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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 78 (sequence 20)
Language
German
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78 zu erscheinen, dort mäßigend und besänftigend, hier wieder beruhigend und ausgleichend zu wirken, der kann nicht umhin, die Rührigkeit und Geschicklichkeit dieses Mannes, seinen Enthusiasmus für die von ihm vertretenen Ziele zu bewundern. Im Verein mit einigen Gleichgesinnten, unter denen wohl Hildebert Böhm und der Kreis um sein „Politisches Colleg" in Spandau eine besondere Rolle spielte, gelang es ihm auch, den drohenden Zerfall des Hochschulrings zu verhindern. Man war sich aber darüber klar, daß solch ein mit Mühe und Not zustande gekommenes Kompromiß doch recht oberflächlicher Natur war, die, innerhalb der einzelnen Gruppen und Verbände nun einmal bestehenden Gegensätze würden sich latent weiter auswirken und die Stabilität des Hochschulrings dauernd schweren Erschütterungen aussetzen. Diese Gefahr konnte nur dadurch gebannt werden, daß es gelang, die für die Willensbildung in den einzelnen Verbänden maßgebenden und auch meist die Stütze der Opposition gegen den Hochschulring darstellenden Allakademiker für die Ideologie des Hochschulrings zu gewinnen. Um an die Alten Herren heranzukommen, schienen die bereits bestehenden Akademikerverbände, die zusammen mit dem H. R. und von ihm maßgebend beeinflußt arbeiten, besonders geeignet. Nur in diesem Zusammenhang wird das starke Interesse des Hochschulrings an der neuen Bewegung verständlich, und die Entwicklung der Bewegung bewies, daß die Arbeitsgemeinschaft in der Tat das geeignete Instrument für die Pläne des Hochschulrings war. Für Anfang April 1924 wurde die erste große Tagung der „Arbeitsgemeinschaft" als „Erster völkischer Akademikertag" nach Potsdam berufen. Man wollte durch eine groß aufgezogene Veranstaltung das Interesse der in Frage kommenden Kreise für die Neugründung wecken und zugleich gemeinsam die Fragen der zu leistenden Arbeit besprechen. Die Tagung war deshalb eingeteilt in große öffentliche Veranstaltungen, die Referate über grundlegende Fragen brachten, und in interne Ausschußsitzungen, in denen Wege und Methoden der praktischen Kleinarbeit erörtert wurden. Bei dieser Potsdamer Tagung kam die dominierende Stellung des H. R. in der Bewegung ganz besonders zum Ausdruck. Die gesamte Organisation lag in der Hand der Altherrenschast des Hochschulrings, ihr Vorsitzender, der. bekannte völkische Senatsprasident Dr. F. Flügge, war Präsident der Tagung. Auch in der Tagesleitung oder als Leiter der einzelnen Ausschüsse findet man überall die „Prominenten". des Hochschulrings, Dipl.-Ing. Gerloff, Dr. de la Chevallerie, Frh. von Guttenberg u.a. Von den Referenten der vier großen Vorträge gehören drei zu den geistigen Führern des Hochschulrings: Othmar Spann (Wien), Wilhelm Stapel (Hamburg) und Dr. de la Chevallerie (Berlin), der vierte Referent, Geheimrat Prof. Seeberg (Berlin), steht dem H. R. zum mindesten sehr nahe. Der Vortrag von Othmar Spann brachte nichts neues, er enthielt im wesentlichen die von dem Autor in seinem bekannten Buch „Der wahre Staat" vertretenen Ideen. Im Rahmen einer Betrachtung in unseren K. C.-Blattern interessieren mehr die Ausführungen Wilhelm Stapels über „Die Entwicklung des Volkstums". Die Gedanken Stapels über den Prototyp des deutschen Menschen, er nennt ihn den „deutschen Volksbürger", sind aus seiner Zeitschrift „Deutsches Vollstum" und seinen Büchern, namentlich der.„Volksbürgerlichen Erziehung", bekannt. Sein Antisemitismus ist mit dem rohen Judenhaß eines Durchschnittsantisemiten vom Schlage der Knüppelkunze oder Wulle nicht zu vergleichen. Stapel bekämpft das Judentum, weil er in diesem Kampf ein notwendiges Mittel zur Abwehr dem Deutschtum schädlicher Einflüsse, eine Art kulturellen Selbstschutzes sieht. Seine Ausführungen halten immerhin ein gewisses ethisches Niveau gegenüber dem ungeistigen rüden und fanatischen Judenhaß, der sich in den weiter unten besprochenen Beschlüssen des Ausschusses zur Judenfrage auf dem Elberfelder Akademikertag offenbart. Des Kontrastes halber sei der Schluß seiner Ausführungen hierher gesetzt. Nachdem Stapel das Wachsen und Werden des deutschen Vollstums geschildert hat, spricht er über die im deutschen Volk gegenwärtig herrschende kulturelle „Unfestigkeit" und „Unsicherheit", für die er in erster Linie die Moral des Pazifismus und die Ueberwertung fremder Kultur verantwortlich macht, versucht er durch einen flammenden Appell die deutschen Akademiker aus ihrer „völkischen Lethargie" zu rütteln. „Seit der Emanzipation der Juden dringt das jüdische Wesen deformierend in unsere Kultur ein. Dieses Eindringen ist um so bedenklicher, als es nicht in ftemder, sondern in äußerlich deutscher Sprache erfolgt. Der Instinkt des Volkes wendet sich gegen die Moral der Zersetzung und kulturellen Deformation. Er erzeugt als Abwehr „die völkische Bewegung". Wie einst aus der sozialen Not die sozialistische Bewegung entstand, so entsteht heute aus der nationalen Not die völkische Bewegung. Wird das gebildete deutsche Bürgertum wieder wie einst bei der sozialisttschen Bewegung ästhetisch degouttert und krittsierend nebenbei stehen, oder wird es sich der elementaren völkischen Bewegung zur Verfügung stellen? Durch das Versagen des ästhetischen und kritisierenden Bürgertums kamen in der sozialistischen 'Be-

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