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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 64

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 64 (sequence 6)
Language
German
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hierzu. Stellung genommen und dargetan, wie gerade der Zionismus der vorbezeichneten Richtung" seinen Anhängern jede Bekämpfung des Judenhasses unmöglich machen muß, weil er sich mit der Grundauffassung -er Judengegner, nämlich der Fremdheit der Juden in Deutschland, identifiziert". Für unsere weitere Arbeit müssen wir uns freilich immer stärker bewußt werden, daß es nicht genügt, nur die Gesinnung und Stimmung der deutschen Juden im Sinne unserer Idee zu erobern, daß es vielmehr darauf ankommt, den K. C.-Geist in unseren Reihen und außerhalb derselben, weit mehr als bisher in aktivem Tun zu verkörpern und zu bewähren. Dies gilt vor allem für unseren besonderen, engeren Aufgabenkreis, den Kampf an den deutschen Hochschulen. Hier, auf akademischem Boden, ist heute die Entscheidung für alle auszutragen, indem hier die Energien der judengegnerischen Zersetzung und Verhetzung, unter Irreführung der vaterländischen Gefühle der akademischen Jugend, um tiefften eingedrungen und sich erhalten haben. Wir werden in diesem Kampf nur bestehen, wenn wir lebendig und jugendlich genug find, um unter Wahrung des guten alten Kerns diejenigen Formen für unsere Arbeit zu finden, die der neuen Zeit, ihrem Geist und ihren Bedürfnissen entsprechen. Der K. C., die erste jüdische Jugendbewegung, überhaupt die erste jüdische Bewegung unserer Zeit, muß sich seiner Tradition bewußt sein und die großen Probleme und Aufgaben unserer Tage in jugendlicher Kraft und Unbedingtheit aufsich nehmen. In dem Ringen der Jugend, die neue Zeit zu gestalten, und öle gewaltigen Fragen, die sich hierbei in den Weg stellen, zu lösen, muß der K. C. wieder an führender Stelle stehen. Zu diesen Fragen gehört in ganz. besonderem Sinne die jüdische Fraget. Die ganz besonderem Sinne die jüdische Frage. Die Verirrung zu einem nationalen Judentum war nur möglich, weil wir die jüdisch-geistigen Ideen, die den religiösen Kern des Judentums bilden, mehr und mehr verloren hatten. Auf der Suche nach dem Judentum hat der Zionismus den bequemeren Weg versucht und, wie dies Kb. Holländer in dem oben erwähnten Aufsatz formuliert, an die Stelle der schwerer erreichbaren „ewigen Güter des Judentums die zeitlichen Güter des heutigen Nationalismus gesetzt". Die Auseinandersetzung mit dieser nationalen „Entjudung", die immer nur von der Entjudung der anderen spricht wird erfolgreich nicht möglich sein durch die bloße Negative der Ablehnung und Bekämpfung des jüdischen Nationalismus, sondern nur durch die Wiedererringung des Judentums in seinem positiven religiösen und geistigen Kern. Die jüdische Jugend hungert nach diesem ihrem Judentum. Sie sucht den Weg zu dem alten neuen Gut. Möge es der K.C.-Iugend und mit ihr der ganzen jüdischen Jugend gelingen, sich diese ewigen Werte des Judentums zu erarbeiten! Zu unseren festlichen Tagen füge ich den Wunsch hinzu, daß nach' weiteren 10 Jahren, wenn der K. C.-Wegweiser auf ein 50 jähriges Bestehen zurückblicken kann, das deutsche Vaterland sich zu neuer Blüte entwickelt haben möge, befreit von den zersetzenden Giften des Rassenhasses, gefestigt im alten Geiste von „Einigkeit und Recht und Freiheit". Das Meserr des Kampfes. Von Alfred Goldsch Kampf! — Was ist Kamps letzten Endes anderes als ein Ringen gegen den Pessimismus, ein Einsetzen und Behaupten der Persönlichkeit allen Widerständen zum Trotz — wie auch immer der Ausgang sei. Ein Ringen gegen den Pessimismus! Im Kampfe liegt Hoffnung. Ein hoffnungsloser Kampf ist ein Widerspruch in sich selbst — ist eine Sache, deren Anfang gewissermaßen schon das Ende ist, etwas, das sich selbst auflöst — jedenfalls keine Sache der Jugend. Im Herbst des Jahres 1886 schlossen sich 16 jüdische Studenten — ältere und jüngere — zusammen, um ihre Seele vor den Einwirkungen einer Umwett zu schützen, die geeignet war, die schönsten Triebe jugendlicher Herzen: Stolz, Selbstbewußtsein, Unbefangenheit für immer zu i d t, Viadrinae-Br. vernichten. Die Stöckersche antisemitische Bewegung hatte auf deutschen Universitäten ihren stärksten Ausdruck gefunden. Breslau war ein besonders fruchtbarer Boden. Man versuchte, nach Wiener Muster den jüdischen Studenten durch Satisfaktionsverweigerung für ehrlos zu erklären. Die Antwort war eindringlich, wirksam, sie brachte der studentischen Ehrauffassung der Gegenseite einen Defekt bei, der nur durch Genugtuung, die auch eine solche für die jüdische Seite war, ausgeglichen werden konnte. Die Freie Verbindung Viadrina*) wurde am 23. Oktober 1886 zu Breslau mit eigenen Waf- *) Konfer. „Zur Geschichte der Freien'Verbindung Viadrina und ihrer Nachfolgerinnen". Vom Verfasser. K.'C.-Jahrbuch 1906 — herausgegeben von Dr. Bruno Weil. Verlag Zosef Singer, Straßburg im Elsaß und Leipzig.

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