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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 80 (sequence 22)
Language
German
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-iS"', -.' ’f**?'* **t'‘?r^‘ \'2?- 'J 80 führte die Propaganda für die Akademikerbewegung innerhalb des S. C. manchmal zu eigenartigen Resultaten. So wird auf der ersten Seite einer deutschen „Korpszeitung" scharf gegen den Hochschulring Front gemacht, auf den letzten Seiten bemüht sich ein im S. C. recht maßgeblichen Philister, der wirkliche Geh. Ober-Reg.- Rat Dr. Georg Kautz, seine Korpsbrüder von der Notwendigkeit ihrer Mitarbeit in der von dem Geist des Hochschulrings erfüllten, von ihm auch organisatorisch und politisch geleiteten Akakademikerbewegung zu überzeugen. Auch sonst wurde eine äußerst rege Werbetätigkeit entfaltet, deren Erfolg ein Beweis war für die werbende Kraft des in der Propaganda besonders betonten Grundgedankens der Bewegung, die deutsche Zwietracht durch die gemeinsame Arbeit der geeinten deutschen Akademikerschaft zu überwinden war. Neben den vielen Einladungen an die einzelnen Gruppen und Verbände gingen 50000 Einzeleinladungen für den 15. bis 19. Ostermonds (April) nach Elberfeld heraus*) Die Beteiligung entsprach diesen Vorbereitungen. Etwa 5000 bis 6000 Delegierte erschienen zu der Tagung in Elberfeld, die genaue Anzahl steht nicht fest, da die einzelnen Angaben darüber stark differieren. Diesmal hatten auch die katholischen Verbände offizielle Vertreter entsandt. Auch eine große Anzahl Gäste waren erschienen, merkwürdigerweise auch zahlreiche Vertreter der Hochschulbehörden, zu deren Gunsten angenommen sei, daß ihnen der wahre Charakter dieser Akademikerbewegung entgangen ist. 11. a. erschienen der Rektor und Prorektor von Marburg, der Rektor von Gießen, der Rektor von Münster, ein Vertreter des Rektors von Leipzig, verschiedene llniversitätsprofessoren, u. a. Martin Spahn, Plathe (Jena), Brunstaedt (Erlangen). Besonders erfteut war man über die Teilnahme des Dichters Friedrich Lienhardt. Eine Reihe von Vorträgen leitete die eigentlichen Ausschußsitzungen ein. Prof. Martin Spahn sprach über die historisch-genetische Entwicklung des deutschen Gedankens, der Rassenforscher Dr. Hans Günther über Erbgesundheit und Rasse im Leben des deutschen Volkes, Generalsuperintendent D. Klingemann (Koblenz) über die Erziehung zu wahrhaft christlicher Persönlichkeit und Universitätsprofessor Pfarrer Dr. Ziesche (Breslau) über die christliche Familie in Deutschland. Der bedeutsamste Vortrag war wohl der von Prof. Brunstaedt (Erlangen). über „Die Krisis der deutschen Kultur". Im Rahmen dieser lediglich eine *) Man fragt sich nur. woher die zweifellos enormen Geldmittel, die hier für Propagandazwecke verwandt werden, stammen. Ob der gute Onkel Lugenberg auch hier wieder einmal spendabel war? Klarstellung der Tendenz' und organisatorischen Bedeutung der Akademikerbewegung bezweckenden Betrachtung kann auf die zum Teil recht interessanten Vorträge leider nicht eingegangen werden, hier interessiert nur die eigentliche Arbeitstagung. Nach einer kurzen Vollversammlung traten zehn schon geraume Zeit vor der Tagung in Tätigkeit gesetzte Ausschüsse zusammen und stellten an der Hand von Referaten Richtlinien auf, welche der den Akademikertag abschließenden Vollversammlung vorgelegt und einstimmig genehmigt wurden. Auf Wunsch des Vorsitzenden Dr. tzoppmann fand eine Debatte über die Ergebnisse der einzelnen Ausschüsse nicht statt, angeblich um eine uferlose Debatte über die Grundfragen zu vermeiden; in Wahrheit fürchtete man wohl eine Kritik an den meist in kleinen, nicht immer fachmännisch zusammengesetzten Ausschüssen zustande gekommenen Beschlüssen, die, wie ja die Richtlinien zur Iudenfrage zeigen, zum Teil überaus radikal und nur selten mit einer auch dem kritischen Zuhörer standhaltenden Begründung versehen waren. Die praktische Durchführung der in diesen Richtlinien gestellten Aufgaben wurde dauernden Ausschüssen übertragen, und jede Ortsgruppe der „Arbeitsgemeinschaft" zur Bildung dieser entsprechender Unterausschüsse aufgefordert. Da diesen Ortsgruppen nicht nur die überbündischen Akademikerverbände und Hochschulringe, sondern auch die entsprechenden Gruppen der großen studentischen Verbände, ihre Korporationen und Altherrenschaften angehören bzw. beitreten sollen, glaubte man in den Ortsgruppen die geeignete Organisation für die Durchführung der Beschlüsse des Akademikertages erblicken zu können. Daneben sollen auch die großen studentischen Verbände durch entsprechende Beschlüsse auf ihren Verbandstagen die Forderungen des Akademikertages in ihr Arbeitsprogramm aufnehmen. Die Entschließungen der einzelnen Ausschüsse brachten nichts sonderlich bemerkenswertes. Ihre Beschlüsse waren meist der Niederschlag der bekannten völkischen Bestrebungen; so forderte z. B. der Ausschuß für Leibesübungen und Wehrhaftmachung eine Nationalisierung der deutschen Turn- und Sportbewegung und ein ehrliches Bekenntnis zum Wehrgedanken. Der Ausschuß für Bildungswesen verlangte eine Reform des Geschichtsunterrichts im völkisch-großdeutschen Sinne, Berücksichtigung des Grenz- und Auslandsdeutschtums im Unterricht und entsprechende Aenderung der Vorbildung der Lehrerschaft. Der Ausschuß für Kunst und Kultur brachte die üblichen Tiraden über das Ueberhandnehmen fremder Einflüsse im deutschen Kulturleben, er erklärte den Schmutz und Schund in Literatur und Kunst den Krieg, eine Auskunftsstelle für Kunst und Kultur soll eingerichtet

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