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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 66

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 66 (sequence 8)
Language
German
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66 „Ich kann mich nicht bereden lassen, Macht mir den Teufel nur nicht klein! Ein Kerl, den alle Menschen hassen, Der — mutz was sein!" Bleibt noch der Gemeinsamkeitsschädling — der Jude als Gemeinsamkeitsschädling! „Verderblich!" — Es ist gar nicht so übermäßig schwer, Zusammenhänge herauszufinden, wenn man sie nur sehen will. Es war auch nicht gerade eine siegreiche Zeit für Deutschland, als Goethe im Hauptquartier der Verbündeten — 1792 — die denkwürdigen Worte sprach: Von hier und heute schreibt sich ein neuer Abschnitt der Universalgeschichte — und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen!" Sollte nicht doch auch um 1926 herum so etwas wie eine neue Zeit sich anbahnen? Sollte nicht aus dem Unsinn des Kampfes der „Interessen" von 1914—1918 ein leichter Hauch vom Sinn der „Ideen" erkennbar sein? Soll man ihm einen Namen geben? Locarno, Völkerbund, Paneuropa!? Nur eine Andeutung des Werdenden umgäbe ihn. Ansätze in Mängeln. Ausdruck des Geistes ist die im Politischen wie im Menschlichen—im Grundlegenden—gleich wunderbare und darum vielgeschmähte Reichsverfassung. Ich wiederhole: Ansätze in Mängeln. Aber die besten Geister suchen ihm Form zu geben, Inhalt in ihn hineinzulegen. Die stillen Denker, die großen Geister beschäftigen sich mit ihm. Die Politiker behandeln ihn — äußerlich. Wenn das Denken mehr die Massen erfaßt haben wird, werden sich die Politiker ihm auch im Empfinden nähern und ihn wirksam werden lassen, wie Politik Wirkung sein soll und muß. Wenn die Finsterlinge und Rückschrittler ihre verstaubten, verrosteten, vergifteten Waffen an erster Stelle gegen Juden richten, ja — liegt da nicht eine ungeheure Ehre und Anerkennung darin — wenn auch vielleicht nicht gerade ein Vergnügen —? Die Anerkennung, daß Juden die Wegbereiter alles Kommenden, Geistigen, Kulturellen sind. Wer wäre auch dazu mehr geeignet als die, die von Jahrtausend altem Leid zu erzählen wissen, die das Leid gelebt haben und den Gedanken gegen die Materie erhalten haben. Man richtet die Angriffe gegen die Juden und meint die kommende Zeit. An kommenden Dingen in harter Zeit Wegbereiter gewesen zu sein, dürfen sich die alten Viadrinen rühmen. Manche der Alten sind nicht einig mit den Jungen über die Form, in der in einer gärenden Zeit der Kampf weiter geführt werden soll. Die Streitfrage sei hier nur berührt, nicht ausgerührt, aber einig sind sie alle in dem Wunsche, daß auch die Jungen von dem Geiste des Kampfes erfaßt sein mögen, der sein wahres Wesen ausmacht, von dem Geiste der Sache, des Gedankens, des Ringens um ein hohes Ziel, des Einsetzens der Persönlichkeit — frei von allen Aeußerlichkeiten. Dann wird der K. C. seine Bedeutung auch für die Zukunft behalten. Die Probleme. Von Dr. Eugen Schmidt (Lic.), München. Probleme! Wir haben ihrer genug! Es ist nun einmal so, daß wir problematischer sind als die anderen. Man mag das bedauern, man mag es gutheißen, weder die Billigung, noch die Mißbilligung ändert etwas an den Tatsachen. Gewiß sind die Vorteile groß, die die unproblematische Natur hat, die Sicherheit, die Unbekümmertheit, mit der sie im Leben steht, die Freiheit von Hemmungen. Aber auch der problematische Mensch hat seine Stärken, das Ringen mit den Konflikten, das ständige Suchen nach dem Rechten, die Tapferkeit und die hohe Zuversicht, die hinter all diesen Kämpfen steht. Von unserer Seite, wie von anderer Seite wird uns geraten, die Problematik zu lassen — als ob man sie ablegen könnte, wie einen Mantel — wir sollen nicht soviel grübeln, spintisieren, nicht so rationalistisch sein! Aber alle diese seelischen und gedanklichen Erscheinungen sind ja nicht etwas Willlürliches, das abzuändern vom Belieben des Betreffenden abhinge, sondern sind etwas notwendig Gegebenes, Unwillkürliches. Daß wir problematisch sind, ist ein Zeichen, daß wir die Probleme noch nicht gelöst haben. Nur über die Lösung der Probleme führt der Weg in die Freiheit. Es hat keinen Zweck, das Vorliegen der Probleme zu bestreiten. Im Gegenteil, wir müssen sie erkennen! Wir sind Korporation! Aber wir sind keine Korporationen, wie die der nichtjüdischen Studenten. Für uns ist die Korporationssorm nicht so selbstverständlich, wie sie vorläufig noch für diese ist, in dem sie, für sich die allen Formen beibehallend, die Restaurierung der alten Formen des Staates fordern. Für uns ist es nicht so selbstverständlich, daß der Student zum „Führer der Nation" auserkoren sei; denn niemals ging durch unsere Korporationen der Weg zu den kurulischen Sesseln, wir hatten es also auch nicht nöttg, diesen an sich höchst prosaischen Vorgang mit der Vorstellung einer gottgewollten Führerrolle idealistisch zu verbrämen.

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