen Vereinigung Alter Akademiker des Wuppertales", einer kleinen lokalen Provinzorganisation, deren Leitung also die organisatorische und politische Spitze der Bewegung bildet. Die Vorstandmitglieder dieser Vereinigung, einige der größeren Oeffentlichkeit noch völlig unbekannte Herren aus Elberfeld und Umgegend, scheinen sich aber sehr in der Rolle der geistigen Führer des deutschen ' Akademikertums zu gefallen, nach ihren Reden zu schließen, stehen sie dauernd unter „nationaler Hochspannung". Diese Reden sind ein Sammelsurium ödesten Kraftmeiertums und belanglosester Alltäglichkeiten, nur selten erhellt von dem Blitz, eines originellen Gedankens. Diese Tatsache entgeht auch urteilsfähigen Anhängern der Bewegung nicht. Dies zeigte mir vor allem ein Gespräch mit einem Berliner Delegierten zum Elberfelder Akademikertag. Obwohl dieser Herr ein Angehöriger der völkischen Mehrheit ist, gab er mir doch, über die Bewegung manchen wertvollen Aufschluß. Er betonte dabei ausdrücklich, daß er an sich der Bewegung sympathisch gegenüber gestanden hätte, der Potsdamer Akademikertag habe ihm wegen seines hohen geistigen Niveaus ein Erlebnis bedeutet, das geistige Banausentum, das die Elberfelder Tagung beherrschte, hätte ihn und seine Freunde jedoch veranlaßt, sich von der Bewegung zurückzuziehen. Er bestätigte mir übrigens meine Auffassung, daß die treibende Kraft der Bewegung in dem H. R. und seinen Führern zu erblicken sei. 2n der geistigen Unzulänglichkeit eines überwiegenden Teils der heutigen Führer scheint also eine weitere Gefahr für die Bewegung zu liegen?) Als Abschluß dieser Betrachtung wäre eigentlich eine Würdigung der allgemeinen Bedeutung der Bewegung geboten?) Eine solche Würdigung wird aber erst möglich sein, wenn man Gelegenheit gehabt hat, eine Zeitlang das Wirken der Bewegung 8) Nach Abschluß dieser Betrachtung erscheint in dem neuesten Lest der V. C. Rundschau (v. 1. Oktober 1926) eine Betrachtung von Studienrat Klee, die manchen interessanten Aufschluß über den gegenwärtigen Stand der Akademikerbewegung gibt. Wir erfahren dort, daß trotz der größten Propaganda die Ausbreitung der Akademikerbewegung hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Zwar sind eine Reihe neuer Ortsgruppen entständen, aber im allgemeinen muß das Wachsen der Bewegung als schwach bezeichnet werden. Wir hören zu verfolgen. Immerhin kann heute schon gesagt werden, daß die Zusammenfassung vieler bisher miteinander disharmonierender oder nur in loser Verbindung miteinander stehender Telle der wohl wichtigsten deutschen Volksschicht auf der neutralen Plattform sehr zugkräftiger Grundgedanken ein sehr wirksames und deshalb gefährliches Mittel zur planmäßigen völkischen Infizierung dieser Volksschicht darstellt. Am zweckmäßigsten wird eine solche Bewegung wohl ohne Zweifel von einer Organisation bekämpft werden können, die nach den gleichen Prinzipien aufgebaut, nur nach entgegengesetzter Richtung tätig wird, also von einem Zusammenschluß aller nichtvölkischen Akademiker, wie ihn der „Bund" Vereinigung freiheitlicher Akademiker erstrebt. Wenn alle freiheitlichen Akademiker, Korporierte und Freistudenten, insbesondere auch die alten und jungen K. C. er, sich ihrer Pflicht zur Mitarbeit in dieser neuen Organisation bewußt werden, dann ist zu hoffen, daß in ihr eine wirksame Waffe zur Bekämpfung der völkischen Akademikerbewegung erwächst. Unabhängig davon wird man die Entwicklung und das Wirken der Bewegung ständig verfolgen müssen, um im geeigneten Augenblick in der Lage zu sein, die deutsche Oeffentlichkeit über den wahren Charakter dieser angeblich „neutralen" und „unpolitischen"- Akademikerbewegung aufzuklären. dort weiter, daß es auch in Bezug aus die Finanzierung der Bewegung „denkbar schlecht" steht. Trotz großer Anstrengungen, man hat einen schwülstigen Ausruf an die Attherrenschast der einzelnen studentischen Verbände gerichtet, wurden keine nennenswerten Erfolge erzielt, auch die Beiträge der Mitglieder gehen nur tropfenweise ein. Auch die Tätigkeit der Ausschüsse wird bei Klee skeptisch beurteilt. Die Elberfelder Ausschüsse, die als Zentralen der Bewegungen damals bestehen bleiben sollten, sind meist zerfallen. Klee schreibt: „So ist in Wahrheit die ganze Arbeit und Verantwortung beim Vorort geblieben, ein Zustand, der bei der überwältigenden Fülle an Aufgaben, die übersehen und bearbeitet werden müssen, unmöglich ist". Am diese Mängel der Organisation zu beheben, ist filr Mitte Oktober ein Vertretertag nach Frankfurt a. O. berufen worden, der gemeinsam mit dem Deutschen Lochschulring veranstaltet wird. Gemeinsam will man auf Abhilfe sinnen, denn auch der Bestand des Lochschulrings ist wieder einmal gefährdet, hat sich doch jüngst, eine seiner treuesten Stützen, die Deutsche Landmannschaft gegen ihn erklärt. 9) Eine erschöpfende und bei aller kritischen Einstellung doch möglichst objektive Darstellung — vornehmste Pflicht auch dem Gegner gegenüber — darf nicht verschweigen, daß die Bestrebungen des Akademikerzusammenschluffes auf manchen Gebieten von jedem Deutschen begrüßt werden können. Vertiefung der Kenntnisse von Grenz- und Auslandsdeutschtum, der Problematik der nationalen Minderheiten tun bitter not, Beschäftigung mit sozialen Fragen sind wertvoll, bedauerlich ist nur, daß diese Bestrebungen über ein programmatisches Postulat hinaus zu irgend einer praktischen Verwirklichung noch nicht gediehen sind.