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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 84 (sequence 26)
Language
German
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Beschlußfassung vorgelegt, der besonders klar die Stellung erkennen laßt, die dieser Ausschuß in Zukunft einzunehmen gedenkt. Es heißt dort: „Die am 2. Akademikertag in Elberfeld vereinigten studentischen Körperschaften verpflichten sich, Sorge zu tragen, daß Vorträge zur Aufklärung über die Rassen und Judenfrage im Laufe des S. S. 26, W. S. 26/27 gehalten werden. Die Redner können vom Ausschuß 9. des 2. Akademikertages vermittelt werden." (Beifall.) Man bedenke, im April 1925 verpflichten sich die studentischen Verbände, ab S. S. 26 sich mit der Rassen- und Judenfrage zu beschäftigen. Man stellt sich also die Entwicklung, wie dies auch bei anderer Gelegenheit betont worden ist, etwa folgendermaßen vor: Die studentischen Verbände nehmen auf ihren Tagungen im S. S. 1925 zu dem Akademikertag und seinen Beschlüssen Stellung. Sie werden sich grundsätzlich zu der Akademikerbewegung bekennen, und damit auch die Beschlüsse über die Judenfrage akzeptieren. Das Bekenntnis der Verbände zur Akademikerbewegung begründet aber nach einem anderen Elberfelder Beschluß die Verpflichtung, eine Stelle zu schaffen, die den Konnex zwischen dem btr. Verband und den Akademikerverbänden und ihren Ausschüssen aufrechterhält. Diese Stelle hat auch dafür zu sorgen, daß nun in den einzelnen Verbänden im Sinne der Akademikerbewegüng gearbeitet wird. Diese Stelle.wird kontrolliert und unterstützt von dem zu diesem Zweck bestehenbleibenden wichtigsten Ausschüssen des Akademikertages und von dem „Vorort", der ja auch für das nächste Geschäftsjahr bei der „Vaterländischen Vereinigung alter Akademiker des Wuppertales" und ihrem rührigen Vorsitzenden Dr. Hoppmann verbleibt, ferner sollen die in der Akademikerbewegung stehenden Alten Herren der Verbände Wiener Professoren Lupka und Braßloff hervor, und im Falle Goldstein sDarmstadt) erschien sie auf dem Plan, allerdings hier mit einer bei ihr seltenen Mäßigung. 6) Es muß besonders hervorgehoben werden, daß die Vertretung der österreichischen Lochschullehrer sich gelegentlich des 3. Deutschen Lochschultags 1925 auf den Boden dieser Beschlüsse gestellt hat, die österreichischen Lochschullehrer haben also kein Bedenken getragen, mit vollen Segeln in das Fahrwasser des Radauantisemitismus hineinzusteuern. Die Folgen dieser „kritiklosen" Sympathiekundgebung haben sich erst in diesen Tagen gezeigt Die Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien hat den jüdischen Prof. Lupka zum Dekan gewählt. Der arische Kampfausschufi, der sich selber gerne als „Deutsche Studentenschaft der Universität Wien" bezeichnet, wendet sich nunmehr in langatmigen Erklärungen an die Öffentlichkeit und bezeichnet die Wahl des->Professors Lupka als rechtswidrig, weil sie u. a. mit diesem Beschlüsse des Lochschultages in Widerspruch stehe! bzw. die der Bewegung angeschlossenen Altherrenverbände ihren Einfluß im gleichen Sinne geltend machen. Der Rassenausschuß selbst gedenkt, sich, wie ja aus den oben wiedergegebenen Beschlüssen hervorgeht, als eine Art Akademie des Antisemitismus zu etablieren, und wird dafür zu sorgen wissen, daß die Aufklärung in den Verbänden schon in die Hand ihm „geeignet" erscheinender Leute gelangt. Diese Erwartungen sind bisher zum Teil eingetroffen. Viele der großen studentischen Verbände haben sich auf ihren Tagungen im Sommer mehr oder weniger betont zur Mitarbeit in der Akademikerbewegung bekannt, so die „Deutsche Landsmannschaft", „Deutsche Burschenschaft", „Deutsche Wehrschaft", „V. C. der Turnerschaften", „Rudolstädter S. C.", „Rothenburger V. S. V.". „Kyffhäuserverband des V. d. St.", „Verband deutscher Burschen" (V. d. B.), „Wingolf", „Deutsche Sängerschaft" (Weimarer Verband), „Sondershausener Verband der Sängerschaften", „Akademischer Ruderbund", die katholischen Verbände u. a. Alle diese Verbände, auch die Katholiken, haben sich wieder zur Mitarbeit im „Deutschen Hochschulring" entschlossen. Allerdings ist die Begeisterung für die Sache ganz verschieden, während viele Verbände sich'aus ein Zugehörigkeilsbekenntnis beschränken, ergreifen andere Verbände bereits die Initiative zur Durchführung der Elberfelder Beschlüsse, so namentlich die Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften und der Wingolf, die bereits Richtlinien für die völkische Erziehung der Füchse geschaffen, eine offizielle Stelle zur Fühlungnahme mit der Akademikerbewegung eingerichtet und ihren Verbindungen den Bezug der „Deutschen Akademikerzeitung", die inzwischen das offizielle Blatt der Bewegung geworden ist, zur Pflicht gemacht haben. Man muß aber konstatieren, daß bei aller Begeisterung für die leitenden Gedanken der Bewegung vielen Verbänden die Beschlüsse über die Judenfrage keine besondere Freude gemacht zu haben scheinen. Denn bei einer genauen Prüfung der einzelnen Verbandsschristen macht man die überraschende Feststellung, daß zwar in fast allen diesen Blättern sehr detaillierte Berichte über die Tagung und auch über die Beschlüsse der einzelnen Ausschüsse enthalten sind, daß aber nur in verhältnismäßig wenigen die Beschlüsse zur Judenfrage abgedruckt oder auch nur erwähnt sind. Viele Blätter verschweigen überhaupt die Existenz dieses Ausschusses und seine Leistungen. Auf eine besondere Begeisterung für diese Beschlüsse läßt dies nicht gerade schließen. Ganz besonders erfreulich aber ist es, daß sogar drei Verbände, die sich im übrigen der Akademikerbewegung angeschlossen haben, den Mut aufbringen, ihre Kritik an diesen Beschlüssen auszusprechen. „Der Sondershausener Verband deut-

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