KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 83 (sequence 25)
- Language
- German
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I 83 der verstorbene Otto von Gierke mrt ihren jüdischen Frauen und der deutschnationale Abgeordnete Quaatz mit seiner jüdischen Mutter Juden. „In der Gesetzgebung sind die Begriffe „Deutsches Volk" und „Deutsche Volkszugehörigkeit" nach den vorstehenden Grundsätzen festzulegen. Als Jude im Sinne der Ziffer 5 — also nationale Minderheit — gelten die deutschen Staatsbürger, die einer mosaischen Glaubensgemeinschaft angehören oder deren Väter und Mütter einer solchen angehört haben. Deutsche, die eine Ehe mit Juden oder Jüdinnen emgehen, gelten samt ihren Abkömmlingen als Juden. (Beifall.) Wo bisher in den Gesetzen (Reichsverfassung, Reichsgesetz vom 22. 7. 23 über Reichs- und Staatsangehörigkeit) der Ausdruck „Deutscher" gebraucht ist, ist die Bezeichnung „Deutscher Staatsbürger" einzusetzen, um klarzustellen, daß den Deutschen außerhalb des Reiches die Zugehörigkeit zum deutschen Volke nicht abgesprochen wird. (Großer Beifall.) Die Erwerbung der deutschen Reichs- und Staatsangehörigkeit ist deutschstämmigen Ausländern und Angehörigen deutscher Völker zu erleichtern, fremdstämmigen Ausländern zu erschweren. (Beifall.) Die Einwanderung von Juden, insbesondere von Ostjuden, ist überhaupt nicht mehr zu gestatten. (Beifall.) Die nach dem 1. August 1914 Eingewanderten sind wieder abzuschieben." (Großer Beifall.) Es folgen dann einige Stellen, die sich wie ein Absatz aus einem Pamphlet Hitlers oder Knüppel-Kunzes ausnehmen, selbst mit „Progromlisten" wird geliebäugelt. „Die jüdische Minderheit hat sich einen verhängnisvollen Einfluß auf das deutsche Volksleben, insbesondere auf das politische, wirtschaftliche und geistige Leben, zu verschaffen gewußt, der wieder beseitigt werden muß. Dazu ist eine genaue Statistik der vorhandenen Juden einschl. ihrer Namensänderungen von den Behörden aufzustellen und öffentlich bekanntzugeben. Bei Volkszählungen — wir haben am 16. Juni die nächste Volkszählung — und sonstigen statistischen Aufnahmen, auch bei Eintragungen in die polizeilichen Melderegister, ist außer der Staatsangehörigkeit auch die Abstammung und das Religionsbekenntnis anzugeben." (Beifall.) Es folgen dann Beschlüsse zur „Entjudung" der Hochschulen: ' „Der Ueberfremdung der deutschen Hochschulen durch jüdische Lehrkräfte und Studierende ist ein Riegel vorzuschieben. (Beifall.) Weitere Lehrer jüdischer Abstammung sind nicht mehr zu berufen. Für die Studierenden ist der „numerus clausus" einzuführen." „In allen Hochschulen sind Vorlesungen über Rassenkunde und Rassenpflege zu halten. Unterricht über diese Gebiete ist auch an allen Schulen zu erteilen." „Wir fordern die amtliche Auftollung der Frage, inwieweit die Juden an dem Zusammenbruch des deutschen Volkes Schuld tragen, wer die Führer der November-Revolution waren, und wer die Führer der marxistischen Bewegungen von jeher gewesen sind." (Beifall.) Auch hier wieder nicht einmal der Versuch einer Begründung. Soweit sich diese Beschlüsse gegen die jüdischen Hochschullehrer richten, versucht Prof. Plate sie allerdings ein Halbes Jahr später in der „Deutschen Akademikerzeitung" vom 26. September zu motivieren. Er schreibt dort: „Unsere Hochschulen sollen nicht nur der Forschung und Lehre dienen, sondern sie sollen auch die akademische Jugend zu idealer Gesinnung, Charakterstärke und Vaterlandsliebe erziehen. Dazu werden Juden im allgemeinen nicht fähig sein und deshalb hat auch der so glänzend verlaufene zweite Akademikertag in Elberfeld einstimmig die Forderung beschlossen, daß Juden in Zukunft hinfort nicht mehr als Lehrer an unseren Hochschulen zugelassen werden." Man sollte diese Worte eines deutschen Hochschullehrers in einer akademischen Zeitschrift jedem deuffchen Dozenten, vor allem aber den jüdischen Dozenten, am besten zugleich mit der Kundgebung vom 12. November 1880, zugänglich machen, in der 76 führende Persönlichkeiten des geistigen Deutschlands, darunter Mommsen, Gneist, Kirchoff, Droysen, Siemens» der Rektor der Berliner Universität u. a. das deutsche Volk ermahnen, „nicht zu vergessen, wieviele unserer jüdischen Mitbürger Lurch ihre Leistungen in Kunst und Wissenschaft dem Vaterlande Nutzen und Ehre gebracht haben." 5)«) Es wurde dann der Versammlung ein Vorschlag zur >0 Abrigens gehörte auch die „Arbeitsgemeinschaft" zu den lautesten Rufern im Streit gegen Lessing, wenn nicht überhaupt in ihren Reihen die eigentlichen Drahtzieher der Bewegnng fitze«. So war jene vielgenannte Altakademikerversammlung in Lannover, in der Kultusminister Becker so schwer beleidigt wurde, eine Veranstaltung der dortigen Ortsgruppe. Auch der „Deutschen Akademiker-Zeitung"blieb es Vorbehalten, die Gott sei Dank singuläre Erscheinung des Lerrn Leffing und sein auch von jüdischer Seite in mancher Beziehung stark kritisiertes Verhalten als Symptom für den „undeutschen Geist" der deutschen Lochschullehrer jüdischen Glaubens hinzustellen und damit' eine große Anzahl völlig unbeteiligter Männer, von denen viele zu den Zierden der deutschen Wissenschaft gehören, für das Verhalten eines Einzelnen verantwortlich zu machen. Die '„Deutsche Akademiker-Zeitung"^tat sich^ auch Ibei der Letze gegen andere jüdische Lochschullehrer, namenttich gegen die