KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 71 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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71 wir zeigen, daß jedes Mitglied unseres Vereins sich mit jedem christlichen Kommilitonen in jeglicher ritterlicher Uebung messen kann. Mit der wirklichen körperlichen Kraft und Gewandtheit wird auch das Selbstvertrauen und die Selbstachtung wachsen, und niemand wird sich mehr schämen, ein Jude zu seinl Und für dieses Selbstvertrauen und diese Selbstachtung hoffen wir die sicherste Grundlage zu gewinnen, durch das Studium der jüdischen Geschichte, durch eine genauere Kenntnis der Leiden und Taten unserer Vorfahren. Gemäß dem zum Ganzen strebenden Charakter unseres Vereins werden wir es uns auch zur Aufgabe machen — im Gegensatz zu der immer weiter um sich greifenden Zersplitterung in Spezialfächer — die allgemeinen Grundlagen und den Zusammenhang aller Wissenschaft zu berücksichtigen und zu pflegen. Solch ernstes Arbeiten an unserer Erziehung wird uns befähigen, die hohen Ziele, die wir uns gesetzt haben, zu erreichen. Wir richten in zuversichtlicher Hoffnung an alle edel denkenden Juden, die ein Verständnis für unsere Ideale besitzen, die Bitte, uns in unserem weitausblickenden und die wichtigsten Interessen des Judentums berührenden Unternehmen mit ihrer Teilnahme zu unterstützen. Wer je die Beschimpfung des jüdischen Elements mit bitterem Schmerz als seine eigene empfunden, wer je durch die schmachvollen Frevel, die jene Bewegung gezeitigt, in seinem Gerechtigkeitsgefühl verletzt worden ist, wessen Blut jemals aufwallte bei den Verleumdungen, mit denen man uns überschüttet, bei dem Haß, den man uns entgegenträgt, der möge bedenken, daß sich hier eine Aussicht auf eine bessere Zukunft bietet, und denjenigen ihr Interesse nicht versagen, die ihre ganze Energie, ihre ganze Jugendkrast für dieses Unternehmen einzusetzen entschlossen sind. Ja, es ist ein Unternehmen, das, wenn es gelingt, eine größere Bedeutung als die einer energischen Selbsthilfe haben wird. Die Stellung, welche die jüdische Minorität der christlichen Majorität gegenüber einnimmt, ist ein Maßstab für den Gesinnungsadel eines Volkes, und in diesem Sinne scheint es die kulturgeschichtliche Mission der Juden zu sein, dem Volke, dem sie angehören, die Achtung vor den Ueberzeugungen anderer zu lehren. Unsere Vorfahren haben in den finsteren Zeiten des Mittelalters, des Pöbels roher Gewalt, den Scheiterhaufen, der Inquisition getrotzt, und sind für ihren Glauben — die ersten Vorkämpfer der Gewissensfreiheit — mutig in den Tod gegangen. Sie kämpften dabei einen hoffnungslosen Kampf gegen den Geist ihres Zeitalters, welcher derjenige der Intoleranz, des Geisteszwanges war. Wir Nachkommen sind in der glücklicheren Lage, indem wir für unsere Rechte in die Schranken treten, im Geiste unserer Zeit, im Geiste des Jahrhunderts der Anerkennung der Menschenrechte zu kämpfen. Dieser Gedanke wird unsere Kraft erhöhen, in diesem Zeichen werden wir siegen. Wir schreiten unentwegt durch Finsternis zum Licht, der Genius des Jahrhunderts trägt uns die Fackel voran! Von Dr. Felix Die Frage, ob es überhaupt einen spezifisch „jüdischen" Geist gibt, wird von manchem nur zögernd bejaht werden. Wenn es auch gewiß ganz selbstverständlich ist, daß das Judentum — ein seinem innersten Wesen nach so ganz spiritualistisches Gebilde — sich selber negieren würde, falls es seinen Geist leugnen wollte, fürchtet mancher das Odium, das dem Vorwurf des „jüdischen" Geistes in der allgemeinen Politik und im Umgangsleben anhaftet. Die Abneigung gegen Juden und Judentum hat es bewirkt, daß der Begriff des ^jüdischen Geistes" geradezu eine leere Floskel geworden ist, die jeder--mit einem Inhalt zu füllen versucht, wobei er aber nicht von einem feststehenden Begriff des Jüdischen ausgeht, sondern in gänzlich unkritischem Subjektivismus immer nur bas als jüdisch empfindet, was ihm persönlich als unangenehm erscheint. Diese Gleichsetzung von „jüdisch" und „unangenehm" löst natürlich den jüdischen Geist in eine Leipzig (Thur., Saxo-Bav.) bloße Formel auf, da die Sympathien ebenso verschieden sind wie die Geschmäcker, und Erscheinungen, die dem einen gefallen, dem andern zuwider sind. Wollte man unter diesem Gesichtswinkel den jüdischen Geist zu definieren versuchen, so stünde man vor einer unmöglichen Aufgabe. Denn er müßte in den Teilen seines Wesens so verschieden sein, wie die Menschen, und ganz disparate Dinge würden in ihm ein Unterkommen finden. Der Nationalsozialist hält den Kapitalismus für einen Ausfluß jüdischen Geistes, der konservative Unternehmer behauptet das Gleiche vom Sozialismus und vom Kommunismus. Im Jargon der Judenfeinde nennt man das vom jüdischen Geiste beeinflußte Kulturgut „verjudet", und es ist fast grotesk zu beobachten, was dann alles so bezeichnet wird. Daß die moderne Literatur, die moderne Kunst, das Theater, die Journalistik, die Sozialpolitik und alle sonstigen Uom jüdisch»« Geiste. Goldmann,