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KC-Blätter · 1918-04-01 · Heft 21 (April 1918) · p. Seite 1036

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 21 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 1036 (sequence 18)
Language
German
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geben und wäre ausgewandert. Die Erde ist frei und einen Ort findet noch jeder, wo er weniger Zwang und mehr Friede wähnt. . Mithin ist die letzte Ermügupg, ob überhaupt ein solch großer Gegensatz zwischen deutschen Juden und Nichtjuden vorhanden ist, daß Beide --ans, ewig geschieden find, daß die Juden. in deutschen Landen sich fühlen müssen wie ein Oeltropfen im Waffer, von allen Seiten eng umschloffen und dennoch unvermischbar. Wie ein fremder Vogel, der ein fernes Lied singt .... Meine Gedanken hierüber wurden veranläßt durch die UebersendÜNlg des „Gesch ichtenbuchs" von Arnold Zweig. Die Schriftleitung ging vielleicht davon aus, daß Zweig infolge seiner jüdischen Abkunft als jüdischer Dichter zu bewerten sei. Wäre dem deutschen Christen Antisemitismus eine innere Notwendigkeit, so müßte der deutsche Jude „Semitismus" in sich tragen. Spiegelt nun — wie dargelegt — die Literatur, insbesondere die der Erzählungen, alle tieferen Bewegungen notwendig wieder, so muß ein deutscher Dichter jüdischer Abkunft auch diesen Gegensatz zwischen sich und dem christlichen Bruder in Apoll zeigen. Demzufolge wäre zu prüfen, in welchen Merkmalen ein „Deutschtum" bestehen könnte und in welchen ein „Judentum". Sodann erst wäre die dichterische Leistung Zweigs nach drei Punkten zu werten gewesen: als Deutscher, als Jude und als Novellist. Das augenblickliche „Deutschtum" ist sehr schwer zu definieren. Die Gründe erörtere ich unten. Mit den allgemeinen Begriffen von Treue und Ehrlichkeit ist es nicht getan. Das gibt es auch bei anderen. Auf Dienstmädchen- Tugenden darf eine wahrhaft große Nation nicht stolz sein. Wenn überhaupt etwas entscheidend sein kann, so sind es vielleicht dauernde Seelenzustände, die allen Deutschen gemeinsam find und nur ihnen allein, zum Unterschied gegen andere Nationen. Wenn ich es wagen kann — obgleich über den Rahmen dieses Aufsatzes hinausgehend —, eine, vielleicht nur deutsche und typisch deutsche Stimmung anzuführen, so ist es die: einen, einmal erfaßten Gedanken ganz zu Ende gehen zu wollen — sei es auch ein an sich unwichtiger Gedanke. Sichtbar wird diese Eigentümlichkeit in zwei Eigenschaften: alle Leistungen, besonders gedankliche, werden in ihrer ganzen Breite und Tiefe erfaßt, ohne persönliche Rücksichtnahme wird der innere Weg zu Ende, gegangen (vgl. „Weg deS Thomas Truck" von Felix Holländer). Dieses macht aber das Leben schwer, man hat zuviel Gedanken und Erwägungen, um rasch dahinschreiten zu können: Man macht sich das^Leben selbst schwer.^ Sodann: wer alles verstehen rM, wM alles verzeihen, alles erklären. Zuviel seelisches. Entgegenkommen, dies wird S chwache - insbesondere dann, wenn manbeimanderendiegleiche innere Ehrlichkeit erwartet, ohne Berechtigung erwartet. GZrahe der. letzte Mug kennzeichnet m. E. den Deutschen undünterscheidetihnvon anderen- Oölkern. 'JWWsiWe^soWIBMer", dem Engländer/ der nM dest^ Grundsatz hat: rigdt or vrong, my cöuntryi Die Lateiner, Franzosen und Italiener, kennen eine solche Eigentümlichkeit Überhaupt gär niM: fiel doch dort das charakteristische WpÄ - stom nssLcro egoismo“. Schon Klopstock klagte „sei nicht zu gerecht". Und heute 7— Alfred Weber (Neue Rundschau, XXVI. Jahrgang/ 9. ^est, September 1915) führt in ' seiner Korrespondenz während dieses Krieges an : ^Objektiv sein können auf dieser Welt wohl nur"die Deutschen und vielleicht die Juden". Seite 1168 1/ — Ich v erlaffe diesen, dort weiter aus gesponnenen Gedanken. Aber man bemerke, wie sehr der deutsche Mensch, im allgemeinen sich dem) später von Mir gezeichneten jüdischen Menschen nähert, ihm ähnelt. Ich sehe darin auch nichts Sonderbares. Einmal ist eS Tatsache, daß der Jude sich fast stets zum Deutschtum, unsagbar tief verankert, hingezogen fühlt . . . . sonst wäre er ausgewändert, wie Rußland lehrt. Sodann - aber scheinen dies schon' Folgen der langsamen Angleichung aller Deutschen zu sein —, lang genug schon find Juden in Deutschland. Aus djssser Üeberlegung bereits mag man entnehmen, daß eS nie einen ernsthaften Gegensätz gab ja, daß die obige Fragestellung schon eine Äntithese ohne Sinn ist, einen Fehler enthält) / ... . Wie gesägt, eine Definition deS Deutschtüms hält sehr schwer. Dagegest läßt sich' das „Judentum" — und zwar daS astgenblickliche uyd deutsche — eher abgrenzen. Anhaltspunkte kann man gewinnen^ wenn manalle inneren und äußerest Umstände zusammenfaßt,, die augenblicklich den deutschen Juden gemeinsam sind. So z. B. die äußere Lebensstellung. Eine flüchtige Betrachtung lehrt* schon, daß die deutschen Juden stark im Machteil sind gegenüber den christlichen Mitdeutschen. Sie bilden nur knapp 1 vom Hundert der Bevölkerung) -gemeinsame Aeußerlich ketten,- andere Religionsausübung unterscheiden.sie., Biele Berussprtew — insbesondere Berwaltungs- und Offiziers lausbahn — bleiben ihnen vollständig verschlossen und letzten Endes wird gegen sie von vielen *) Lucia Dora Frost in ihrem ' Büch „Preußische Prägung" und Al. Graf Uexküll, Neue Rundschau, Januarheft 1915, sprechen etwas AehnlicheS aus.

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