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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 86

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 86 (sequence 28)
Language
German
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versität nicht wußten, was dort verhandelt wurde, und daß sie den Verhandlungen selbst, in denen ein Teil der Universitätslehrer in der bekannten Weise der Völkischen geschmäht wurde, nicht mehr beigewohnt haben, denn sonst hatten sie wohl kollegialerweise protestiert." Leider haben auch ausländische Zeitungen von diesen Beschlüssen Kenntnis genommen, die ja im Ausländ nur als ein neuer Beweis für den deutschen Chauvinismus ausgelegt werden und so in der Epoche von Locarno und Thoiry wohl kaum den deutschen Interessen von Nutzen sind. So berichtet z. B. über die Tagung „Le Temps" vom 1. 8. 23. Wenn man zurückblickend das bisherige Wirken der Akademikerbewegung überschaut, wird man ihr die Anerkennung nicht versagen können, daß sie im Sinne der eigentlichen Drahtzieher, die nach der oben dargelegten Auffassung in Martin Spahn und seinen Freunden vom Hochschulring zu erblicken sind, wertvolle Arbeit geleistet hat. Der Hochschulring hat die schwere Krisis überwunden, durch die Initiative der in der „Arbeitsgemeinschaft" tätigen Alten Herren wurden viele der mit der Politik des H. R. unzufriedenen großen Verbände wieder zur Mitarbeit im H. R. bewogen. Man verstand aber die völkische Beeinflussung dieser Verbände auch unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zum H. R. zu gewährleisten, indem man sie'zu einer grundsätzlichen Anerkennung des Programms der Akademikerbewegung zu bewegen wußte und zur Mitarbeit an seiner Verwirklichung verpflichtete. Durch die Perpetuierung der wichtigsten Ausschüsse des Akademikertages, namentlich des Ausschusses zur Rassenfrage, und durch die Einrichtung offizieller Aemter innerhalb der Verbände als Verbindungsglieder zwischen diesen und der „Arbeitsgemeinschaft" ist eine Organisation geschaffen worden, mit deren Hilfe intensiver und planmäßiger als bisher an der völkischen Durchdringung der stud. Verbände gearbeitet werden kann. Nach neuesten Mitteilungen scheint aber diese theoretisch gute Organisation in der Praxis meist versagt zu haben. Der bedeutendste Erfolg der Bewegung ist aber wohl in der Aussöhnung des H. R. mit den katholischen Verbänden zu erblicken, die durch scharf jede konfessionelle Hetze verurteilende Beschlüsse der Elberfelder Tagung und gleichlautenden Erklärungen des H. R. zum Verbleiben im H. R. und zur Mitarbeit in der „Arbeitsgemeinschaft" bestimmt wurden. Allerdings scheint es sich bei der bekannten Einstellung der völkischen Kreise gegenüber dem Katholizismus hier um einen sehr „faulen Frieden" zu handeln, der durch die kleinste Erschütterung in die Brüche gehen kann. Dies beweist unter anderem auch folgender Vorgang. Die Monatsschrift „Akademia" des C. V., des größten der katholischen Verbände, versuchte, die gegenüber seiner bisherigen Stellung zum H.R. etwas eigenartige Begeisterung des C. V. für die Akademikerbewegung damit zu motivieren, daß die führenden Persönlichkeiten der Bewegung und vor allem auch die künftigen Herausgeber der > neuen Einheitszeitung , der „Deutschen Akademikerzeitung", dem C. V. gegenüber erklärt hätten, sich aller Angriffe gegen die katholische Kirche und ihre Einrichtungen und gegen die politischen Parteien, denen ein großer Teil deutscher Katholiken angehört (Zentrum, Bayr. Volksp., Christl.- soz. Partei) oder gegen führende katholische Männer (z. B. Marx, Seipel), zu enthalten. Die. Leitung der „Deutschen Akademikerzeitung" erklärt zu diesen offiziellen Mitteilungen eines der „Arbeitsgemeinschaft" angeschlossenen Verbandes folgendes: „Wir stellen fest, daß weder während der Elberfelder Verhandlungen, noch sonstwo Versprechungen oder Zusagen in der oben skizzierten Richtung abgegeben worden sind. Es ist in Elberfeld lediglich festgestellt worden, daß die „D. A. Z." als Organ der völkischen Akademikerbewegung bestrebt sein muß, den bei ihr vorhandenen Strömungen Rechnung zu fragen, sie darf nicht verletzen, besonders nicht in konfesfessioneller Hinsicht. Somit werden alle Schlußfolgerungen hinfällig, die in der akademischen Presse und Öffentlichkeit aus dem Bericht der „Akademia" hinsichtlich der künftigen Haltung der „D. A. Z." gezogen worden sind. Wir erklären bereits heute, alle trotz dieser Erklärung gegebenen Berichte für bewußte Verleumdungen." Auf ein besonders inniges Verhältnis zwischen den Kampfgenossen läßt es gerade nicht schließen, wenn der eine dem anderen bewußte Verleumdungen vorwirft, und es bleibt abzuwarien, wie die katholischen Kreise sich dieser Provokation gegenüber verhalten werden. Man soll zwar die Bedeutung derartiger Vorfälle nicht überschätzen, der Wille zur gemeinsamen Arbeit ist sowohl in den katholischen Kreisen als auch in den anderen Gruppen ungemein stark und wird auch diese Belastungsprobe ertragen, immerhin sieht man daraus, daß in dieser Bewegung Elemente miteinander verkoppelt sind, deren Weltanschauung so verschieden ist, daß für die Dauer ein harmonisches Zusammenarbeiten unmöglich erscheint.7) Eine weitere Gefahr besteht für die Bewegung in der geringen geistigen Bedeutung eines großen Teils 7) Die antikatholische Gesinnung dieser auch in der Arbeitsgemeinschaft sehr maßgebenden Kreise kam erst in letzter Zeit in dem in den vorigen K. C. Blättern besprochenenKonflikt zwischen Waffenring und katholischen Verbänden besonders zum Ausdruck.

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