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KC-Blätter · 1918-04-01 · Heft 21 (April 1918) · p. Seite 1037

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 21 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 1037 (sequence 19)
Language
German
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Selten/öffentlich «und' deutliche Sturms gelaufen: Das weiß jeder.DieseUmständerufenseelische Not hervor/ solange noch eine:deutsch fühlende, deutsch sein wollende Seele - da ist.' Seelische Not verlangt aber gebieterisch Entladung: In Werken öder^WortenU^sSv auch im schriftlichen Niederschlag aller-Gedanken/sdeV Literatur — Zweig ist ein Dichterwill es / sein,« i^r Zweifel' los. Ihnen, denen, nach Goethes unsterblichen Worten ein Gott gab, zu sagen/--wassianleihen, ist es Vorbehalten,, einen machtvollen Ausdruck der; Qual zu finden.^ Nicht. immeK bewußt, aber merkbar, künstlerisch merkbar. Denn, so sagt Wilde in der Vorrede - zum Dorian Gray, — „alle Kunst ist nutzlos". Sie darf, keinen-Zweck als de» in sich selbst haben. Das Motiv, .der künstlerische Vorwurf darf - nicht. Ziel -werden, nicht zur Tendenz ausarten. Bei Zweig,, der noch anderes als das. vorliegende Buch schrieb, fand ich hier von alledem sehr wenig. So, und nicht einen Strich, anders, könnte ein Christ vom reinsten Blut geschrieben haben.- Ein Künstler, der strenggläubiger Katholik - ist,. würde diegeschilderten Dinge nicht anders sehen.; Eine politische Gesinnung vollends ist nirgendwo: erkennbar. An einer Stelle aber wenigstens müßte doch die rein „jüdische", dem Deutschtum gar so fremde Art einmal zum Vorschein kommen. So ließe sich entweder der Rückschluß machen: eine seelische.Not--der?.deutschen Juden bestehe nicht.;; Das ist offenbar falsch: l Oder aber: Zweig sei davon nicht ergriffen. Dasist ebenso falsch. Der dreißigjährige Schlesier hört sehr gut und ist —. wie andere Schriften beweisen — an solchen Dingen nicht vorbeigegangen. Qind restat: Zweig, der deutsche Dichter, hat sich hier rein in den Dienst seiner Kunst gestellt. So ist es auch.' Kein Unterschied findet sich zwischen Zweig und anderen Dichtern unserer Tage.- In unsere Zeit hineingeboten, betrachtet er die Dinge, wie wir alle und beschreibt sie, wie seine ihm allein eigene Kunst befiehlt: er gehorcht seinem „Zwang zum Schaffen". Weiter unten werde ich noch - zeigen, daß er auch in seiner Stoffauswahl und Behandlung unwillkürlich einem noch darzulegendem Gesetz Unterliegt, — nämlich der Stimmung, die für dir unausgeglichene Zeit der letzten deutschen Generation typisch ist. Wie erwähnt, muß die Literatur eine- Volkes seine inneren Bewegungen erkennen lassen : — das Pendel unseres Ge-: mütes hält die Ruhelage noch nicht fest. An den beiden Enden der Amplitude stehen Weltflucht Und Lüge. Die Zeit jagt: -Die Lichter flackern. Ich wiederhole damit nur Meinungen anderer — es ist keine neue, aber dennoch bittere Feststellung. — Zu Zweig zurück: An einer einziges Stelle einer kürzen Skizze:scheint es/ als oü?solche§Worte nüueint Jude/ nur ein Mensch mit moderner jüdisch-deutscher Seele schreiben könnet Dies - aber bleibt« Ausnahme. Zweig ist ein l deutscher Dichter: Eine Eigenart als Dichter läßt sich finden/' als Jude unter deutschen Dichtern > aber keinesfalls. So war es ein Irrtum, zw-glauben der deutsche Jude müffe anders schreibenals der deutsche Christ. Als ob es eine' jüdische Abart innerhalb deutscher Kunst gehen? .könne. Der Fehler ist: - Deutschtum und Judentum: And kema gleichwertigen Kategorien, deutsch ist der Oberbegriff für alles, für alle Menschen, die deutsch. sein wollen. Denn die Zugehörigkeit: zn einer Nation wird gefühlt — und dann erst bewußt ausgesprochen. Nicht aber laut gepredigt und dann anempfunden. Man muß zuerst auf sich selbst hören. - Was heißt dann also jüdisch? Plotke (K. C.- Zeitung, März-April 1917, 16. Heft, S. 861) führt bei Besprechung Zweigs an: „Jüdischfein heißt, in einer bestimmten Weise menschheitlich lebend. Abgesehen von der sehr anfechtbaren Wortbildung „menschheitlich" ist diese Formel unbrauchbar, weil unbestimmt. Bedeutet „leben" : Nachdenken, Verkehr, Mitarbeiten, körperliche Zustände? Heißt „bestimmter Weise": sich in Anschauungen bewegen, die ererbt sind, oder aus eigenem Nachdenken geschöpft, oder je nach Laune gewählt? Ist z. B. „jüdisch", ein Kind nach seiner Verheiratung -; als durchaus selbständig und kalten Sinnes mehr als Fremden betrachten oder aber (— ich hörte einmal so —) ihm vorher oder nachher die zärtlichste Fürsorge widmen? ‘ Eine Begriffserklärung wird annähernd gefunden, wenn man die Summe aller, auf alle deutschen} Juden heut wirkenden Tatsachen zieht und deren Wirkung dann im einzelnen Menschen bezrv. in seiner Abweichung von der Bahn anderer sucht. Diese Summe, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sestgestelltbildet von da ab 'den seelischen Boden, auf dem die Persönlichkeit und die Nachkömmlinge erwachsen müssen. Ich gehe von den oben kurz angeführten bekannten Dingen aus: Diese halten den Juden am Boden fest. Sie genügen aber nicht, denn sie umfassen nur einen Teil der Tatsachen. Das Bild hat noch andere Farben. Zunächst: Die Juden find fast ausnahmslos und gezwungen in ,/freien" Berufen tätig und daher nicht gewohnt, in Formen Und Anschauungen zu denken, die von einer-zweifellos mächtigeren, jedoch nicht immer, zweifellos klügeren Stelle gewünscht werden. Im freien Beruf entscheidet die Leistung, der Erfolg des Mühens, das Näherkommen an eine von allen gleichermaßen gesuchte, niemals aber vorgeschriebene oder bestimmte Erkenntnis.

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