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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 70

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 70 (sequence 12)
Language
German
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70 Kann es nach all dem Gesagten noch zweifelhaft sein, welches das Mittel ist, nm hier Wandel zu schaffen? Wir glauben, nein. Die Tatsachen reden deutlich und laut, die Zergliederung der Ursachen zeigt es klar: es ist die Gründung eines „Vereines jüdischer Studenten", welcher das Zeichen des unabhängigen Judentums aufpflanzt und alle, die unserer Gesinnung sind, unter sein Banner versammelt. Dieser Verein wird schon durch sein bloßes Auftreten das fast erlöschende Bewußtsein wird er beleben, daß wir Juden sind, daß wir einem großen Ganzen von kulturgeschichtlicher Bedeutung und historischer Berechtigung angehören, und daß diese Zugehörigkeit für die Gegner kein Gegenstand der Mißachtung, für uns kein Grund der Beschämung sein kann. Der Verein wird vor allem, als sittliches Fundament seiner Wirksamkeit, den Wert des Judentums seinen Mitgliedern in Erinnerung bringen. Wir sind der festen Aeberzeugung, daß die jüdische Religion, so gut wie nur irgend eine andere, imstande ist, zu sittlichem Handeln zu erziehen, den Charakter zu bilden und selbst dem philosophischen Denker einen Kultus von reinen Formen und tieferem Gehalt zu bieten. Die Mitglieder eines solchen Vereins werden unfern Gegnern eine bessere Meinung vom Juden beibringen, indem sie ihre Abstammung offen und mutig bekennen. Wer sich selbst nicht achtet, wer seinen Glauben und seine Herkunft verleugnet, kann sich nicht wundern, wenn er die Achtung selbstbewußter Gegner verliert. Nur ein Verein jüdischer Studenten, der als solcher mit offenem Visier seinen Feinden gegenübertritt, wird imstande sein, Männer zu erziehen, die im späteren Leben ihre ganze Persönlichkeit, ihren ganzen Einfluß für die Verteidigung des Judentums und seiner Rechte einzusetzen gesonnen sind. Wir sehen die Einwände, die man unserem Vorschlag machen wird, voraus: Nicht abschließen dürft Ihr Euch, nicht die Gegensätze hervorkehren, Ihr müßte bestrebt sein, die Gegensätze zu verwischen, Euch jenen zu assimilieren. Nun, dieses Mittel ist wahrhaftig nicht unversucht geblieben. Jenes Streben, das oben gekennzeichnet wurde, das Streben, mit christlichen Kommilitonen zu verkehren, ihren Umgang dem der Glaubensgenossen vorzuziehen, ist es nicht der unzweideutige Ausdruck des Wunsches, sich jenen zu assimilieren? Aber diese Bemühungen haben hier, wie in andern Kreisen, nicht den erwünschten Erfolg gehabt. Statt uns ihre Freundschaft zu erwerben, hat die Verleugnung unseres Selbsts nur dazu beigetr.agen, die Achtung zu zerstören, die ein fester Charakter auch dem Gegner abzwingt. Wie wir uns auch bemühen werden, wir werden es ihnen niemals rechtmachen. So bleibt uns nichts übrig, als es uns selbst recht zu machen und mit vereinten Kräften uns gegen den Ansturm zu verteidigen. Wir vertreten aber dabei den Grundsatz, und werden durch unser Verhalten den Beweis dafür liefern, daß wir Juden und zugleich Deutsche im wahren Sinne des Wortes sein können. Wir wollen uns zu Männern erziehen, die alle Anforderungen, die der Staat an seine Bürger stellt, mit Begeisterung und Pflichttreue erfüllen, und gemeinschaftlich mit unseren christlichen Mitbürgern an der Lösung der großen Aufgaben der Zeit Mitarbeiten. Ein Zusammenschluß der Juden bedeutet keineswegs einen Abschluß nach außen. Wir werden den Verkehr mit unseren christlichen Kommilitonen keineswegs abbrechen. Wenden wir uns doch nicht gegen die Christen als solche, sondern nur gegen antisemitische Uebergriffe. Eine solche Haltung ist durchaus nicht ohne Vorbild. Haben sich ja schon andere Kreise, wie die jüdischen Logen, zusammengeschlossen, ohne daß deshalb der Verkehr mit den christlichen Mitbürgern Schaden erlitten hätte. Ein zweiter Einwand wäre der, daß zur Bekämpfung des Antisemitismus am zweckmäßigsten alle tolerant Gesinnten, Juden sowohl wie Christen, vereinigt würden. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß ein solcher Verein doch hauptsächlich Juden zu seinen Mitgliedern zählen würde und demgemäß die oben geschilderten Uebelstände solcher Vereinigungen sich voraussichtlich wiederholen müßten. Uebrigens sind auch konfessionell abgeschlossene Vereine an der Universität nicht ohne Beispiel. Wir erinnern an die hiesigen zwei Katholikenvereine, die sich bekanntlich eines großen Anhanges und weithin reichenden Einflusses rühmen können. Wenn es sich nun um die praktischen Zwecke des Vereines handelt, um die Mittel, mit denen jene Prinzipien und Ziele verwirklicht werden sollen, so sind es vor allem die Leibesübungen, die seit den Tagen des Altertums als das mächtigste Moment für eine harmonische Entwicklung des ganzen Menschen, für Ausbildung des Körpers wie des Charakters bewährt sind. Haben wir doch auch in den Freiheitskriegen genügsam die Erfolge von Jahns und Friesens Erziehung gesehen. Bis jetzt aber ist uns die Gelegenheit hierzu, wie schon bemerkt, fast vollständig verschlossen. Darum muß unser Verein zunächst eine Pflegestätte sein für jegliche Leibesübungen, wie Turnen, Fechten, Rudern, Schwimmen. Wir müssen das Odium der Feigheit und Weichlichkeit, das auf uns lastet, mit aller Energie zurückweisen, indem

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