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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 77

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 77 (sequence 19)
Language
German
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77 innerhalb der deutschen Akademiker und zwischen den beiden großen Bekenntnissen bestehenden Gegensätze Überbrucken zu können. Äehnliche Verbände bestanden schon seit vielen Jahren innerhalb des Grenz- und Auslandsdeutschtizms, wo die gemeinsame deutsche Not, die für derartige Zusammenschlüsse geeigneten Verhältnisse geschaffen hatte. So gab es einem Verband der deutschen Akademiker Böhmens und Mährens, einen Verband deutscher Hochschüler Rumäniens, einen Verband der völkischen Akademiker für Schlesien und Mähren, der battischen Akademiker, der Schwarzmeer-Deutschen u. a. Vertreter dieser Verbände trafen in Karlsbad im August 1923 mit den Führern des „Deutschen Hochschulrings" zusammen. Man gründete dort eine „Arbeitsgemeinschaft der völkischen Akademikerverbande des deutschen Sprachgebietes". Der Zweck dieser Neugründung fand seinen Ausdruck in den sogen. „Karlsbader Beschlüssen", deren erster Artikel lautet: „Ausgehend von der Erkenntnis der Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller deutschen Akademiker, schließen sich die folgenden Perbände zur Steigerung und Ä^rtiefung der Arbeit für die gemeinsamen Ziele und Zwecke zu einer „Arbeitsgemeinschaft zusammen". Es folgen die beteiligten Verbände. Der Hinzuttitt des Hochschulrings veränderte den Charakter der Bewegung von Grund auf. Während die beiden anderen Komponenten der Bewegung die im Reiche bestehenden überbündischen Akademikervereinigungen und die auslandsdeutschen AkademikerverbändL in der Hauptsache kulturelle Zwecke verfolgten, wie die Stärkung des bedrohten Deutschtums, Erhaltung und Ausbau deutscher Kulturgüter, Schaffung der deutschen Volksgemeinschaft usw., ist der Hochschulring in erster Linie eine polittsche Organisation mit dem zwar nicht offen ausgesprochenen aber deutlich zu erkennenden Zweck, die Studentenschaft zu Bannerträgern der rechtsradikalen Politik zu machen. Es war von vornherein klar, daß die energische und zielbewußte Leitung des Hochschulrings in die neue Arbeitsgemeinschaft nicht eingetreten war, um an allgemeinen deutschen Kulturaufgaben und ähnlichen Besttebungen mitzuarbclten. Die Neugründüng konnte vielmehr für den Hochschulring und . die hinter ihm stehenden Kreise nur von Interesse sein, wenn sie ihm eine Erweiterung seiner bisherigen Machtposition brachte. Dies war nun zweifellos der Fall. Der tzochschulring hatte hier die Möglichkeit, seine Bestredungen auf einer breiteren Basis als bisher zu verfolgen. Vor allem konnte er auf dem Umweg über die nach außen hin überbündische (d. h. Angehörige aller studentischen Verbände umfassende) und interkonfessionelle „Arbeitsgemeinschaft" sich den schon lange gewünschten Rückhalt unter der Altakademikerschaft schaffen. Um dieses Interesse des Hochschulrings an der Bewegung zu verdeutlichen, sei fiug auf seine damalige Lage eingegangen. Der „Deutsche Hochschulring" ist bekanntlich eine Zusammenfassung der nach dem Kriege entstandenen örtlichen „Hochschulringe Deutscher Art". Er wurde bald eine der stärksten Mächte im Leben der deutschen Studentenschaft und ist seit Jahren in der Lage, fast alle leitenden Stellungen der „Deutschen Studentenschaft" und ihrer Organe mit seinen Leuten zu besetzen. Die überaus radikale, extrem deutschnational-völkische Politik seiner Leitung setzte etwa von Mitte 1923 an das Gebäude des Hochschulrings schweren Erschütterungen aus. Quader auf Quader lockerte sich bedenklich in dem für unbezwingbar gehaltenen Turm, und die Gefahr trat in greifbare Nähe-, daß das gewaltige Gebäude über kurz oder lang zusammenbrechen würde. In den Kreisen der großen katholischen Verbände kriselte es stark, verschiedene Angriffe gegen Klerus, Zentrum, Rom usw. hatten stark verschnupft und bereits waren einzelne K. V.- und C. V.-Korporationen, z. B. in Heidelberg und Berlin, aus dem Hochschulring ausgetteten, auf den Altherrentagungen und namentlich auch in der Zeitschrift „Akademia" des C.V., der größten katholischen Organisation, wurde immer hefttger an der Leitung des Hochschulrings Kritik geübt. Auch in anderen Kreisen gärte es, so namentlich in den der Jugendbewegung angehörigen Gruppen, denen die Leitung des Hochschulrings zu korporativ eingestellt war, andererseits hatten in den großen Korporationsverbänden wieder einige Kompromisse an die Jugendbewegung stark verstimmend gewirkt. Namentlich die Korps des Cösener S.C. waren äußerst unzufrieden, die im S.C. tonangebenden S. C.'s von Göttingen und Heidelberg veröffentlichten eine scharfe Erklärung gegen das Hineintragen der Parteipolittk in die Studentenschaft durch den Hochschulring und forderten die Korps zum Austritt aus dem Hochschulring auf. Dann kamen die Münchener Novemberereignisse und die schweren Ausschreitungen gegen Kardinal Fa ul Haber. Damals hielt man allgemein den Bruch im Hochschulring für unvermeidlich. Es ist wohl in der Hauptsache das Verdienst eines einzelnen Mannes, des „Schutzherrn" des Hochschulrings, Professor Martin Spahn (Köln),, daß es dazu nicht kam. Wer in den Zeitschriften der einzelnen Verbände verfolgt, wie Spahn sein persönliches Presttge in den deutschnationalen Kreisen und den Einfluß seines noch vom Vater her hochangesehenen Namens im deutschen Katholizismus benutzte» um auf allen Tagungen der Vereine und Verbände

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