KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 21 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1038 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1088 Schließlich treten Eigenschaften hinzu, die Ueberbleibfel einer morgenländischen Herkunft sein können.' Die Meigung aller -Orientalen zum Nachdenken,. zum Ähren über-die letzten, tiefsten Dinge und übex den Gottesbegriff (ehem. jüdische Theokratie), die Freude an Spiel und Lunten Dingen und schließlich die Patriarchen-Anschauung, in seinem Hause über alle Familienmitglieder bis an das Lebensende zu herrschen: (Altes Testament, römisches Recht, Mittelalter.) Das Ergebnis solcher Faktoren ist bestimmbar. Ein solcher Mensch ist von starker Unruhe gepackt, weil - er — neben dem Kampf um das tägliche Brot, wie ihn alle kämpfen — sich immer noch in Angriffs- oder Abwehrstellung befindet. Für ihn verläuft das Dasein nie im gleichen Tempo. Die seelische Bedrängnis rüttelt dauernd an dem innersten Kern seines Wesenskurz gesprochen: einmal täglich wird ihm doch sein Judentum vorgeworsen. (Der verständnislos blaffende Witz einer, an irdischen und geistigen Gütern armen Klasse machte daraus «jüdische Hast".) Ein solcher Mensch, der Gedankenarbeit seiner Staatsleitung gewaltsam entfremdet, denkt doppelt tief über sich und seine Wissenschaft oder den Beruf nach. Ein solcher Mensch schließlich, dem Einfluß des StaaW willenlos als „Objekt" in die Hand gegeben, zieht sich (— auch deshalb —) rmit besonderer Wärme in seinen Kreis und seine Familie zurück; dort vor allem sucht er die ihm draußen versagt gebliebene Harm» lofigkeit -und Erheiterung, durch Glanz und Scherz und Farben. Wer sieht nicht schon eine Formel? Schließlich bedenke man die seit langen Zeiten fortgesetzte geistige und körperliche Inzucht. Welche Seltenheit, daß jüdische und christliche Familien einen Verkehr unterhalten, der über die nackten Förmlichkeiten hinausgeht und Jahre andauert? Oder eine Heirat? Fast ein Ereignis, daß lange Zett in beiden Lagern besprochen wird. Alles' Aeutzerltchkeften, die jedoch erst recht scheiden, weil gerade sie ohne jedes Nachdenken auch dem Dummen ins Auge fallen. So kommen wir den Dingen näher. Die durch die Verhältnisse noch stark geförderte Neigung zum Nachdenken macht das „Innere" aus, die besondere Stellung zur Umgebung bedingt das „Austreten" (— etwas mehr Schaum spielerisches —) und die von der Natur mitgegebenen Dinge, wie Figur, Sprache, Haarfarbe, bilden das „Aeußere". Auftreten und AeutzereS ergeben endlich „das Wesen", — diesesanscheinend unfaßbare, dabei aber beständig besprochene Ding,' das so vielen Mitläufern als unangenehm, als „jüdisch" erscheint. Fragten sie denn jemals, ob nicht auch ihnen manches Unangenchme eigen? Erst der Krieg hat vielen (insbesondere die niemals hellhörig im Auslande waren oder -nicht Imehr des - Lernens zu bedürfen-glaubten) die Augengeöffnet, he^ sonderSLüber die unsagbarstaken Widerstände, die alle - - Deutschen — i, insbesondere Arier vom reinsten 7 Blute — fanden: Vielleicht ist nun die Zeit der: Einkehr gekommen? Für den einzelnen sind die beiden Faktoren, die nach meinem Sprachgebrauch das Wesen ausmachür, nicht - entscheidend. - Sie find > leicht zu beurteilen, aber nicht typisch, weil — wenn auch manchmal schwieriger—veränderlich. Außerdem auch nicht allgemein. Juden gibt's genug, die blond, ruhig und ohne Verständnis für Kunst und Denkarbeit finddiese machen im Leben leichter' und rascher als andere ihren -WeL Wirklich charakteristisch kann nur das „Innere", die „Seeles sein, Veranlagungen, Neigungen, Denkweise und Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben, vertieft und vererbt werden, sodaß sich der Urenkel dennoch dem Urgroßvater seines Urgroßvaters verwandt fühlt, so fühlen muß, wie Glieder einer Kette. Wie Bilder, die derselbe Meister, aber in verschiedenen Lebensaltern gemalt hat. Das wirklich Typische am Juden, (— wie an jedem Menschen —) ist sein Inneres, d. h. seine Neigung zur Philosophie, -zum Erschöpfen des geistigen Inhalts, der Dinge letzter Ursprung soll erfaßt, alles Unwichtige abgefäeift werden. Das Körperliche und Aeußerliche verliert seine Bedeutung, nur der Kern aller Fragen wird angesaßt. Der Drang nach dem wirklich und allein Wesentlichen, nach der Tiefe im Denken — das ist das Kennzeichen. Hier beginnen die Wege zur Erkenntnis und zur Erklärung des deutschen Judentum-. -1 ' •' -'vT Nur kurz kann ich andeuten, welche Schlüffe hieraus zu ziehen sind: Die Neigung zur rednerischen Darstellung, zur logischen, synthetischen Entwicklung aller Gründe, zum künstlerischen Erfaßen gcht darauf zurück. Meininger, selbst Jude, hatte. nicht Unrecht, in seiner Menschenkonstruktton dem Juden mehr. >,W§, mehr Künstlertum zuzuschreiben. Judm, Künstler, Frauen und Kinder, alle vier kennzeichnet eine Naivität, eine Offenheit, die bis zur Grausamkeit — auch gegen sich sAbst — geht. Sie haben eine, wenn auch entfernte Verwandtschaft. Daher auch kommt die Schmiegsamkeit, die „VerquitAmgSfähigkeit" und der „Merkantilismus" (vgl. K. C.-Blätter, 16. Heft, S. 837—58, März-April 1917). Nur Menschen mit langgeschultem Gehirn fassen rasch das Wesentliche. Intuitive, psychologische Kenntnis macht ihnen die bittere Forderungsich einem anderen Kreise anschließen zu müffen, leichter erfüllbar: Ihre Seele ist darauf abgestimmt.