KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 76 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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76 tzie AÄ-ttsgemMschM bcr VSWWir ^lutbemihcttirtbanbc. Von Referendar Werner Rosenberg (Spr.) Vorbemerkung der Schriftlertung: Der-folgende Aufsatz ist besonders ausführlich gehalten,, weil hier zum ersten Male versucht wird, die Frage ver Arbeitsgemeinschaft völkischer Akavemikerverbände in ihrer Gesamtheit zu behandeln. Im Mai des Jahres 1925 berichtete ein großer Teil der Rechtspresse und auch einige Blätter anderer Richtungen über die Ergebnisse einer völkischen Akademikertagung in E l b e r f e l d. 2n diesen Berichten wurden auch Leitsätze zur Iudenstäge besprochen, die von dieser Tagung als politische Richtlinien angenommen worden waren und die neben den in ihnen enthaltenen, das übliche Maß antisemitischer Programme weit übersteigenden maßlosen Forderungen, vor allem durch ihke verletzende Formulierung Aufsehen erregten. Der deutsche Jude wurde darin ähnlich wie in den berüchtigten Burschenschafterbeschlüssen auf eine Stufe mit Negern und Chinesen gestellt, sein Ausschluß aus der Gemeinschaft des deutschen Volkes gefordert. Das Vorhandensein starker antisemitischer Strömungen innerhalb der deutschen ÄkadeMikerschaft. ist ja nichts neues. Die ganze Angelegenheit bekommt aber ein anderes Gesicht, wenn die in fast allen Berichten enthaltene, Mitteilung sich als richtig erweist, daß hinter diesen Beschlüssen 6000 Delegierte aller großen akademischen und studentischen Organisationen stehen, die sich durch ihre einstimmige Annahme verpflichtet Hatten, 'mit 'den von ihnen vertretenen Verbänden an der Verwirklichung dieser Grundsätze mitzuarbeiten. Das deutsche Judentum nmrde sich dann plötzlich der geschossenen Front der überwiegenden Mehrzahl des deutschen Äkademikertums gegen- Lbersehen, ANlaß genug, sich eingehend mit dieser neuen Bewegung zu befassen. Denn um eine neue Bewegung, handelt es sich hier. Der Akademikertag in E l b e r f e l d ist' die zweite Tagung /einer 1923 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft der völkischen Äkademikerverbände des deutschen Sprachgebietes". Die folgende Betrachtung bezweckt, die ENtstehNNg und das bisherige Wirken 'dieser Arbeitsgemeinschaft zu untersuchen, um die Bedeutung ihrer Beschlüsse klarzulegen und den /Charakter/ dieses in der nichtvölkischen deutschen Oeffentlichkeit bisher noch kaum gewürdigten Zusammenschlusses zu bestimmen. Wenn man die Entstehung dieser „Arbeitsgemeinschaft" verfolgt, wird man feststellen können, daß diese Neugründung keineswegs das Ergebnis einer einheitlichen Ideenrichtung darstellt, sondern daß ihre geistige Grundlage von drei ursprünglich voneinander fast ganz unabhängigen Gedankenreihen gebildet wird. Der stärkste Antrieb zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft" ging zweifellos von der Idee der Einigung aller deutschen Akademiker aus. Diesen Gedanken kann man noch heute als das geistige Fundament der ganzen Bewegung bezeichnen, arnd in Betonung dieses Leitmotivs hat sich /die „Arbeitsgemeinschaft" als Symbol, das immer wieder äüf ihren Publikationen, Druckschriften msw. erschnnt, einen St. Georgsritter mit dem Kreuz des Deutschen Ordens auf der Brust gewählt, der dem züngelnden Drachen der deutschen /Zwietracht seinen Speer mitten' ins Hetz stößt. Unter fcettt äußeren Druck der Nachkriegszeit würde in allen Lagern und Schichten des deutschen Volkes die Sehnsucht nach einer wahren Volksgemeinschaft lebendig. Begreiflicherweise fanden diese Bestrebungen in vielen vaterländisch und ideal gesinnten Kreisen des deutschen Äkademikertums besonders stärken Widerhall, bietet döch dieser Stand mit feinen unzähligen Bünden, Verbänden, Gruppen Und Grüppchen wie wohl keine ändere Schicht /ein trauriges Abbild der Zerrissenheit des 'deutschen Volkes. Man sagte sich, daß alle Bestrebungen, eine VolksLemeinschäft zu schaffen, so länge zur Aussichtslosigkeit verdammt sein würden, äls die deutsche Führerschicht, das ÄkadeMikertuM, selbst nicht einig sei. Innerhalb, der Iung-Akademikerschaft war es gelungen, alle deutschen Studenten wenigstens organisatorisch in . der „Deutschen Studentschaft" zu vereinigen. Der . Deutsche Hvchschulring wurde gegründet, der Waffenstudenten und Nichtkorporierten, Katholiken und Protestanten auf der gemeinsamen Grundlage der 'völkischen Weltanschauung zusämmenschloß und sich bald zu einem außerordentlichen Machtfaktor im ho'chschulpolitischen Leben entwickelte. Diese Erfolge gäben auch den Altakademikern zu denken. Dm Mürz 1921 wurde die „Vaterländische Vereinigung der Altakademiker des Wuppertales" gegründet, ähnliche Vereinigungen folgten in ’ Cassel, Erlangen, Gotha, Nürnberg, Hameln, Hannover, Minden, Remscheid, Siegen usw. Eine der bedeutendsten wurde die Vereinigung in Hamburg , die heute über 3000 'sehr aktive Mitglieder zählt 'und sogar ein eigenes Blättchen heraüsgibt. Der Charakter dieser Vereinigungen wurde bestimmt durch ihre überbündische Zusammensetzung. Man war bemüht, möglichst diele Akademiker aller Richtungen und Verbände und vor allem beider Bekenntnisse heränzuziehen, sie unter derdölkiWn Idee zu sämrNeln, und glaubte, durch den gemeinsamen Kampf für die völkische Weltanschauung, von deren Wesen, ähnlich wie in den völkischen Parteien, eine Menge verschiedener, höchstens in der Verschwommenheit übereinsttmmender Vorstellungen bestanden, die