KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 21 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1030 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1090 waltung der Rheinprovinz gemeinsam mit der Stadt Bonn eine Studentenbücherei stiften, in dankbarer Anerkennung für alles das, was die rheinische Hochschule in stiller, ernster Arbeit sür die Entwicklung der tchemifchen Heimat wie des ganzen deutschen Vaterlandes geleistet hat. Die Stiftung einer Studentenbücherei soll besonders der akademischen Jugend gewidmet seinum die Anerkennung und den Dank für die begeisterte Hingäbe zu bekunden, mit der die Kriegsfreiwilligen in den Augusttagen 1914 und später immer wieder zum Schutze des Vaterlandes ausgezogen find. In der Vorlage an den Provinziallandtag, worin die Mittel zur Beteiligung an dieser Stiftung gefordert werden, sind die Euvägüngen für diese Bücherei eingehend dargelegt. Der Bestand der Unioersttätsbibliöcheken und der Büchereien der Seminare und Institute stcht dem Studenten nur zu besttmmten wissenschaftlichen'Arbeiten'zürBerfügung, kann aber in der Regel nicht zur.Förderung seiner Allgemeinbildung und noch weniger zu lediglich anregender LekEre benutzt w«ckeu. Den Aniversitätsbibliothüken fehlt mehr oder minder die zeitgenössische schöne Literatur in Poesie und Prosa und die große, vielfach für die Beurteilung der Tagesfragen und damberHinaus wichtige Brofchürenliteratur, weiter kann die Universitätsbibliothek die Zeitschriften nicht in dem gebotenen Matz berücksichtigen und noch weniger die Tagespreffe des In-und Auslandes, alles Dinge, deren Kenntnis für den vorwärtsstrebenden Studenten nicht zu entbehren ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Schaffung einer Stätte, die dem Studierenden unter kundiger Leiwng und in bequemer, feinen Verhältnissen angepatzter Form die Möglichkeit bietet, die Fühlung / mit dem geistigen Leben der Zeit zu -Halten, sich in Wiffenfchaft und Lkunst, in Wirtschaft und Politik umzusehen und aus dem ewig sprudelnden Bronnen der Dichtung wieder neue Frische und Kraft zu schöpfen. Zu diesem Zweck soll die Srudentenbücherei neben die Universitätsbibliothek treten, um sie zu ergänzen, wo sie versagen mutz. Dabei soll sie dem Lesenden ihre Schätze in gröberer Freiheit und Behaglichkeit bieten, als es eine Universitätsbibliothek kann, und vor allem in Ausdehnung der Zeit der Benutzung, namentlich in den Abendstunden, möglichst weit gehen. Eine gewisse Verbindung der Studentenbücherei mit der Universitätsbibliothek wirb die Verwaltung vereinfachen und verbilligen und auch die Mängel beseitigen, an denen die Leseinstitute an den Universitäten bisher meist gescheitert sind. Die Studentenbücherei soll aber unabhängig neben der Universitätsbibliothek stehen und nach ihren eignen Grundsätzen verwaltet werden. In Bonn liegen die Verhältnisse besonders günstig, weil dort ein Neubau für die Universitätsbibliothek geplant ist und ein Schenkgeber ein Grundstück an der Poppelsdorfer Allee in einer Lage gestiftet hat, wie sie für die Studentenbücherei nicht besser gewünscht werden könnte. Der Kultusminister bringt einer solchen Studentenbücherei rege Förderung entgegen und billigt die Verbindung mit der Universitätsbibliothek durchaus. Bis zum Neubau ber Universitätslibliothek wird die Staatsregierung voraussichtlich andere Räume zur Verfügung stellest. Was die Kosten angeht, so sind für dienotwendigen Räume im Neubau der Universitätsbibliothek ejn einmaliger Baukostenbeitrag von 210000 Mark, M die innere Ausstattung 50 000 Mark und für hie erste Bücherbeschasfung 40000 Mark vorgesehen. Bon diesen einmaligen Kosten vön 300000 Mark wollen die Provinz und die Stabt Bonn je 150000 Mark trägem Für die lausenden Kosten der Verwaltung und der regelmäßigen Ergänzung des Bücher- und Zettschristenbestandes will die PWviuzialverwaltung jährlich 12000 Mark in den Haushaltsplan für Kunst und Wissenschafteinstelle« Soweit die kaufenden Kosten durch den Bettrag der Provinz nicht gedeckt werden, soll eine geringe Gebühr von den Studenten erhoben werden. Beschräukung der Zulassung Mischer Studenten an der Wiener Universität fordert ein Antrag des christlich? sozialen Abgeordneten Or. Jerzabek und Genossen im Abgeordnetenhause. Dieser neueste antisemitische Borstoß fordert vom Unterrichtsministerium Erklärung, „was. er veranlassen wolle, um eine Ueberflutung der Wiener Hochschule, besonders der Wiener Universität mit jüdischen Hörern entgegenzutreten, ob er geneigt sei, für die semitische Hörerschaft der Wiener Universität einen numerus clausus einzuführen, daß künftig jüdische Studenten nur: in einem der Anzahl ihrer in Niederösterreich seßhaften Glaubensgenossen entsprechenden Prozentsätze zur Inskription zügelaffen und analoge Maßnahmen zur Wahrung der Rechte der arischen Studentenschaft und Hintanhaltung ihrer Verdrängung durch semitische Eindringlinge auch bei den übrigen Universitäten Oesterreichs getroffen werden." — In Rußland sind die Beschränkungen kaum abaeschafft, und in unserem verbündeten Nachbarlande will man sie wieder einführen! Gewiß hat der Antrag keinerlei Aussicht auf Annahme, wohl ist er aber kennzeichnend für den haßerfüllten Geist, der uns entgegentritt, und ermahnt uns zur Vorsicht und zu äußerster Kraftanspannung. Kriegszeitungen der Korporationen. Bon Or. Johs. Thummerer erschien eine Artikelserie unter dem Titel „Die Kriegssammlung der Deutschen Bücherei" im „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" (Leipzig), über die die „Fachpresse" folgendermaßen berichtet: Biele deutsche BereinSzeitungen, insonderheit die älteren periodisch erscheinenden Organe der turnerischen und studentischen Verbände machten die durch die Zeitlage gegebene inhaltliche Wandlung mit. Bereinsnachrichten vertraulicher Natur für einen engeren Kreis wollten diese Blätter meist bleiben. Aber sie mußten sich, wollten sie ihren Angehörigen dienen und nützen, auf die neuen Verhältnisse einstellen, ohne etwas von ihrem Grundzweck, Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls, aufzugeben. Und so wurde ein großer Teil dieser Zeitschriften Nachrichtenblatt für die Angehörigen im Felde und ein natürliches geisttges Verkehrsmittel zwischen Feld und Heimat, während sie in der Friedenszeit teilweise zu einer gewissen Bedeutung innerhalb der deutschen Parteigeschichte gelangt waren oder doch die innere Entwicklung der akademischen Jugend entscheidend beeinflußten. Sie halfen so ohne Zweifel die innere Mobilmachung, die geistige Kampfbereitschaft und todeSmutige Begeisterung, mit der tausende kriegsfreitvilliger Akademiker gleich den zahllosen Opferwilligen aus allen anderen Volksschichten sich zum Heeresdienst meldeten, vorbereitenaber Kriegsliteratur im eigentlichsten Sinne des Wortes sind sie nicht. Es gibt indes neben diesen zahlreiche andere akademische Bereinszeitschristen, die erst aus den durch den Weltkrieg gegebenen Notwendigkeiten heraus geschaffen wurden, um die Mitglieder einigermaßen über Aufenthalt, Auszeichnungen und sonstige Schicksale gegenseitig aufzu. klären und sie daneben auch über die nur den engeren Kreis der Korporation angehenden Ereignisse auf dem laufenden zu erhalten. Von beiden Arten werden die wichttgsten Erscheinungen mit Namen aufgeführt, und man staunt über die stattliche Zahl von etwa 75 Kriegszeitschriften der Korporationen.