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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 69

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 69 (sequence 11)
Language
German
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sehen Kommilitonen findet sich besonders bei den Vereinen für Pflege der Leibesübungen, die von so hervorragender Wichtigkeit gerade für den Studenten sind. Gelingt es dem einen oder andern, seine Aufnahme^ zu bewirken, weil er gewisse äußere Anforderungen erfüllt, vielleicht auch seine Abstammung klug zu verbergen weiß, dann sieht er sich gezwungen, um seine Stellung im Verein nicht zu gefährden, den Verkehr mit seinen jüdischen Kommilitonen möglichst einzuschränken, und erkauft eine zweifelhafte Freundschaft mit dem Opfer seiner Gesinnung und dem Verlust seiner natürlichsten Beziehungen. Eine geringe Anzahl von Vereinen — von den Fachvereinen abgesehen — nimmt allerdings Juden auf und zahlt deren vielleicht eine relativ große Zahl zu ihren Mitgliedern; aber hier ergibt sich in Konsequenz der ganzen ungesunden Verhältnisse eine Tatsache, die ebenso unleugbar, als beklagenswert ist. Die jüdischen Mitglieder wehren sich mit der Zeit selbst gegen den Eintritt ihrer Glaubensgenossen, um durch ein „Ueberwuchern des jüdischen Elements" ihren Verein nicht zu kompromittieren. Wir sind hier an einem Punkt angelangt, der eine eingehende Erwägung verdient, und wobei wir uns einige bittere Wahrheiten eingestehen müssen. Wenn unter den jüdischen Studenten die einen um die Gunst der Christen buhlen, die andern ihren eigenen Glaubensgenossen abweisend gegenüberstehen, so ist beides ein Beweis, daß diese Elemente sich ihres Judentums schämen. Das ist der Grundschaden, der die Lebenskraft des Judentums untergräbt. „Hhic omne principium, huc refer exitum." Es ist, als ob mit dem selbstbewußten Stolze des Juden auf seine Abstammung der behebende Geist aus jenem Organismus gewichen wäre, der dem wütenden Anprall der Jahrhunderte standgehalten hat. Wer sich des Judentums schämt, der wird es auch nicht verteidigen, ja er wird es verleugnen, sich von ihm lossagen, und wenn diese Gesinnungen immer allgemeiner werden, dann geht das Judentum seiner Auflösung entgegen. Daß aber die obengeschilderten Zustände nur dazu beitragen können, solchen Gesinnungen Vorschub zu leisten, ja sie zu erzeugen, kann keinem Zweifel unterliegen. Vor allem beklagenswert ist ihre Wirkung auf den jungen Studenten, der soeben vom Gymnasium kommt und auf der Universität die Verwirklichung seiner Ideale sucht. Gerade er bedürfte eines äußeren Haltes, da sein Geist noch nicht die Erfahrung, sein Charakter noch nicht die Festigkeit besitzt, welche erforderlich ist, um die zahlreichen Versuchungen und Kämpfe erfolgreich zu überstehen. Schon auf der Universität hat der jüdische Student reichlich Gelegenheit, die ganze Schwere des Hasses und Hohnes zu erfahren, die jeder Jude aus dem öffentlichen Leben an unfern Gegnern kennt. Will er diesen Anfeindungen die Spitze bieten, will er den Kampf aufnehmen, so muß er ihn mit ungleichen Waffen führen. Vor sich hat er einen ungleichen Gegner; eigene Vereine sind gebildet, um den Kampf gegen das Judentum wirksam zu führen; selbst aus Kreisen, die außerhalb der Universität liegen, erhalten die Gegner moralische und materielle Unterstützung. Angesichts einer solchen erdrückenden Uebermacht muß der jüdische Student notwendig sein Selbstvertrauen verlieren, und es ist nur begreiflich, wenn er kleinmütig den Kampf aufgibt. Ja, noch mehr! Die Verwerflichkeit des Judentums wird auf jener Seite mit einer Ueberzeugung und einem Feuereifer gepredigt, daß der Jude an der Gerechtigkeit seiner Sache, an der Berechtigung des Judentums selbst irre wird, zumal eine Kenntnis der Prinzipien des Judentums und seiner unbestreitbaren Verdienste um die alte sowie die moderne Kultur den meisten fehlt. So gewöhnt er sich schließlich an die Auffassung, seine Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme als ein Unglück zu betrachten, das nicht zu ändern und geduldig zu tragen ist. Er vergißt völlig, daß er nach den Prinzipien der Vernunft und der Humanität berechtigt und verpflichtet ist, eine Gleichstellung zu verlangen, und verliert mit der Hoffnung auch das Streben nach Besserung der Zustände. So bilden sich jene schwachen Charaktere, die im späteren Leben nur darauf bedacht sind, wie sie selbst mit heiler Haut durchs Leben kommen, und weder den Gemeinsinn pflegen, noch auch für ihre eigensten Rechte mannhaft in die Schranken treten. Niedergedrückt durch all diese Zustände, verbittert durch den fanatischen Haß der Gegner und die Gesinnungslosigkeit der Glaubensgenossen ziehen sich auch diejenigen unter uns, die sich noch ein Gefühl für Unabhängigkeit und persönliche Würde bewahrt haben, vom allgemeinen Studentenleben zurück, indem sie in ihrer Vereinzelung an der Verbesserung der Verhältnisse verzweifeln. Wohin wir also unseren Blick richten, überall sehen wir unter unseren Glaubensgenossen Zersplitterung, Abschließung, gegenseitige Verleugnung, Mangel an Selbstvertrauen und an Selbstachtung. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Einheit unserer Interessen ist uns verloren gegangen, und so kommt es, daß der jüdische Student ohne Einfluß und ohne Achtung, haltlos und ohnmächtig dasteht.

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