KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 85 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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scher Sängerschaften" hat auf seiner vorjährigen Pfingsttagung sich zu den Zielen der „Arbeitsgemeinschaft" bekannt, seinen Mitgliedern den Bezug der „Deutschen Akademikerzeitung" empfohlen usw. Punkt 4 seiner Beschlüsse über seine Stellung zur Akademikerbewegung lautet aber: „Der Sond'ershausener Verband bittet die „Arbeitsgemeinschaft", die Beschlüsse des Elberfelder Akademikertages über die Rassenfrage einer Nachprüfung auf ihre Durchführbarkeit und politische Zweckmäßigkeit zu unterziehen und erst d a nach ihrer Durchführung näher zu treten." Eine etwas versteckte Kritik, die aber immer noch deutlich genug ist. Viel deutlicher sagt Pfarrer Dr. Rodenhaüser (München), der Herausgeber der „Wingolfsblätter", in seinem Bericht in diesen über die Elberfelder Tagung, deren Ziele er im übrigen begrüßt, seine Meinung: j,Mir scheint es aber notwendig zu sein, gerade bei der Arbeit der Ausschüsse für die Zukunft zur Vorsicht zu mahnen. Wenn gewünscht wurde, daß die von ihnen ausgearbeiteten Vorschläge von der Vollversammlung möglichst ohne Aussprache angenommen würden, was mehr aus Liebe zum Frieden, als vielleicht aus allgemeiner sachlicher Zustimmung manchmal geschah, so ist damit den Ausschüssen eine Befugnis in die Hand gegeben, die sie mit großer Verantwortung belastet. Es ist dann eben -doch so, daß die Beschlüsse von den wenigen Männern, die in den Ausschüssen zusämmensitzen, alleine bestimmt und gefaßt werden. Das aber muß ihnen eine Mahnung sein, sich -vor allen Einseitigkeiten zu hüten, immer 'mehr das Wohl derganzen Bewegung im Auge Zu haben, als die Durchsetzung persönlicher Meinungen und Wünsche zu erstreben. Vor allen Dingen wird es erste Aufgabe sein, solche Einseitigkeiten schon bei der Zusammensetzung der Ausschüsse zu vermeiden, dagegen sachverständige Männer gerade aus den verschiedenen Lagern in ihnen zusämmenzufassen. Ich erkenne gerne an, daß die Zusammensetzung der meisten Abschüsse und dementsprechend die in ihnen geleistete Arbeit vorzüglich war — wie es ja ganz unmöglich wäre, ohne die Ausschüsse auszukömmen —, glaube aber, daß der Ausschuß für die Iudenfrage die angedeüteten Gefahren . nicht zü vermeiden verstanden hat, und befürchte, daß, sollten -seine Beschlüsse sämtlich als gültig betrachtet werden, damit in die Bewegung ein Zankäpfel geworfen würde, der sie vergiften'müßte." Mit besonders erfreulicher Deutlichkeit und Schärfe wandte sich der Reichsausschuß der Hochschulgrüppen der Deutschen Volkspartei, der wie bereich oben erwähnt, der Arbeitsgemeinschaft angehört, gegen den antisemitischen Teil der Elberfelder Beschlüsse. In seinem Mitteilungsblatt vom 1. Mai 1926 heißt es: „Unsere kritische Würdigung des Hochschulrings können wir, abgesehen von den historischen Bemerkungen, unmittelbar auf die „Arbeitsgemeinschaft der völkischen Akademikerverbände" (Vorort in Elberfeld) übertragen, die gewissermaßen den großen Hochschulring mit Einschluß der Altakademiker und der Ausländsdeutschen bildet und die Gesamtheit der vaterländischen deutschen Akademikerschaft sein will. Auch zu ihr bekennen wir uns gleichermaßen ideell und praktisch, gleichermaßen kritisieren wir aber auch die Mängel ihrer Organisation und die daraus folgende Einseitigkeit ihrer Akteure, für die letzten Endes freilich die Teilnahmslosigkeit der Masse der deutschen Akademiker verantwortlich zu machen ist. Wir werden helfen am Ausbau und Einfluß nehmen auf die uns nahestehenden Altakademiker, Korporierte und Finken, daß sie sich nicht als Volksparteiler, sondern als Altakademiker den örtlichen Vaterländischen Vereinigungen der Altakademiker anschließen, wir werden uns aber auch mit ihrer Hilfe dafür einsetzen, daß der Burgfriede und das Prinzip der akademischen Orientierung gewahrt werden und Me unterbleiben wie z. B. die Annahme der teilweise an innerpolitische Vergiftung grenzenden Grundsätze zur Rassensrage auf dem 2. Deutschen Akademikertag im vorigen Jahr." Auch der weitaus größte Teil der Rechtspresse brachte in seinen Berichten über die Tagung nichts über die Beschlüsse des Ausschusses über die Rassenfrage. Eine Ausnahme machten, wie nicht anders zu erwarten, die extrem völkischen Blätter (wie- „Völkischer Beobachter" u. a.), die natürlich mit Jubelgeheul über die Beschlüsse herfielen. Die nicht rechtsstehenden Blätter haben im allgemeinen wenig Notiz von der Tagung genommen. Eine besonders scharfe Kritik dieser Beschlüsse übt »der Frankfurter Mediziner Uni» versitätsprofessor Dr. Bethe in der „Frankfurter Zeitung" vom 29. 7. 25. Nachdem er feststellt, daß diese Leitsätze mehr durch ihren unakademischen Ton als durch ihren Inhalt Verwunderung erregen, fährt er fort: „Aehnliches hat man schon oft gehört. Aber mit Erstaunen liest man am Anfang, daß zu dieser so hochpolitischen und gegen die bestehende Verfassung gerichteten Versammlung vier deutsche Universitäten offizielle Vertreter gesandt hatten (darunter drei Rektoren), daß sogar einer von diesen beim Begrüßungsabend eine Rede gehalten hat und daß der Rektor einer fünften Universität sein Fernbleiben entschuldigte. Ich nehme an, daß diese Vertreter des Gesamtlehrkörpers ihrer Uni-