Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1918-04-01 · Heft 21 (April 1918) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 21 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2268830-2268910-2268912--2120-3523689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

21. Heft Fottsetzungs- März-ApM 1918 Keixgsajtsg«che der nrue Me. Em Beitrag zur Psychologie der deutschen? lM^MichL^ühenftage,*)! ' :v.!iv/.V Von vr. M. Graetzer (Licariae). i . va: f *!nvl .Tiirnrn,;-. >. :*.* . . Lettwoxt: Werk' ich. zum Augenblicke sagen: «Berweue doch,. j»n bist sö schön! ' . Dann' magst du — — — zn Grunde geh'n". ' > . Goethe- Faust I ü. II. I. Listoiia st kaeta. DreihigJähxe werden im Leben eiyes Volkes alseine Heneration gerechnet. Dreiundvierzig sind es'..VoU'Mod^^1871.I,brs./1914., Nicht viel mehr als> eineMenschensäat durfte in dem neuen. Kaiserreich. .Yen Friehem genießen: Freilich war eß nicht : die 'feinabgMmmte Ruhe eines alten, aristokratischen Besitztümer) die Zeit wurde mHsy' .NfitcheZdigerweise daraus verwandt, eine innere Gleichgewichtslage auch der äußeren zu gesellen. Jede wirklich große Bewegung muß W auswirken:, wenn 7anch damals der letzte Sinn. solch einer GettGtsregung nicht immer beM Winzestren ffber die Schtvelle seines BewuMeins ftat,^ so müßfe, sie doch überall er^ keppbdr' wMtti. Hm - .stärksten aufGebieten, de^n'HusWuM^EMhxung, verlangt ustdÄderen BWie inHunst, in langsam reisender Kpnst gipfelt. Hierzu gehört das^ einem Volke' allein eigsne HArijMnjr^'seine. ,Lttexatnr>. Jm! gleichen Abschnitt. begann auch eine Ströstiung^ deren Ende iedoch heut noch nicht MüseJest ist: 'die Verfolgung"deffenwasviele deutsche Hichtjuden.Mt-'^Misch" bezeichyeten. Eine dMate/ zü stanz versDehendn Mdzwecken benutzte' Beweguüg^ mit- Satrimelnamey ,,Anttsemitismüs"^) Wogar über den Ursprung' herrscht WM^'VWWM'DiSmaÄ habe „die Klappe des Jüdenhesttils"^) geöffnet, um damit von gewissen - imkeWölttischeM Büßgängen abzülenken. lMan denkt Unwillkürlich' an die Haltung Napoleotts III. im Führe 1870 wegest der spanischen Thronfolge.) Sodann zwei seelische Gründe: Antisemitismus sei eine natürliche Folge des neu erwachten Nütionülftolzes, genauer: veranlaßt alsFolgeerscheinung von unliebsamen Vorfällen *) MÜ-elner Besprechung des „Geschichtenbuches" von Arnold.Zweig. .. >; Treffend sagte der österreichische Abgeordnete Kronawetter einmal: Der Antisemitismus ist die Sozialdemokratie des dummen, Kerls von Wien. 2) Ausdruck von Dr. B. Weil-Licariae, Straßburg. der Gründerperiode. Ferner: es bestehe tatsächlich - ein großer dauernder Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland. Noch andere Gründe werden angeführtdie obigen nenne ich als die wichtigsten. Gegen diö erstes Meinung spricht, daß eine künstlich entfachte Bewegung sich kaum so lange (bereits vierzig Jahre) uyd mit solcher Stärke durchsetzen kann. Gegen die zweite, daß andere, rnindepens ebenso tief national empfindende Völker einen Antisemitismus in der bei uns jetzt üblichen kraffen Form nicht haben. Zwar kennt man auch dort Unterschiede, besonders in redr persönlichen Fragen, und man läßt den Juden diese seine Zugehörigkeit spüren, aber man setzt Leistung, und Mitarbeit nicht herab. Man kargt auch dem Juden gegenüber in seiner Eigenschaft als StaatsMitglied keineswegs. mit Dank oder Vertrauensstellung. (Nebenbei: je mehr wir in Europa nach Osten gehen, Um so kleinlichere, würdelosere Formen nimmt der Antisemitismus an. Um so stärker ist, auch — ohne Beides verbinden zu wollen — die absolute Staatsgewalt ausgeprägt und die Hochachtung vor Geld — auch Trinkgeld — und Titel — auch leerem oder ererbtem Titels Mün stelle den Londoner Taxiführer neben den Muschik Podoliens). Bleibt also noch diel letzte Ansicht. Hier erheben; sich, zwei Untersragen: Bestehtwiälich ein tief klaffender Abgrund, und: wäre ein solcher unüberbrückbar.::; Rasch die zweite Frage: unüberbrückbar keinesfalls. Das. lehrt eine bekannte Statistik über die auffallend gute, glatte Karriere getaufter Juden in Deutschland (von B. Breslauer ausgestellt). Das kehrt ein Blick auf andero Staaten, in denen das — nach antisemitischer Theorie— so fremde jüdische Element sich viel, stärker; und rascher eingegliedert hat)- zum kleinen Teil ist übrigens ein Anfang in Süddeutschland gemacht. Schließlich: es halten sich fast alle deutschen jüdischen Familien schon - seit mindestens fünfzig Jahren und länger in. Deutschland auf (meine eigene, z^ B. nachweisbar seit 120 Jahren). Also bereits zwei und drei Generationen dieser Juden haben sich so anschließen können, so mitleben und Mitarbeiten müssen, daß nun zweifellos eine gewisse Annäherung stattgefunden haben müAe. Wäre aber ein Gegensatz tatsächlich so stark gewesen mnd: empfunden worden/ dann hätte die jüdische Minderheit: längst diesem Druck nachge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.